Maxi Yacht Rolex Cup: Design, Technik, Teamwork auf azurblauen Wassern

Sieg der Exzellenz

Jedes Jahr im September lockt der Maxi Yacht Rolex Cup die Weltelite des Yachtsports in die kristallklaren Gewässer vor Porto Cervo auf Sardinien. In den 30 Jahren der Partnerschaft zwischen Rolex und dem Yacht Club Costa Smeralda (YCCS) hat sich diese Regatta als eine der spektakulärsten und spannendsten Veranstaltungen im internationalen Superyacht-Kalender etabliert.

Um hier vorne mitzufahren, braucht es Präzision und Exzellenz in allen Bereichen: Design, Technik und nicht zuletzt Teamwork. Denn in Porto Cervo messen sich nicht nur die besten Segler, sondern auch die modernsten und schnellsten Rennyachten der Welt. Nicht umsonst gilt der der Maxi Yacht Rolex Cup im schönen, aber anspruchsvollen Maddalena-Archipel als ein wichtiger, inspirierender Treffpunkt für kreative und innovative Köpfe der Superyacht-Branche.

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Enge Positionskämpfe in der Wally-Flotte © Borlenghi

Die weltweit führenden Yachtkonstrukteure, Segeldesigner und Segelprofis kommen hier zusammen, um miteinander zu segeln und neue Visionen auszutauschen. Immer wieder kommen die Eigner der hochentwickelten Rennmaschinen zurück in die elegante und idyllische Anlage von Porto Cervo. Gründer des Komplexes ist Seine Hoheit Aga Khan, der auch entscheidenden Anteil an der Gründung des Yacht Club Costa Smeralda hatte, einem der angesehensten Yachtclubs der Welt.

Einer der Eigner, die Jahr für Jahr nach Porto Cervo zurückkehren, ist Sir Lindsay Owen-Jones. „Wir alle lieben den Maxi Yacht Rolex Cup, weil er das anspruchsvollste Event im jährlichen Regattakalender ist“, sagte der britische Eigner der „Magic Carpet Cubed“, einer 100-Fuß-Luxusrennyacht vom Typ Wally Cento. „Jedes Mal, wenn wir durch diese wunderschönen Inseln segeln, ist alles wieder anders und unvorhersehbar. Wenig lässt sich aus Erfahrung vergangener Jahre ableiten.“

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Die Marina des Yacht Club Costa Smeralda von oben © borlenghi

„Unbestritten ist die Schönheit des Ortes. Formel-Eins-Fahrer sagen, dass sie durchaus ein Auge für besondere Rennstrecken haben. Ich denke, bei uns ist es dasselbe. Natürlich konzentrieren wir uns auf das Segeln, aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, genießen wir auch den Anblick der Hügel, Klippen und Inseln. Gemessen an der Landschaft, kommt kein anderer Regattakurs an Porto Cervo heran.“

Unbedingter Wille zum Sieg

Sir Lindsay Owen-Jones hat mehrere Male an den legendären 24 Stunden von Le Mans teilgenommen, bei der Rolex seit 2001 offizieller Zeitmesser ist. Wie im PS-Boliden, treibt ihn auch am Ruder seiner Rennyacht der unbedingte Wille zu gewinnen. Doch nachdem er 2014 die Konkurrenz bei den Maxis der Wally-Klasse dominiert hatte, musste sich Sir Lindsay dieses Jahr dem Deutschen Thomas Bscher geschlagen geben, ebenfalls begeisterter Rennfahrer und Eigner der „Open Season“.

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die Magic Carpet Cubed (GBR) jagt die Open Season durch die zauberhafte Inselwelt der Costa Smeralda © borlenghi

Bschers 100 Fuß lange Wally wurde vom Yachtdesigner Rolf Vrolijk leicht modifiziert und um sieben Fuß verlängert. Die Yacht im neuen Gewand beherrschte das Renngeschehen in Porto Cervo und bewies, dass auf diesem hohen Niveau konstante Optimierung der Schlüssel zum Erfolg ist.

Um das maximale Potenzial aus seinem eleganten Cruiser-Racer herauszuholen, hatte Bscher einen der Besten verpflichtet: Für die Taktik zeichnete niemand Geringeres verantwortlich als Jochen Schümann, dreifacher olympischer Goldmedaillengewinner und zweimaliger America’s Cup-Sieger.

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Der Start wird angezählt © borlenghi

Die Kräfte an Bord eines Super-Maxis sind immens – einige der größeren Yachten wiegen mehr als 50 Tonnen – und der hochkomplexe Tanz auf dem Parkett des Regattakurses verlangt höchstes Fingerspitzengefühl. „Wahre Könner ahnen eine Situationen voraus, bevor sie eintritt“, sagte Thierry Peponnet, zweifacher olympischer Medaillengewinner und Taktiker auf dem französischen 80-Füßer „Tango G“. „Wir versuchen, das Boot nie in schwierige Situationen zu bringen, aber manchmal bleibt einem nichts anderes übrig. Doch in unserem Sport herrschen glücklicherweise Gentleman-Manieren, und das Verhältnis zwischen den Eignern ist gut.“

Fünf-Sterne-Hotel-Innenausstattung

Ein freundschaftliche Stimmung herrschte auch zwischen den sechs Eignern der fast identischen Maxi 72, die einander bei der Rolex Maxi 72-Weltmeisterschaft einen harten Kampf lieferten. Diese „Regatta in der Regatta“ hat seit ihren Anfängen in den 1980er-Jahren eine schrittweise Entwicklung erfahren: von großen Fahrtenschiffen, deren Eigner gelegentlich Regatten segelten, hin zu durch und durch Karbonyachten ohne jegliches Zugeständnis an den Komfort. Während viele der Yachten, die an der inoffiziellen Maxi-WM teilnehmen, die Innenausstattung eines Fünf-Sterne-Hotels bieten, zeigt das Innere der gewichtsoptimierten Maxi 72-Racer nur nackte Kohlefasern.

Der Eigner der „Robertissima III“, Roberto Tomasini, kam wegen des harten, sportlichen Wettkampfes an die Costa Smeralda. „An Bord haben wir nur das Minimum – keine Elektrik, nur wenig Elektronik, Winschen mit Coffee-Grindern“, sagt der italienische Eigner. „Natürlich ist es nett, auf einer Regatta einen Kühlschrank, einen Fernseher, eine Stereoanlage und andere Annehmlichkeiten zu haben. Aber wir Maxi 72-Eigner bevorzugen das reine Regattasegeln. Das ist wahrer Sport.“

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Die Maxi 72-Flotte auf raumem Kurs © borlenghi

Sind die schlanken 72-Füßer schon beeindruckend, so wirkt der 100-Füßer „Comanche“, als sei er geradewegs von einem anderen Planeten am Mittelmeer gelandet. Die mächtige Yacht im Besitz von Jim und Kristy Hinze Clark ist eine Präzisionswaffe, entworfen, um jedes Rennen zu gewinnen, in dem sie antritt. Diese amerikanische Rakete scheint alle Regeln der Physik auszuhebeln, indem sie doppelt so schnell wie die Windgeschwindigkeit segelt.

Es erscheint nur logisch, als Skipper für ein Geschoss wie die „Comanche“ einen erfahrenen Mann wie den mehrfachen Weltumsegler und America’s Cup-Teilnehmer Ken Read zu gewinnen.

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Clarks 100 Fuß-“Comanche” (USA) war “First Ship Home” nach dem 38 Seemeilen- Küstenrennen © borlenghi

„Die Priorität für das Projekt liegt darin, an jedem großen Hochseerennen teilzunehmen“, sagte der amerikanische Profi. „Der Maxi Yacht Rolex Cup ist ein Premiumevent. Das Management des YCCS macht wirklich einen fantastischen Job: Es ist ein Traum, an einem Ort mit derart perfekten Rahmenbedingungen zu segeln. Um mit diesen Booten gegeneinander anzutreten, gibt es keinen besseren Ort. Ich denke, ich kann für alle sprechen, wenn ich sage: An keinem Ort wären wir in dieser Woche des Jahres lieber.“

Sieger brauchen profunde Kenner des Reviers

Seit ihrem Stapellauf im vergangenen Jahr hat die „Comanche“ bereits einen 24-Stunden-Rekord während einer sehr schnellen Atlantiküberquerung aufgestellt und das legendäre Rolex Fastnet Race als Erste im Ziel beendet. Das Feld der Maxis beim Maxi Yacht Rolex Cup anzuführen, war also erklärtes Ziel für das Eignerpaar und die Crew.

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Die “Heteiros” ist mit 66,7 Metern Länge das längste Schiff der Flotte © borlenghi

Einen „Schandfleck“ im äußerst erfolgreichen seglerischen Lebenslauf der „Comanche“ gilt es noch wettzumachen: Beim vorjährigen Rolex Sydney Hobart Yacht Race hatte die zehn Jahre alte, aber nicht weniger innovative „Wild Oats XI“ den Bug vorn. Ken Read und Crew werden im Dezember 2015 in Sydney zur Stelle sein, um sich endlich den Titel des First Ship Home zu holen.

Um die „Comanche“ sicher durch die Felsenlandschaft des Maddalena-Archipels zu dirigieren, wurde mit Lorenzo Bortolotti ein profunder Kenner des Revieres als Navigator an Bord geholt. Bortolotti zeigte sich beeindruckt von dem Streben nach Exzellenz, das sich durch jeden einzelnen Bereich des „Comanche“-Projektes zieht.

„Es ist klar, worauf der Fokus liegt: Sydney-Hobart zu gewinnen“, sagte der erfahrene italienische Segler. „Die Crew hat noch eine Rechnung offen. Viel Arbeit wird in neue Kiel- und Segeldesigns gesteckt. Die ‚Comanche‘ ist ein Design- und Ingenieursprojekt mit beeindruckenden Ausmaßen.“

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Die “Shirlaf”, eine Swan 65 aus dem Jahre 1976 © borlenghi

Seite an Seite mit der „Comanche“ segelte in Porto Cervo die „Shirlaf“, eine Swan 65-Ketsch aus dem Jahr 1976. Obwohl beide Schiffe äußerlich nicht verschiedener sein könnten, trägt die klassische Yacht des Eigners Giuseppe Puttini die gleiche DNA in sich wie die „Comanche“. Als sie in den Siebziger Jahren vom Stapel lief, verkörperte die Konstruktion, wie heute die „Comanche“, den letzten Schrei in der Entwicklung von Hochseeyachten und gewann eines der ersten Rennen rund um die Welt.

Perfekter Ort

Der Kommodore des Yacht Club Costa Smeralda, Riccardo Bonadeo, zeigte sich stolz, eine so große Bandbreite der schönsten und modernsten Rennyachten der Welt zu Gast zu haben. „Dieser Ort ist einfach perfekt für Megayachten. Der Charakter der Regatta hat sich in den vergangenen 25 Jahren stark verändert. Lag der Fokus zu Beginn noch auf Fahrtenyachten, steht heute klar der Sport im Vordergrund. Ich finde es großartig, dass an diesem Wettkampf der taktischen und technischen Exzellenz auch noch ältere Yachten wie die Swan 65 teilnehmen. Diese Yachten sind Teil des Erbes des Maxi Yacht Rolex Cup.“

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Die größte und die schnellste Superyacht – “Hetairos” und “Comanche” © borlenghi

Die Partnerschaft zwischen Rolex und dem YCCS dauert bereits mehr als 30 Jahre. Wie vertrauensvoll dieses im Laufe der Jahre gefestigte Band ist, wurde jüngst bestätigt durch die Ankündigung des ersten Maxi Yacht Rolex Caribbean Cup, der im kommenden April beim YCCS Virgin Gorda auf den British Virgin Islands stattfindet.

Niemand dürfte den Sieg beim diesjährigen Maxi Yacht Rolex Cup mehr genossen haben als Thomas Bscher. Der Triumph seiner Wally „Open Season“ war für den deutschen Eigner die Krönung von mehr als einer Dekade harter Arbeit. Mit einem engen Ausgang hatte alle bei der Weltmeisterschaft der Maxi 72 gerechnet; doch dass am Ende die „Bella Mente“ einen Vorsprung von nur 19 Sekunden vor der „Robertissima III“ ins Ziel rettete, hätte niemand gedacht.

Am Abend des windigsten Tags der Woche versammelten sich die erschöpften, aber feierlich gestimmten Crews für die Preisverleihung auf der Piazza Azzurra. Die siegreichen Eigner wurden sowohl mit dem Maxi Yacht Rolex Cup als auch mit einer eigens gravierten Rolex Uhr bedacht: Ein Symbol des Erfolgs und Lohn für die außerordentliche Leistung, nicht nur in einem der stärksten Regattafelder, sondern auch in einem der anspruchsvollsten Segelreviere der Welt triumphiert zu haben.

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