Meisterschaft im Seesegeln: Halbzeit bei neuem Format – problematische Meldezahlen

Klassen zusammengelegt

Nach drei abwechslungsreichen Regattatagen vor Flensburg ziehen die deutschen Seesegler ein positives Zwischenfazit der diesjährigen IDM. Mit „Hansen“ und „Patent3“ untermauern zwei Teams ihren Anspruch als Titelaspiranten.

IDM_Yachten

Das IDM Feld der ORC Yachten. © gross-format.de/Felix Gross

Zugegeben: Die diesjährige Deutsche Meisterschaft im Seesegeln stand zu Beginn unter keinem glücklichen Stern. Die Idee seitens des Ausschuss Seeregatten, die Meisterschaft auf zwei Wochenenden zu teilen um in einer Gesamtwertung aus Kurzwettfahrten, Mittel- und Langstrecken das ganze Spektrum des Sports abzudecken mag nachvollziehbar erscheinen. Hinsichtlich der praktischen Ausführung erwies sich diese Lösung jedoch für viele Crews als nicht umsetzbar.

Zu groß ist der logistische und zeitliche Aufwand, weil insbesondere die Mittelstrecken ab dem kommenden Donnerstag doch in die reguläre Arbeitszeit fallen.

Als kaum zehn Tage vor Rennbeginn die Meldeliste in nur einer von angedachten vier Gruppen ausreichend Meldungen entsprechend der DSV-Meisterschaftsordnung verzeichnete, verdichteten sich Erfolg- oder Misserfolg der IDM auf eine Frage: „Was nun?“

In vier Klassen Segeln lassen und in Kauf nehmen, dass nur in Klasse ORCi3 um einen regulären Titel gesegelt wird, oder die Klassen zusammenlegen und in ORCi1/2 (13 Teams) und ORCi3/4 (14 Teams) um die Deutsche Meisterschaft segeln?

In enger Abstimmung mit dem ausrichtenden Flensburger Segel-Club verständigte sich die Klassenvereinigung der Seesegler (RVS) darauf, die Entscheidung denjenigen zu überlassen, die vom Ergebnis unmittelbar betroffen sein würden: Die teilnehmenden Segler.

RVS-Beisitzer Bertil Balser griff kurzerhand zum Telefon und kontaktierte sämtliche für die IDM gemeldeten Crews. Der Konsens: „Legt die Klassen zusammen, wir wollen große Felder.“

Sieben Up&Downs bei wechselhaften Bedingungen

So erklärt sich der Umstand, dass am vergangenen Wochenende vor Flensburg in zwei an Stelle von drei oder vier Klassen gesegelt wurde. Dass die Rennen trotz dieser schwierigen Vorzeichen spannend und eng waren, verrät nicht nur ein Blick auf die Ergebnisliste, sondern auch ein offenes Ohr in die Klasse bzw. ein Blick auf den Wetterbericht.

Nach der Vermessung am Donnerstag schickte Wettfahrtleiter Claus-Otto Hansen (FSC) die Teams am Freitag um 14:00 Uhr auf die Bahn in der Flensburger Förde. Bereits am Vormittag hatte es kräftig aus Ost geweht, dazu leichte Bewölkung und wie für die Flensburger Förde üblich: flaches Wasser.

Typische Fördewoche-Bedingungen also, die den Crews mit Böen bis zu 30 Knoten einiges abverlangten. Während sich in Klasse ORCi3/4 das erwartete Kräftemessen zwischen den X-332’s und der gewohnt gut gesegelten First 36.7 „Halbtrocken“ entfaltete, hielten die Ergebnisse in Klasse ORCi1/2 einige Überraschungen bereit.

Waren mit der J/V 49 „IMMAC One4All“ oder der Xp44 „X-Day“ im Vorfeld größere Yachten zu den Favoriten gezählt worden, setzten die Crews der dänischen X-37 „Hansen“ sowie der First 40 „BM-Yachting“ am ersten Tag ein klares Statement gegenüber den großen Yachten: „Das wird hier kein Selbstläufer.“ Die Bilanz nach drei Rennen: „Hansen“ (X-37) vor „BM-Yachting“ (First 40) vor „Xenia“ (Xp44).

Waren die gesegelten Abstände zwischen den Yachten in Klasse ORCi1/2 relativ groß, ging es in Klasse ORCi3/4 auch auf dem Wasser teilweise um Zentimeter: „Das war schon verdammt eng heute“, fasst „Halbtrocken“-Crewmitglied Robert Jacobsen den ersten Segeltag vor Flensburg zusammen. „Hier kann man sich wirklich keine Fehler erlauben. Die Boote liegen teilweise so dicht zusammen das kleinste Fehler auf dem Wasser sofort hart bestraft werden.“

Moderate Bedingungen am Samstag

Die Bilanz des ersten Tages: Einige blaue Flecken und viel Arbeit für die Segelmacher. Wettfahrtleiter Claus-Otto Hansen sagte dazu: „Das waren heute schon taffe Bedingungen, den Ansprüchen an eine Meisterschaft im Seesegeln jedoch absolut angemessen.“ Der Folgetag sollte die Crews zudem mit versöhnlich-moderaten Bedingungen empfangen. Auf Grund einer schwachwindigen Prognose für den Sonntag wurden vier Rennen gesegelt.

Wie sich herausstellen sollte, eine angemessene Entscheidung: Sonntag blieb es zu flau als dass die ORC-Klassen fair hätten segeln können. Nach insgesamt sieben Up&Down-Rennen führt in Klasse ORCi1/2 die X-37 „Hansen“ (8 Punkte), vor „BM-Yachting“ (13 Punkte) und „Xenia“ (17.5 Punkte). In Klasse ORCi3/4 liegt die X-332s „Patent3“ (11 Punkte) hauchdünn vor der First 36.7 Halbtrocken (11.5 Punkte) und der X-362s „Xen“ (19 Punkte).

Am kommenden Donnerstag geht die IDM der Seesegler dann in die zweite Hälfte: Mittel – und Langstrecken stehen auf dem Programm bevor in zwei Klassen die neuen Deutschen Meister feststehen. Als abschließende Bemerkung ist abseits des reinen Segelns hervorzuheben dass die Stimmung in Flensburg, insbesondere am Samstag-Abend Mut für die kommende Saison macht.

Die Klasse wächst langsam wieder zusammen, durch Tagessiegerehrungen und weitere soziale Aktivitäten seitens der Klasse scheint sich ein Gefühl des Zusammenhalts zu entwickeln. Die RVS hat eigens einen Fotografen für die Aufnahme von Crewfotos und Portraits zum Hallenfest abgestellt, auf facebook finden sich die Crewfotos und weitere Impressionen des Abends.

Ergebnisse ORC 1/2

Ergebnisse ORC 3/4

Quelle: RVS/Hügelmann

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Carsten Kemmling

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