Meinung Wäre Andrew Ashmans tödlicher Unfall beim Clipper Race vermeidbar gewesen?

Die See ist immer ein Risiko

Nach dem tragischen Unfall beim Clipper Round the World Race wurden den Organisatoren in Foren und sozialen Medien schlechte Sicherheitsvorkehrungen vorgeworfen. Zu Recht?

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Die Clipper-Race-Yacht “Ichorcoal”, auf der das Unglück passierte © clipper race

Als vor einer Woche Andrew Ashman während des Clipper Round the World Race tödlich verunglückte, waren nicht nur die Teilnehmer dieser „Rundum“-Etappen-Regatta schockiert – die weltweite Fahrten- und Regattaszene zeigte sich tief betroffen!

Der Hochsee-erfahrene, leidenschaftliche Segler Ashman war nachts beim Reffen während moderater See- und Windbedingungen von einem im Wind schlagenden Großschotblock oder vom Baum am Kopf getroffen worden. Genauere Angaben gibt es noch nicht. Ashman erlitt bei diesem Schlag wohl schwerste Schädelfrakturen, an denen er kurz darauf verstarb. Der endgültige medizinische Bericht steht aber noch aus.

Logischerweise berichteten vor allem britische Medien von dem Unglück des Briten, aber auch in US-amerikanischen, australischen und französischen Segelforen löste der Unfall Debatten aus.

Die britische Presse informierte ihre Leser größtenteils zurückhaltend und sachlich, nur einige wenige Boulevard-Medien stellten Fragen nach der Sicherheit an Bord („war er nicht angeschnallt?“) und nach entsprechender sicherheitsrelevanter Ausbildung der Amateur-Crews.

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Der verstorbene Andrew Ashman © clipper race

Hat das was mit Sicherheit zu tun?

Vor allem bei den Kommentaren der berichtenden Internet-Medien und in einigen Segel- und Wassersport-Foren wurde häufig die Frage gestellt, ob der Unfall nicht vermeidbar gewesen wäre.

Es wird vor allem moniert, dass in der Regel an Bord der Clipper-70-Fuß-Yachten jeweils nur ein Profi einer ansonsten reinen Amateur-Crew vorsteht. Die wiederum besteht zu einem nicht unerheblichen Teil aus Personen, die vor der Teilnahme beim Clipper-Race nur sehr wenige Erfahrungsmeilen auf See gesammelt haben – und jetzt “einfach so” um die Welt geschickt werden.

Tatsache ist, dass Ashman keineswegs zur Kategorie unerfahrener Clipper-Segler gehörte. Der 52-jährige Sanitäter war bereits seit Jahren auf See unterwegs, als leidenschaftlicher Segler bekannt und hatte vor, an insgesamt drei Etappen des Clipper Round the World Races teilzunehmen, darunter auch die Southern-Ocean-Strecke.

Nach dem Unfall gaben einige Crew-Kollegen zu Protokoll, dass sie Ashman als besonnenen, umsichtigen und seemannschaftlich versierten Segler geschätzt hätten. Er sei eine wichtige „Säule“ innerhalb der Mannschaft gewesen.

Immerhin 24 Tage verbringt jede Clipper-Crew gemeinsam mit Trainingsmaßnahmen auf See, bevor die Regatta gestartet wird. In dieser Zeit werden Manöver bis zum Abwinken geprobt, vor allem aber Sicherheitsmaßnahmen in allen nur erdenklichen Situationen gepaukt. In Langfahrt-Kreisen gilt dieses Training als durchweg vorbildlich, von dem sich so manche Profi-Veranstaltung eine Scheibe abschneiden könnte.

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Unsicherer als bei anderen Hochseeregatten? © Clipper round the World

Segeln Profis sicherer?

Denn auch bei den Hochsee-Rennen, die nahezu ausschließlich von professionellen Seglern oder doch zumindest Semi-Profis nach extrem schweren Qualifikationsmaßnahmen bestritten werden, gibt es bekanntlich Todesfälle.

Die Todesrate steht übrigens rein statistisch gesehen proportional über der sogenannter Amateur-Rennen. Fünf Tote beim Volvo Ocean Race (vorher Whitbread), drei Tote bei der Route du Rhum, vier Tote in den ersten vier Jahren der Mini-Transat… ganz zu schweigen von Desastern wie dem Fastnet-Race 1979, bei dem 19 Todesopfer zu beklagen waren. Die Todes-Liste vermeintlich sicherer segelnder, weil professioneller Crews könnte noch zeilenlang fortgesetzt werden.

Beim Clipper Round the World Race ist Ashman der erste Todesfall, nachdem immerhin weit über 3.000 Amateur-Segler tragödienfrei daran teilgenommen haben.

Falscher Moment am falschen Ort?

„Es war wohl ein Schicksalsmoment, in dem Andrew der Unfall passierte,“ sagte dann auch einer seiner Mitsegler nach Notstopp des „Clippers“ in einem portugiesischen Hafen. „Wir befanden uns keineswegs in einer schwierigen Situation.“

Vielleicht wäre der Unfall vermeidbar gewesen, wenn Ashman einen Meter weiter weg gestanden wäre, wenn er in der Kombüse Sandwiches geschmiert hätte, statt zu Reffen und sowieso wenn er zuhause geblieben wäre. Doch er wäre nicht durch anderes, besseres Sicherheitstraining mit dem Leben davon gekommen.

Dieser bedauerliche, tragische Todesfall ist vielmehr den überall auf See lauernden Risiken geschuldet. Jeder, der auch nur ein paar Meilen auf offenem Meer gesegelt ist, weiß, dass dort andere Gesetze herrschen. Wie schnell aus einer kleinen Unaufmerksamkeit ein Desaster wird, wie dramatisch ein schusseliger Moment ausgehen kann, wie oft man im falschen Moment am falschen Ort steht.

Profis wie Loick Peyron sagen es immer wieder: „Nichts ist auf See tatsächlich vorhersehbar. Man kann sich vielleicht nach bestem Wissen schützen – doch vor der See ist keiner sicher!“

Clipper Race

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Wäre Andrew Ashmans tödlicher Unfall beim Clipper Race vermeidbar gewesen?“

  1. avatar Hein sagt:

    Ein glück ist das nur Ihre Meinung.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 0 Daumen runter 31

  2. avatar Kluchschieter sagt:

    Nein, es ist nicht nur seine Meinung. Ich schließe mich an.
    Segeln an sich wird immer ein gewisses Restrisiko haben, egal wie gut man ist oder wie gut man sich vorbereitet. Es ist tragisch, aber solche Dinge passieren einfach hin und wieder. Und nach einem tragischen Unfall gibt es immer wieder mehr oder weniger qualifizierte Stimmen die nach einer Schuldfrage schreien oder wissen wollen wie man so etwas zukünftig vermeiden kann. Das ist ja nicht nur beim Segeln so.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 22 Daumen runter 0

  3. avatar Sven 14Footer sagt:

    Ich bin auch der Meinung von MiKu. Es ist wichtig, sich immer zu erinnern: Es gibt ein Restrisiko. Wenn man dazu noch fernab der Küste segelt ist bei einem Unfall der Arzt manchmal auch mehre Tage entfernt.
    Trotzdem ist es gut und meiner Meinung nach ein muss, qualifiziert und besonnen zu schauen, was ist in dem Moment des Unfalls schief gelaufen? Was sind die Ursachen? Gibt es evtl. trotz der guten Vorbereitung noch Lücken die wir geschlossen werde können?
    Nicht vergessen, wir Segler, Profis und Amateuere, sind Menschen. Menschen handeln individuell und auch emotional. Manchmal eben auch nicht hundertprozentig sowie im Lehrbuch beschrieben oder im Training geübt.

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