Meisterschaft der Meister: Sieg für NRW-Team – J/70 Spezialisten geben Ton an

Liga-Elite vorne

Boris Herrmann hat den Titel eigentlich schon im Sack. Erstes Rennen im Triple-Race-Finale gewonnen, im zweiten Platz eins an der Luvtonne. Wer zuerst zwei Siege zählt, ist Meister der Meister 2015. Die Überraschung wäre perfekt.

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Die drei Sieger-Teams bei der MdM 2015. © Lina Nagel/Boris Herrmann Racing

Es ist schon einige Zeit her, dass der deutsche Hochsee-Profi, der sich gerade auf den ultimativen Um-die-Welt-Rekord vorbereitet, im harten Wettkampf auf kleinen Booten beweisen musste. 2007 wurde er Deutscher Meister auf dem 505er.

Aber bei Herrmann läuft’s im Moment. Die wachsende Reputation als Offshore Profi scheint ihm die nötige Lockerheit zu geben. Und mit 505er Weltmeister Claas Lehmann an Bord, der für den Blankeneser Segel-Club per Relegation um den Liga Aufstieg kämpft, sowie Niklas von Meyerinck vom Liga-Dritten NRV, hat er sich eine starke Crew zusammengesucht.

Durchmarsch ins Finale

In der ersten Runde am Samstag geht es noch mühsam los, aber im Hoffnungslauf gelingt die Qualifikation für die Top zwölf der 28 gestarteten Meister-Teams. Dann der Durchmarsch bis in das Finale, bis zu dieser Luvtonnenrundung.

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Jan-Philipp Hofmann r.) FelixBrockerhoff und Nils-Henning Hofmann sind die Meister der Meister 2015.

Von Meyerinck reißt den Spi mit mächtig Power hoch. So hat er schon geholfen, den einzigen Liga Sieg für den NRV beim Spieltag in Warnemünde einzufahren. Aber der Wind ist leicht. Und am Heck klebt Jan-Philipp Hofmann (23), der 505er Meister.

Noch mehr als der Fiven-Titel hilft ihm nun allerdings der Job als Bundesliga-Steuermann für den Düsseldorfer Yacht-Club. Erst ein Wochenende zuvor hat er fast das Wunder wahr gemacht und seinen Club vor der Relegation gerettet. Platz vier in Hamburg war extrem stark auch wenn am Ende Rang 13 in der Liga-Gesamtwertung doch nicht ausreichte. Nur ein Punkt fehlte.

Selbstvertrauen gegen Schümann

Aber auch in der folgenden Relegation lag Hofmann mit seinem Bruder vorne bevor sie abgebrochen wurde mangels Wind. Der Düsseldorfer Nachwuchs hatte sich im direkten Duell mit Jochen Schümann bewiesen.

Das bringt Selbstvertrauen, von dem auch Hofmanns 505er Vorschoter Felix Brockerhoff getankt hat. Schließlich schaffte er mit seinem Vater für den Duisburger Yacht-Club den Zweitliga-Aufstieg auf Rang zwei im 58 Boote Feld. Sie alle halten die Fahne der NRW-Segler hoch.

Und so mag Hofmann auch in diesem Moment den MdM-Titel noch nicht preis geben. Das Angriffsverhalten ist nach den Liga-Rennen automatisiert. Unter Gennaker mit dem Rüssel auf die Leeseite des Gegners zielen, dessen Halse antizipieren und sofort mit einem Simultan-Manöver reagieren.

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Die Hofmann-Brüder beim Einsatz für den Düsseldorfer Yacht-Club. Die Liga-Segler beherrschen auch das MdM Feld. © DSBL

Die Hofmänner beherrschen die Drehung mit sanfter Rollbewegung perfekt, holen die Länge Rückstand auf, rutschen in Luv drüber, schaufeln dem Gegner dreckigen Wind ins Segel, lassen ihn mit flappenden Tüchern stehen und runden ihn wie eine Boje, um nach einer weiteren Halse mit Innenraum die Leetonne zu passieren. Führungswechsel.

Reputation für Finn-Klasse

Es ist die Entscheidung in diesem Rennen. Herrmann kommt nicht mehr ran. Dann verliert auch den folgenden Lauf schon klar beim Start und auch Max Kohlhoff kann nicht mehr in das Geschehen eingreifen.

Aber für den Finnsegler ist Rang drei ein ganz starkes Ergebnis. Er bringt der Klasse, die erneut Probleme hat, einen Olympioniken zu stellen,  jede Menge Reputation. Denn mit 470er Nachwuchs-Steuerfrau Frederike Löwe und Musto Skiff Segler Till-Jonas Gernegroß hat Kohlhoff als einziger der sechs Finalisten keine Unterstützung von Liga Seglern.

Denn die scheint immer mehr nötig, um ein ordentliches MdM Ergebnis abzuliefern. So steuert auf Rang vier Moritz Bohnenberger, der als Meister für den Deutschen Touring Yacht Club am Start ist und schon für das beste Deutsche Ergebnis bei der J/70 EM in Monaco (9.) gesorgt hatte.

Liga-Elite kaum zu schlagen

Rang fünf belegt Silke Basedow, die als Deutscher Match Race Meister das Team des Hamburger Segel-Clubs in die erste Liga führen soll. Und auf Platz sechs landet die 505er Europameisterin Meike Schomäker, die das Top Erstliga-Team des Kieler Yacht-Clubs Julian Ramm und Oliver Lewin für sich kämpfen lässt.

Gegen die versammelt Liga-Elite hat dann auch der Laser Vize-Weltmeister Philipp Buhl große Probleme, der seinen Coach Thomas Piesker mit ins Boot nimmt und Tobias Schadewaldt. Es soll auch eine Dankesgeste sein für den wichtigen Sparringspartner, der nach verlorener Olympiaqualifikation seine Karriere im Laser mit einem starken 6. EM Platz beendet hat.

Herrmann mag sich noch kurz ärgern über den knapp verpassten Titel über die unglückliche Halse, aber in einigen Wochen, wenn er mit seinem Mega Tri um die Welt rast, wird ihm dieses Intermezzo auf der Alster wie eine Erinnerung aus einem anderen Leben vorkommen. Weiter entfernt voneinander können Segel-Disziplinen kaum sein.

Finale Ergebnisse Meisterschaft der Meister 2015

Ergebnisse Meisterschaft der Meister Qualifikation

Teilnehmer Meisterschaft der Meister 2015

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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