Mini 6.50: Andreas Deubel mit starker 300 Meilen Einhand-Pemiere

"Richtig geil"

Andreas Deubel hat den Angriff auf das Minitransat in diesem Jahr gestartet. Jetzt berichtet er von seinem ersten Einhand-Langstrecken-Abenteuer Mini en Mai vor La Trinité sur Mer.

Andreas Deubel

Andreas Deubel beim Segelwechsel. © Th. Martinez

Am Mittwoch den 06.05.15 ging es endlich los beim Mini en Mai. Aufgrund der fehlenden Zeit nach der Sturm-Pause wurde der Kurs von 500 auf etwa 300 Seemeilen verkürzt. Es sollte direkt südlich mit einem harten Reach um 90 Grad TWA in Richtung Plateau Rochebonne gehen (ca. 80 Seemeilen) und dann von da aus mit einer Kreuz in Richtung La Rochelle. Dort sollte hinter die Ile de Re gesegelt werden (flach und Fischernetze ohne Ende) um von da aus wieder Richtung Norden bis nach Lorient um die Insel Groix zu segeln. Von da aus dann wieder zurück nach La Trinite.

Die Wettfahrtleitung gab uns noch den freundlichen Tipp, dass wir bitte aufgrund des immer noch anhaltenden Starkwindes mit 2 Reffs im Großsegel den Hafen verlassen sollten und das war dann auch eine gute Idee. Ich hatte dann sogar noch ein Reff in die Genua (nennt man bei den Miniisten “Solent”) eigebunden…ja sowas gibt es…und das war dann die Einstellung für den Start.

Mit Schlagseite aus dem Hafen

Im Hafen hatte ich mir noch überlegt, dass es ja ganz sinnvoll wäre bereits jetzt die gesamte Ausrüstung nach Steuerbord zu stauen, denn die ersten 80 Seemeilen sollten ja BB Bug mit 25-35 Knoten Wind versprechen. Alles nach rechts, alles Schwere nach hinten und so fuhr ich mit Schlagseite nach Steuerbord aus dem Hafen was im Endeffekt tatsächlich dann unter anderem ein Schlüssel zum Erfolg war.

Die Boote wurden zeitversetzt je nach Ankunft aus dem ersten Sprint-Renen gestartet. Der erste Proto durfte bereits um 15h los und ich mit meinem Serienschiff nach dem 18 Platz im Petto um 16:32h.

Ab da ging der Höllenritt los und die Kiste peitschte von Welle zu Welle. Es ging mit durchschnittlich 8 Knoten voran, in Spitzen über 10. Mein Boot war anscheinend optimal für diese Bedingungen getrimmt. Ohne irgendwelche Probleme schnappte ich mir Schiff für Schiff und zog mit bis zu 2 Knoten mehr Geschwindigkeit vorbei.

Starkwind fordert Tribut

Ein atemberaubendes Gefühl. Die Segel, die man gerade noch so am Horizont erkennen konnte, wurden mit jeder Minute größer und verschwanden dann nach einiger Zeit wieder achterlich am Horizont. Das war richtig geil.

Andreas Deubel

Der Mini-en-Mai-Kurs von Andreas Deubel

Der Starkwind forderte dann aber auch recht zügig seinen Tribut. Zunächst riss der Lasching an der Genuaschot und so flatterte die Genua nur noch im Wind herum. Also musste ich bei riesigen Wellen nach vorn, das Vorsegel runter nehmen und einen neuen Softschäkel anbringen. Wer da die falsche Segel Bekleidung an hat ist anschließen pitsch patsch nass.

Anschließend fiel die GPS Antenne aus. Das war dann ziemlich doof, denn ohne GPS geht es gar nicht bzw. war mir das in unbekannten Gewässern einfach zu heikel. Umdrehen kam aber nicht in Frage. Ich hatte noch ein Ersatz Hand GPS dabei und außerdem kann man ja versuchen, das zu reparieren. Am Ende hat die GPS Antenne irgendwie keine Satelliten mehr empfangen. Ich habe dann die Position der Antenne  verändert und danach ging es wieder.

Umziehen im bockenden Schiff

Nach einiger Zeit bemerkte ich dann, dass die sündhaft teuren Seestiefeln von Musto HPX nicht ihr Geld wert sind und von innen patsch nass wurden. Sehr schön…also wieder ab unter Deck und Ersatzklamotten anziehen. Auf See sind mir warme und trockene Füße sehr wichtig, denn neben dem Kopf und dem Nacken kühlt man doch über die Füße am meisten aus.

Ich hab mich dann für meine Dinghi Ausrüstung (Trockenanzug und Neoprenschuhe) entschieden. Und das war eine gute Entscheidung. Leider hab ich schon lange keine OK-Jolle mehr gesegelt und so war eine Fuß-Manschette verklebt und beim Auseinanderziehen gerissen. Also noch schnell selbstvulkanisierendes Klebeband um die Manschette gewickelt (war ganz schön eng) und schnell wieder raus aus dem Schiff.

Mittlerweile war mir von dem Aufenthalt unter Deck bei Wellen, die sogar in das Cockpit  krachten, so kotzübel, dass ich meinen Mageninhalt Rasmus spenden musste. Ich hoffe es hat geschmeckt 🙂

Seekrank

Der Seekrankheit verfallen gab es nun wieder 2 Möglichkeiten was ich machen konnte. 1. Aufgeben und zurück segeln oder 2. Zähne zusammen beißen und weiter machen. Ich wollte es mit Alternative 2 versuchen.

Der Wind nahm zwischen 20 und 24 Uhr langsam auf im Mittel 17-25 Knoten ab und so reffte ich Stück für Stück aus. In der Nacht gegen 4 Uhr kam ich an der ersten Wegmarke Plateau Rochebonne an. Der Wind ging dann auf 5-9 Koten runter und drehte weiter nach links.

Ich  unterschätzte die Winddrehung ein wenig  fuhr ich zu tief und musste am Ende noch mit ein zwei Schlägen zur Wegmarke aufkreuzen. Ärgerlich, den so kamen 2 Boote von hinten wieder auf.

Delphin-Besuch

Gegen Sonnenaufgang kam ich dann in den Genuss eines Naturschauspiels von dem ich schon von vielen Mini Seglern gehört hatte. Eine riesige Delphin Familie kreuzte meinen Weg und schien mit mir und meinem Boot spielen zu wollen. Etwa eine halbe Stunde lang schwammen die süßen Säuger links und rechts an meinem Boot vorbei, machten tolle Geräusche und atmeten frische Luft ein.

Ein starker Moment. Schade als Sie dann von dannen zogen und wahrscheinlich einen meiner Konkurrenten glücklich machten. Ist schon ein Wahnsinn, welch positiven psychologischen Eindruck  diese Tiere bei Menschen hinterlassen.

Die anschließende Kreuz in Richtung La Rochelle (ca. 45 Seemeilen) erwies sich als äußerst langwierig, zunächst mit sehr leichten winden um 0-5 Knoten, dann wieder zunehmend auf 12-17 Knoten Wind.

30 Minuten Schlafphasen

Da habe ich dann auch endlich etwas Schlaf finden können und immer so 30 Minuten am Stück die Augen zu gemacht. Manchmal länger, manchmal weniger, je nachdem, was gerade so an Deck passierte, denn tief schlafen kann man das nicht wirklich nennen.

Erholt von der abendlichen und nächtlichen Seekrankheit fand ich auch wieder die Muße, etwas zu essen. Müsli gab mir neue Kraft und so begann eine neue Phase der Regatta mit guter Laune, fabelhafter Musik und sonnigem Wetter vor La Rochelle.

Andreas Deubel

Andreas Deubel bei der Passage der Ile de Re. © Mini en Mai

Der Wind pendelte etwas und war meist um 9 Knoten stark. Nach La Rochelle ging es dann unter der Brücke zur Ile de Re. Dort lag ein Begleitboot der Wettfahrtleitung um über eine weitere Bahnabkürzung zu informieren. Die Crew sprach mich mit exzellentem Deutsch an und wünschte mir eine gute Weiterfahrt. Toll. So macht segeln in einem fremden Land doch echt Spaß.

Slalom durch Fischer-Fahnen

Noch etwa 100 Seemeilen. Mega Stimmung an Deck, yea es geht Nacht Hause. Ich fiel ab auf etwa 100 Grad TWA und zog den Code 5. Aber der Wind drehte relativ schnell weiter nach rechts, sodass ich den Code 5 gleich wieder einpacken konnte und gegen den Medium Spi wechselte.

An gefühlt 100 Fischerfahnen bei 2-3 Metern Wassertiefe vorbeisegelnd war ich froh, im Gegensatz zu einigen anderen Mini Seglern dem Einsatz im Wasser unter Anwendung von Schneidwerkzeug entgehen 🙂

25 Seemeilen bis le Sables d’Ollone mit Medium Spi, 7-9 Knoten über Grund, das ging schnell. Dann verabschiedete sich der Wind allerdings für einige Stunden. Gewitter zogen in der Ferne auf hielten zum Glück aber genügend Abstand.

Dafür schickte das Gewitter dann aber einen ordentlichen Regen, also wieder umziehen. Bei dem Regen und dem leichten Wind von 0-3 Knoten wollte kein Spi mehr stehen. Also barg ich das Tuch und fuhr nur unter Groß und Genua meinen eigentlichen Zielkurs.

Schneller ohne Spi

Das war dann wohl auch der Schlüssel zum Erfolg in der zweiten Nacht. Denn während die Anderen unter Autopilot Kreise drehten oder versuchten, fiese Winkel unter Spi  zu fahren, segelte ich mit 2 Knoten Fahrt ohne Spi, dafür aber in die richtige Richtung. Yea, das machte Spaß.

Am nächsten Morgen (Freitag) war ich dann kurz etwas irritiert, weil ein Mini, den ich in der ersten Nacht überholt hatte direkt hinter mir war. Und ich befürchtete, dass die vergangene Nacht doch nicht so gut gelaufen war. Aber dann stellte ich fest, dass es einer der schnelleren Protos war.

Nun galt es , den Vorsprung zu halten. Die Konkurrenten achteraus griffen mit zahlreichen Segelwechseln an. Gefühlte 100 Spiwechsel machten den Tag definitiv nicht langweilig. Spi runter, anderer Spi rauf, kurz einstellen, alten Spi wieder in den Sack packen und dann konnte man auch schon fast den gerade wieder frisch gepackten Spi oder einen anderen wieder hoch ziehen und neu packen. Wie ärgerlich 🙂

In der Bucht von Quiberon fuhren wir zunächst bei 15 Knoten Wind mit großem Spi und ca. 120 Grad TWA als der Wind dann wieder ordentlich auf über 20 Knoten zunahm. Zunächst konnten wir das Ziel gerade noch so anliegen, aber mit jedem Knoten mehr Wind wurde der Kurs tiefer und ein echt schwieriger Segelwechsel von Spi Max auf Code 5 stand an.

Schwieriges Bergemanöver

Die pushende Konkurrenz hatte hinter mir bereits gewechselt und ich versuchte mit dem größeren Segel und Speed noch etwas Vorsprung heraus zu holen. Das konnte aber nur gutgehen, wenn ich beim Bergen des Spi nicht zu viel Höhe verschenkte.

So folgte ein Spi Bergemanöver im vollen Reach. Jeder kann sich vielleicht vorstellen wie der Spi achteaus fliegt, wenn die Tack-Leine am Bugspriet bei Volldampf und relativ spitzem Kurs geöffnet wird. Geklappt hats aber trotzdem und danach ging der Code 5  auch relativ schnell hoch. Im Ziel lag ich dann gut 2-3 Minuten vor meinen beiden direkten Verfolgern.

Ich war überglücklich. Platz 12 für einen Klasseneinstieg in einem Transat Jahr ist echt Balsam für die Seele. Im Hafen gab es dann auch gleich anerkennende Worte der direkten Konkurrenz. Der Name Andreas Deubel ist nun nicht mehr unbekannt im Mini Zirkus und das macht mich stolz.

Zu guter Letzt noch zwei drei Anmerkungen:

1. Es stimmt nicht, dass die Franzosen kein Englisch sprechen. Die waren alle total nett, hilfsbereit und aufgeschlossen.
2. Es stimmt, dass Mini Segeln Selbstkasteiung par excellence ist.
3. Dass Dominik Lenk mit seinem Proto hinter mir gelandet ist, lag in meinen Augen ausschließlich daran, dass er nahezu das gesamte Rennen ohne Autopilot segeln musste (Hut ab)
4. Wie man das auf einem Transat über 3 Wochen aushalten kann, muss mir noch jemand erklären und begründen 🙂

Das nächste Rennen ist das Mini Fastnet, 600 Seemeilen nach Irland und zurück.

Ergebnisse Mini en Mai 2015

Andreas Deubel Website

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6 Kommentare zu „Mini 6.50: Andreas Deubel mit starker 300 Meilen Einhand-Pemiere“

  1. avatar Johannes Bahnsen sagt:

    Attacke, Deubel! 😉
    Schön, dass es so gut läuft bei Dir, Andi.
    Wann fahren wir unser erstes Event zusammen?
    P.s.- falls Du dann wieder hier oben sein solltest: Hast Du währende der NSW schon was vor? 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 3

  2. avatar Firstler sagt:

    Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für den klasse Bericht!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

  3. Moin Jo, das wird dieses Jahr schwierig, auch die NSW. Denn es geht Anfang Juni schon wieder runter nach Frankreich. Um auch der Familie gerecht zu werden sind alle weiteren Segelaktivitäten außer Classe Mini derzeit auf Eis gelegt. Aber Rund Skagen nächstes Jahr könnte mich schon reizen 🙂

    Wir sehen uns…bis bald

    Andreas

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  4. avatar Breizh sagt:

    Gratulation. Schön wieder einen aktiven deutschen im Mini Zirkus zu haben.
    Wäre bestimmt für viele interessant, noch mehr über die Minis und über die Klasse zu erfahren. Wo liegt denn Dein Mini aktuell?

    P.S. Mini Segler sind keine “normalen Franzosen” und können daher auch englisch 🙂 . Außerdem verlassen die ja auch ab und zu französisch sprechende Regionen der Erde.

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  5. Stützpunkt ist derzeit Lorient, da wo ein Großteil der Flotte seinen Stützpunkt hat. Von da aus geht es jeweils auf dem Wasserweg zu den entsprechenden Regatten. Nächstes Ziel Duarnanez, dort wo sowohl das Mini Fastnet, als auch das Mini Transat gestartet wird.

    Falls Du Fragen hast, einfach loslegen…viele Grüße

    Andreas

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  6. avatar Hubert sagt:

    Hi Andreas,
    den Artikel habe ich ursprünglich auf Deiner Seite gesehen, konnte da jedoch keinen Kommentar posten (Server angeblich überlastet (?)).
    Wie auch immer: ein toller und sehr kurzweilig geschriebener Bericht, danke!
    Was mich sehr interessieren würde: Wie bekommst Du das mit der Familientauglichkeit hin, bzw. wie planst Du das für die kommenden 2,5 Jahre?
    Viele Grüße
    Hubert

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