Match Race Germany: Jan-Eike Andresen gegen den Rest der Welt

"hätt, wenn, wär"

Söhnke Bruhns, Eigner der M34 `Iskareen´, gibt bei der Luvtonnenrundung alles. © Marina Könitzer

There is no second! Diese alte Erklärung für Queen Victoria zu den Matchrace Basics kann wahrscheinlich niemand mehr hören. Zu oft wird die olle Kamelle aus der Schublade gekramt, um die bedeutungsvolle Historie des America´s Cups mit sportlicher Dramatik zu verbinden. Und außerdem: der Satz ist schlicht falsch, es gibt immer einen Zweiten, denn sonst hätten wir ja auch keinen Ersten. Wollte man also die runzelige Königin für dumm verkaufen?

Dafür lohnt ein Blick auf das Ergebnistableau beim Matchrace Germany am Bodensee, Deutschland einzigem Profi-Matchrace der World Match Race Tour. AC-Veteranen und „Young Guns“ geben sich hier die Klinke in die Hand, 12 Teams aus 10 Nationen, 50.000 Euro Preisgeld, 40.000 Zuschauer, eine der größten Sportveranstaltungen Baden-Württembergs, und das im Segeln!

Eigentlich undenkbar. Zu fünft muss man hier bändigen, was an Nord- und Ostseeregatten wahlweise mit acht Mann oder 10 Männchen – je nach Gewicht -, jeweils zuzüglich Pulle Sandemann, gesegelt wird. „Sicher“, ruft der Seemann zum Bodenseemann, „bei drei Knoten Wind treibe ich alleine mit jedem 40-Füßer durch die Gegend.“

Downfucker in die Klemme

Aber von wegen. In der Vorrunde herrscht zum größten Teil ablandiger, sehr böiger Wind bis 20 Knoten. Willkommen zu fünft auf der Bavaria 40 S. Könnte vielleicht noch mal jemand Barberholer ziehen, Kicker öffnen und Downfucker in die Klemme legen?

Wir müssen kurz halbwinds den Gegner luven- oh nein, Kommando zurück, Haaalse! Das Groß knallt über, bedrohlich neigt sich die Yacht, am Ruder fängt die Strömung an zu klappern. Fünf Mann, 40-Fuß, 20 Knoten, Wendeduell, Luvmanöver, Halsen am Fließband. Eigentlich undenkbar, aber mit Felix (Oehme), Florian (Weser), Soenke (Bruhns) und Tobi (Aulich) kein Problem.

Doch zurück zum Ergebnistableau. 0-0-0-0-0, wir hören an dieser Stelle lieber auf, die Nullen fortzuführen. 11 Rennen, kein Sieg. Nicht einmal mehr einen Ehrenpunkt. Wo im Fleetrace bei 11 Teams wenigstens mal ein 10., ja vielleicht sogar mal ein 8. Platz als Balsam für die Seele stehen würde, ist beim Matchrace eine Serie von Nullen, Bild und Name gleich einem Fahndungsplakat direkt daneben, fehlt nur noch die Emailadresse für Kondolenzschreiben.

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4 Kommentare zu „Match Race Germany: Jan-Eike Andresen gegen den Rest der Welt“

  1. avatar Philipp sagt:

    Trotzdem Respekt, Jan! Zu nem Grade 1 Match muss man erstmal eingeladen werden. Kann ganz gut verstehen, wie ihr euch fuehlt. Immerhin ging es meinem Team genauso vor kurzem genauso. Frag mal den Felix nach Zuerich 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar Prinz Albert sagt:

    40.000 Zuschauer? Klar, wenn man jeden mitzählt der beim gemütlichen Sonntagsbummel am Bodensee mal zufällig aufs Wasser geguckt hat. Das könnt ihr vielleicht der runzeligen Königin erzählen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 10

  3. avatar k sagt:

    schöner Artikel Herr Tresen!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

  4. avatar hanseatic sagt:

    Sehr schön geschrieben J-E! Klasse Fotos auch wieder von Marina! Mehr davon!

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