BWR: Michel Desjoyeaux muss nach Kollision den Bug tauschen

"Foncia" plant Notstopp

Die zweitplatzierte "Foncia" muss mit beschädigter Bug-Sektion Brasilien anlaufen. © FNOB

Das Barcelona World Race 2010–2011 verlangt seine ersten „Wegzölle“. Nach dem Mastbruch auf der „Président“ des Franzosen Jean Le Cam kollidierte die zweitplatzierte Topfavoritin „Foncia“ mit Michel Desjoyeaux und François Gabart aus Frankreich offenbar schon am Vortag mit einem unbekannten Gegenstand und plant einen Reparaturstopp in Recife/Brasilien.

Die Nachricht von der „Foncia“ schlug bei den Teilnehmern ein wie eine Bombe. Der extreme Neubau war von vielen Experten kritisch beurteilt worden. Nun ist beim Zusammenstoß mit einem schwimmenden Objekt offenbar die so genannte Crashbox, eine Art Knautschzone im Bug des Schiffes so stark beschädigt worden, dass eine Reparatur unabdingbar erscheint, bevor es Ende des Monats in schweres Wetter ins Südpolarmeer geht.

Das „Foncia“-Team unter Chef Jean Paul Roux baut offenbar bereits eine Ersatzsektion, um diese nach Recife zu fliegen und dort einzubauen. Noch ist die Yacht mehr als 1000 Seemeilen von der brasilianischen Küste entfernt und könnte am Freitag (14. Januar) dort eintreffen. Die endgültige Entscheidung steht jedoch noch aus.

Ein Notstop würde noch nicht mit einer 48-stündigen Zwangspause bestraft werden. Das verlangen die Regeln erst, sobald Australien passiert wurde. Bislang machte sich der Schaden noch nicht so deutlich bemerkbar, wenngleich der Rückstand auf Platz eins auf knapp 76 Seemeilen anstieg.

„Der Nordost-Passat meint es sehr gut mit uns und bläst ungewöhnlich stark mit fünf bis sechs Beaufort“, so Boris Herrmann, „auch wir geben Vollgas und haben alle Hände voll zu tun.“ Die Mannschaft hatte hinter den Kanarischen Inseln den östlichsten Weg der vorderen Boote eingeschlagen und musste nachts mit einer leichten Kursänderung zwischen den Kapverdischen Inseln Santo Antao und St. Vicente hindurch steuern. Das kostete den sechsten Gesamtrang, den die Franzosen Kito De Pavant und Sébastien Audigane mit der „Groupe Bel“ übernahmen.

Die Meldung über das Unglück der „Président“ verbreitete sich zuvor wie ein Lauffeuer unter den Teilnehmern. „Für die beiden tut es uns natürlich leid“, lautete die einhellige Meinung, aber alle musste das auch als Warnschuss verstehen. Schließlich herrschten zum Zeitpunkt des Mastbruchs am Montagabend um 20.25 Uhr rund 85 Seemeilen nordwestlich der Kapverden „nur“ fünf Beaufort und mäßiger Seegang.

Die Yacht sei unsanft in eine Zwei-Meter-Welle gefahren, wobei der Mast unvermittelt abbrach. Über Funk signalisierte die Crew, dass sie ohne fremde Hilfe unter Maschine den Hafen von Santo Antao, der nördlichsten Kapverdischen Insel, erreichen könne, wo sie in der Nacht zu Mittwoch erwartet wurde. Ob dies das endgültige Regattaaus bedeutet, oder ein Ersatzmast eingebracht werden kann, blieb zunächst unklar.

„So eine Nachricht gibt einem schon zu denken“, meinte Boris Herrmann, „schließlich gehörte die ‚Président‘ ja zu unseren härtesten Verfolgern.“ Die Vermeidung von Materialbruch bei maximaler Geschwindigkeit ist das A und O bei einer Nonstop-Regatta. Auch in den Jahren zuvor hat es bei allen Segelrennen um die Welt immer wieder Ausfälle gegeben. Herrmann: „Wir versuchen, immer rechtzeitig zu drosseln, wenn es zu heikel wird. Aber Garantien, dass alles hält, gibt uns keiner.“

Auch an Bord der „Neutrogena“ gab es jede Menge zu basteln. Boris Herrmann musste im Dunkeln im Heck des Schiffes die Elektrik des Hydrogenerators instandsetzen, der für die Stromversorgung an Bord elementar ist. Über den kleinen Propeller wird die Batterie geladen. Ryan Breymaier kletterte bei starker Dünung in den 26 Meter hohen Mast, weil der Genuahaken, mit dem das Vorsegel oben am Mast befestigt wird, defekt war. „Es ist zwar 26 Grad warm, aber mit Schönwettersegeln im klassischen Sinn hat das hier wenig zu tun“, sagten die beiden unabhängig voneinander über Satellitentelefon.

In der zweiten Wochenhälfte sollen die Winde allmählich nachlassen, während das Feld in den Kalmengürtel kommt. Wer diese Flautenzone am besten durchquert und durch den Südatlantik kommt, dürfte als Erster das Kap der Guten Hoffnung im Süden Afrikas runden. Von Vorentscheidungen ist der Rennverlauf allerdings weit entfernt, wie die jüngsten Materialbrüche zeigen, denn noch sind mehr als 22.000 Seemeilen zurückzulegen. Die Sieger und Platzierten werden Ende März/Anfang April in Barcelona zurückerwartet.

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