Mini 6.50: Jörg Riechers auf Rang 4 bei Trophée MAP

„Wie Pac-Man durch das Feld“

Mini 6.50, Jörg Riechers, Trophée MAP

Aufholjagden und Damoklesschwerter – das harte Leben der Einhandsegler © mare/Breschi

Der mare-Skipper berichtet von Aufholjagden, Damoklesschwertern, harten Reachgängen und von einem Befreiungsschlag, der keiner war.

Nach gut einem Jahr Pause startete ich nun endlich wieder im Mini 6.50, und das gleich bei meinem Liebling, der Trophée MAP, einer 500 sm-Regatta zwischen Douarnenez und Quiberon. Ich hatte zwar in diesem Jahr schon ein paar Mal auf dem Mini trainiert, aber mehr als sieben oder acht Tage bin ich wohl nicht auf dem Boot gesessen.

Start versemmelt

Was ich gleich beim Start zu spüren bekam: Irgendwie ist das Time-on-Distance-Verhalten eines Minis nicht so unbedingt das gleiche wie bei einer Class 40. Beim Startschuss war ich dann auch so weit von der Startlinie entfernt wie der HSV vom Gewinn der Bundesliga. Na ja, was soll’s, ich bin ja hier um Spaß zu haben, also machte ich mich daran, hoch motiviert aus meinem Start in der zehnten Reihe noch etwas Anständiges zu machen.

Ich arbeitete mich wie Pac-Man durch das Feld der 80 Minis und war nach gut einer Stunde schon wieder auf Platz 5 gesegelt und in Schlagdistanz zur Spitze, also: Alles im grünen Bereich!

Jörg Riecher, Mini 6.50, trophée MAP

Riechers arbeitete sich durch das Feld wie Pac-Man © Trophée MAP

An der ersten Wendemarke – der Raz du Sein – hatte ich mich dann schon auf Platz 3 vorgearbeitet. Geht doch, trotz meiner wenigen Trainingstage war mein Speed sehr gut.

Glücklich und zufrieden segelte ich Richtung Ile de Groix in der Spitzengruppe. Die war auf vier Boote geschrumpft und dem Hauptfeld komplett enteilt. Schade nur, dass unsere Gruppe aus vier und nicht aus drei Booten bestand. Dann hätte es eine schön entspannte Regatta werden können. So hing nun aber das Damoklesschwert in Form eines vierten Platzes über mir.

“Ganz schön hart”

Hinter der lle de Groix dachte ich mir, dass ich die Entscheidung jetzt mal erzwingen müsste: Ich wendete vom Feld weg und suchte Offshore nach mehr Wind. Den fand ich dort leider nicht, dafür aber einen Winddreher, der aus meinen 200 Metern Abstand einen soliden Zwei-Seemeilen-Rückstand machte: Damokles hatte eisenhart zugeschlagen.

Schade eigentlich, so hatte ich den vierten Platz ziemlich fest betoniert.

Jörg Riecher, Mini 6.50, trophée MAP

Nur Rang 4? Schade eigentlich … © Trophée MAP

Auf dem Rückweg zur Chausee-de-Sein-Wendemarke nahm der Wind ordentlich zu und es begann ein harter Reachgang mit Code 5 und später mit Code 0 –  hatte ganz vergessen wie brutal Mini-Segeln sein kann!

Eigentlich hatte ich das Rennen schon abgehakt und mich mit dem vierten Platz nun doch arrangiert, als ich an der Wendemarke den Zweit- und Drittplatzierten nur gute drei Meilen vor mir sah. Nun hieß es angreifen, schließlich waren es ja noch 30 Meilen bis ins Ziel – 30 Meilen, auf denen man das Blatt nochmals wenden könnte. Unter Code 0 und gerefften Groß pushte ich mein Boot bei mittlerweile 7 Windstärken bis an die Grenzen und manchmal auch ein wenig drüber hinaus. Der Lohn war, dass ich kurz vorm Ziel bis auf 0,5 Meilen auf die beiden Boote vor mir aufgeholt hatte. So beendete ich das Rennen mit 5 Minuten Rückstand auf dem 4. Platz – hätte ich doch bloß nicht diesen blöden Ausreißversuch bei der Ile de Groix gemacht!

Jörg Riecher, Mini 6.50, trophée MAP

Offshore den Befreiungsschlag gesucht. Und keinen Wind gefunden © trophée MAP

Na ja, am Ende war ich zwar ein wenig enttäuscht über die Platzierung, aber durchaus zufrieden mit meiner Performance. Trotz weniger Trainingtage war ich auf Anhieb konkurrenzfähig und es war für mich wichtig, mal wieder eine Einhandregatta zu segeln. Denn in der Class 40 gibt es zur Zeit davon viel zu wenige und die großen Rennen wie Vendée Globe und Route du Rhum werden nun ja mal einhand gesegelt…

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2 Kommentare zu „Mini 6.50: Jörg Riechers auf Rang 4 bei Trophée MAP“

  1. avatar Skiffi sagt:

    Genialer Bericht! Super unterhaltsam – hätte ruhig 100 Seiten länger sein können 🙂

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 23 Daumen runter 0

  2. avatar andreas borrink sagt:

    Toller Bericht, Jörg. Easy geschrieben, mit gesunder Selbstkritik und frei von unnötiger Polemik.

    Schön zu sehen, dass zu Deinen über alle Zweifel erhabenen Segelfähigkeiten und Deinem Kampfgeist nun auch eine stark zunehmende Medienkompatibilität kommt. So könnte es was werden mit der Vermarktung Deiner Vendee Ambitionen.

    Good Luck weiterhin!

    (…und schau nicht auf die Vermarktungsbemühungen Deiner Landsleute; die kriegen es definitiv nicht voreinander!)

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 21 Daumen runter 0

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