Mini Transat 2013: Das Rennen, das Wetter, die Favoriten

Minis in den Startlöchern

Mini Transat 2013

Minis unterwegs – Große Emotionen rund um kleinste Boote © minitransat2013

Björn Freels, Mini-6.50-Enthusiast und Teilnehmer der Mini Transat 2011 (toller Rang 25), berichtet für SR aus dem Starthafen Douarnenez. Insider-Wissen par excellence

Das Rennen

Am 13. Oktober startet in Douarnenez (Bretagne) inzwischen zum 19. Mal das Minitransat. 84 Seglerinnen und Segler stellen sich in diesem Jahr einer der größten Herausforderungen im Hochseesegeln und wagen auf ihren nur sechseinhalb Meter langen Booten den Sprung über den Atlantik. Nach wie vor gilt die Regatta als die „einsamste der Transats“, finden selbst hochdekorierte Legenden wie Michel Desjoyeaux. Zwar ist die Miniklasse sehr innovativ und bringt immer wieder technische Neuentwicklungen hervor, die sich später auch auf größeren Racern finden; bei der Zulassung von technischen Hilfsmitteln zeigt sich die Klasse dagegen eher puristisch und setzt stattdessen auf klassische, seemännische Fähigkeiten. Es gibt keinen Computer an Bord, der Polardaten und Performance auswertet oder Wetterrouting erlaubt. Die Segler bekommen den Wetterbericht einmal täglich über Funk und müssen sich beim Routing, der Segelwahl und der Beurteilung des Trimms alleine auf ihre Erfahrung und ihr Gefühl verlassen. Sogar ein Sextant gehört noch zur Pflichtausrüstung, nebst dem Nachweis, ihn zumindest rudimentär nutzen zu können. Die Kommunikation beschränkt sich auf UKW-Funk, hauptsächlich mit Mitseglern und Begleitschiffen. Aufgrund der geringen Reichweite geht diese Verbindung oft schon nach wenigen Tagen verloren, dann herrscht tage- und wochenlang Stille.

Mini Transat 2013

Segelfläche ohne Ende auf den kleinen, breiten “Pfeilen” © minitransat2013

Diese besondere Herausforderung lockt viele Segler an, für die 84 Startplätze gab es über 100 Interessenten. Keine andere Offshore-Klasse bringt so große Teilnehmerfelder hervor. Das ist in Zeiten, in denen bei Volvo Ocean Race & Co nur noch eine handvoll Teams an den Start gehen, auch für Profis attraktiv. Wurde bisher vor allem die Prototypklasse von manchen als Sprungbrett für eine Profilaufbahn genutzt, gibt es nun auch den Weg zurück. Sogar einige Serienboote werden von ehemaligen Class40 oder Figaroseglern gelenkt.

Route und Wetter

2013 kehrt das Minitransat zu seiner ursprünglichen Route zurück, über die Kanaren zu den Antillen. Das zwingt die Organisatoren zu einem späteren Startzeitpunkt, da anders als bei der Strecke nach Brasilien (2001-2011), das Ende der Hurricane-Saison in der Karibik berücksichtigt werden muss. Durch die zusätzliche Verlegung des Starts von La Rochelle nach Douarnenez wird die erste Etappe etwas länger (1257 Seemeilen), die zweite dagegen kürzer (2764 Seemeilen). Ohne die Durchquerung der Doldrums entfällt ein spannendes Element der Reise, allerdings auch ein taktisch eher unberechenbarer Teil, bei dem das Glück eine Rolle spielt und man viel gewinnen und verlieren konnte.

Mini Transat 2013

Draußen wartet die große Einsamkeit © minitransat2013

Durch späteren Start steigt das Sturmrisiko für die ersten Tage in der Biscaya und auch mit entsprechend hoher Dünung muss man dann rechnen. Das wird die Flotte zwingen, einen großen Bogen um das spanische Cap Finistere zu machen. Dort baut sich die See besonders stark auf und am Kap selbst dreht der Wind dann noch mehr auf West und verstärkt sich deutlich. Bedingungen, bei denen leicht Bruch entstehen kann oder man an der Nordküste Spaniens gefangen wird.

Nach dem Passieren von Cap Finistere können sich die Segler langsam auf raumere Kurse freuen. Mit den aus nördlichen Richtungen wehenden „Portuguese Tradewinds“ westlich der iberischen Halbinsel ist um diese Jahreszeit wohl nicht mehr zu rechnen, da sie von einem Hitzetief über Spanien und einem weit nördlich liegenden Azorenhoch angetrieben werden. Stattdessen könnten hier noch nordwestliche Winde von einem Atlantiktief oder einem starken Azorenhoch wehen. Je weiter die Flotte sich nach Süden bewegt, desto mehr werden schnelle Spikurse vorherrschen.

Auf der zweiten Etappe von den Kanaren zu den Antillen führt die Route durch den Nordostpassat. Dennoch gibt es taktische Unsicherheiten. Um sicher in einem stabilen Passat raumschots segeln zu können, muss ein erheblicher Umweg Richtung Süden eingeschlagen werden, etwa bis auf Höhe der Kapverden. Minis sind aber, anders als Open 60s oder VOR70s, zu langsam um mit größeren Umwegen Wettersysteme auszunutzen. Auf dem direkten Weg nach Guadeloupe besteht die Gefahr, dass der Passat gestört wird und sich Flautenzonen ausbreiten. Der Nordostpassat wird angetrieben vom Azorenhoch und dem Hoch über den Bermudas. Sollte diese Hochdruckzone durch eine kleine Kaltfront instabil werden, schläft der Wind ein. Je mehr sich die Segler den Antillen nähern, desto häufiger können auch Gewitterböen und starke Schauer auftreten, mit Winddrehern bis zu 40°.

Mini Transat 2013

Obwohl nur 6.50 m kurz, wirken sie irgendwie riesig, diese Minis © minitransat2013

Die zweite Etappe wird durch den Verbleib im Nordostpassat insgesamt Downwind-lastiger. Es wird interessant zu sehen, welche Bootsdesigns bei diesen Bedingungen besonders gut funktionieren. Die neueren Boote mit ihren Chines haben gegenüber den noch runden Rumpfprofilen vor allem beim Reaching Vorteile. Auch der Plattbug-Mini 747 ist bei Reaching-Kursen besonders stark. Das könnte sich auf der ersten Etappe bezahlt machen, auf der zweiten nach Point-a-Pitre könnte dies dagegen keine Rolle mehr spielen.

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6 Kommentare zu „Mini Transat 2013: Das Rennen, das Wetter, die Favoriten“

  1. avatar Uwe Liehr sagt:

    Danke für den klasse Bericht, Björn! Unbedingt mehr davon…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 16 Daumen runter 0

  2. avatar Krischan sagt:

    Um Simons Favoriten-Status etwas zu verdeutlichen, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass er die Rücktour vom Azoren-Rennen gewonnen hat, nachdem ihm auf der Hintour bei einer Kollision mit einem Wal ein Ruderblatt abgerissen wurde und dass er auch das Transgascone 2013 nach einem spannenden Flautenpoker für sich entscheiden konnte.

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    • avatar Sui-8 sagt:

      Ja er gehör zu den geheimen Favoriten. Obwohl er nicht so bekannt ist, ein stiller Kämpfer.
      Wir hoffen das Wetter wird besser und Sie Starten 🙂 Good Luck Simi

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  3. avatar Breizh sagt:

    Vielen Dank für den Bericht. Wer einmal ein Mini live gesehen, weiß welche Leistung es ist mit den Dingern den grande large zu bezwingen. Bitte mehr von der Mini Transat berichten. Gerne würde ich auch noch mehr über die Klasse im Allgemeinen, die einzelnen Teilnehmerfeldern oder auch über das Reglement erfahren. Es ist ja sonst leider sehr schwer im Deutschen adäquate Informationen zu bekommen.

    Segelt eigentlich ein Anderer aus dem mare Team mit dem mare Mini beim Mini Transit mit? Jörg Riechers segelt ja mit der Class 40 das Transat Jacques Vabre am November. Oder steh der Mini weiter auf dem Trailer in der Halle?

    Dann an allen Teilnehmern “Mast- und Schotbruch”.

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    • avatar sven sagt:

      Henrik Masekowitz (625) ist wieder dabei, ich mag die Klasse auch , die Kunst ist nicht mit einem kleinen Boot über den Atlantik zu schippern das haben andere auf viel kleineren Booten schon gemacht,

      es allein im Racemodus zu tun ohne all die modernen Helferlein ist die wahre Herausforderung.

      Ich hoffe nur Henrik hat diesmal ein Sponsor gefunden um das Projekt voranzutreiben.

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      • avatar Olli sagt:

        Hat er nicht. Er geht halbwegs unvorbereitet und mit alten Segeln an den Start. Ein Stück weit mit olympischen Gedanken, weil er den Proto nun mal hat und wegen verschiedener Rennen zuvor auch qualifiziert ist.
        Das schöne an dem kapitalen Feld ist daß genug Protos seiner Altersklasse dabei sind mit denen er wieder einen Vergleich für die Leistung hat. Das geht am Zuschauer im Internet meist vorbei.
        Bei dieser Auflage ist es also nicht ratsam Henrik einen Platz vorn zu wünschen. Mit dem Anspruch geht er selbst nicht an den Start, sondern daß er eine schöne Zeit an Bord hat in seinem doch sehr unbequemen Boot – und daß er ohne nennenswerte Defekte ankommt. Also Henrik: Viel Spaß!

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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