Mini 6.50: Lina Rixgens schafft Saisonziel – Qualifikation für Mini-Transat 2017

Zwischen Blitzen, Böen und Flauten

Rixgens, Mini 6.50, Qualifikation, Mini Barcelona

Lina Rixgens in Mini-Selfie-Pose – die 23-Jährige hat allen Grund, stolz auf sich und ihre Leistungen zu sein! © rixgens

Bericht von der letzten Mini-Regatta dieser Saison: 300 Seemeilen Barcelona-Menorca-Barcelona. Gesamt sind 1.000 Seemeilen in Regatten und 1.000 Seemeilen solo geschafft!

Mit der 23-jährigen Lina Rixgens wagt sich nach vielen Jahren endlich wieder eine deutsche Seglerin an die Mini Transat (SR berichtete) . Die junge Medizinerin will in einem Jahr bei der legendären Einhand-Transatlantik-Regatta starten und hat in diesem Jahr alle Qualifikationsaufgaben abgehakt: Teilnahme bei mehrere einhand- und zweihand-Regatten im Mini-Zirkus (gesamt müssen dabei mindestens 1.000 Seemeilen geloggt werden) und eine 1.000 Seemeilen lange Nonstop-Solo-Fahrt von Frankreich über den Ärmelkanal und zurück.

Hier der Bericht von ihrer letzten Regatta in dieser Saison, der „Mini Barcelona“. Ein (kleiner) Vorgeschmack von dem, was bei der Mini Transat auf sie zukommen kann…

Geburtstagsstart

An meinem Geburtsag, dem 7. Oktober, fiel mittags der Startschuss des “Mini Barcelona”. 21 Skipper gingen bei dem einhand gesegelten Rennen vor der Skyline der katalanischen Hauptstadt an den Start.

Bei traumhaften Bedingungen ging es Am Wind raus aufs Mittelmeer, 100sm in Richtung Menorca lagen vor uns. In der Nacht braute sich ein Gewitter zusammen, nicht das letzte auf dieser Regatta… Nach 6 Stunden Flaute, in der das Feld noch ziemlich nah zusammen war, ging es los mit Blitz, Donner, Regen und: Wind. Wie angekündigt drehte der Wind von S auf NE und nahm auf etwa 25kn zu. Seit dem Start muss ich leider auf jegliche Windinformationen verzichten und so steuert auch der Autopilot mehr schlecht als recht im Apparent-Wind-Mode. Irgendwann zwischen Mastcheck und Start habe ich das Rädchen des nke-Anemometers verloren – ärgerlich. Anscheinend hatten die meisten Boote vor mir den frischen Wind bekommen, sodass ich mich ziemlich weit hinten im Feld wiederfand.

Rixgens, Mini 6.50, Qualifikation, Mini Barcelona

Zwischen Blitzen, Böen und Flauten die tägliche Sonnenshow © rixgens

„Blitze viel zu nahe“

Den ganzen zweiten Tag über blieb es ruppig und meist grau, viele Wellen kamen über. Dafür kamen wir aber mit 7-8kn voran, sodass ich kurz vor Sonnenuntergang unseren südlichen Wegpunkt erreicht hatte und vor dem Wind zwischen Menorca und der vorgelagerten Isla del Aire durchhalsen konnte. Nun war die Stunde des Code 5 gekommen und bei herrlichen Bedingungen segelte ich mit halbem Wind entlang der Südküste, immer in Sichtweite einer anderen Pogo 2.

Mit der Nacht machte sich leider auch das nächste Gewitter auf den Weg zu uns, den Gennaker wollte ich dann gerne unten haben und wir hatten eh bald die letzte Inselspitze erreicht und müssten anluven. Mit zunehmendem Wind ging es also Am Wind in die zweite Nacht hinein, 85sm zurück nach Barcelona. Für meinen Geschmack viel zu nahe Blitze hielten mich fast die ganze Nacht wach, doch zumindest hatten wir wieder viel Wind und rauschten trotz zwei Reffs im Groß und einem in der Genua mit 8kn in die richtige Richtung. Sommerliches Mittelmeersegeln sieht anders aus, das Ölzeug hatte ich seit der ersten Nacht nicht mehr ausgezogen. Aber so flott durfte es trotzdem gerne weitergehen. Wenn alles so bliebe, wäre ich gegen 16:00 im Ziel…

Rixgens, Mini 6.50, Qualifikation, Mini Barcelona

Beim Start zur Mini Barcelona © rixgens

So sollte man besser nicht denken. Für die letzten 13sm brauchte ich geschlagene 7 Stunden! Es war zum verrückt werden. Links und rechts von Barcelona hatten sich wieder riesige Gewitterwände aufgetürmt, den Gennaker barg ich vorsichtshalber lieber wieder. Die schätzungsweise 5kn Wind, die noch blieben, kamen natürlich genau von hinten.

Zähe Stunden

Dazu eine Restwelle, die beinahe jegliche Fahrt aus dem Boot nahm. Vor dem Wind kreuzte ich also so tief fahrend wie möglich, alles Gewicht nach Lee gestaut. Wenigstens war ich nicht allein: voraus kam ein Proto langsam näher, hinter mir kam die Pogo 2 nicht dichter. Nach zähen Stunden brachten die Gewitterwolken endlich etwas Wind und ich passierte lange nach Sonnenuntergang die letzte Tonne.

Die restlichen 3sm bis zur Ziellinie führten direkt am Strand und somit an der Innenstadt Barcelonas vorbei, eine coole Atmosphäre. Mit dem Prototypen leistete ich mir noch einen spannenden Zweikampf in der Flaute und mit einem Feuerwerk im Hintergrund trieben wir gegen 23:00 endlich über die Ziellinie – er eine halbe Bootslänge vor mir. Trotzdem ein schöner Abschluss eines nicht ganz einfachen Rennens.

Für mich ging es in erster Linie darum, diese Regatta zu Ende zu segeln und innerhalb des Zeitlimits ins Ziel zu kommen. Das ist gelungen und somit habe ich jetzt alle Qualifikationskriterien für die Mini Transat zusammen: 1000sm innerhalb von Regatten, sowie 1000sm außerhalb von Regatten. Das Saisonziel ist also erreicht!!

Bald fangen die Trainings in La Rochelle an, dann geht es nicht mehr “nur” darum, anzukommen, sondern das Boot schnell zu machen!

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Ambiance im Hafen der katalanischen Hauptstadt © rixgens

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