Mini Transat: Francois Denis zeichnet Cartoons vom 6.50 m kurzen Paradies auf dem Wasser

Spitze Feder unter Segeln

Mini. TRansat, cartoon, Francois Denis

Schmökern bei 13 Knoten Bootsspeed – Francois’ Traum geht in Erfüllung © denis

Jeden Tag eine Zeichnung: Francois Denis dokumentiert seine Abenteuer auf hoher See mit akzentuiertem Strich und reichlich bissigem Humor. Die etwas andere Art der bildlichen Darstellung. 

Manche Typen sind nur schwer zu beschreiben – obwohl sie eigentlich für sich selbst sprechen. Schlechter, weil zu negativer Anfang, also nochmal: Manche Menschen sind ganz anders, als sie auf den ersten Blick wirken. Vorsicht, Binsenweisheit. Letzter Versuch: Wer einen Mann richtig kennenlernen will, sollte als erstes nach seiner Passion fragen. Hmm, vielleicht etwas zu allgemeingültig, und dennoch, ja, für Francois Denis passt das so. 

Als Francois vor ein paar Monaten zum ersten Mal neben meinem Boot auf dem Steg von La Base in Lorient stand und mich nach einem wunderbaren Segeltag neidisch über Windrichtung, Windstärke und Anzahl gesichteter Delfine während meines Tagesausflugs ausfragte, da dachte ich zunächst: „Netter Typ, wie so viele hier in der Classe Mini. Will plaudern, scheint sich zu langweilen“. Und tatsächlich, kurz darauf berichtet er mit seiner leisen, aber akzentuierten Stimme im bedauernden Tonfall, dass sein Boot schon in der dritten Woche an Land stehe, irgendwas mit der Elektrik nicht stimme und die Reparatur nur schleppend bis gar nicht voran gehe, dabei müsste er eigentlich…

Bunter Hund

Wir verabredeten uns zum Apèro drüben in der Bar, und da solche „rendez vous“ zwar grundsätzlich „nur auf ein Glas“ getroffen werden, letztendlich aber garantiert zeitlich wie getränketechnisch ausarten, hatte ich das Glück, mit einem der spannendsten Typen in der Szene den Abend zu verbringen – ohne auch nur die leiseste Ahnung davon zu haben. Als ich später mit französischen Kumpeln darüber redete, gaben die sich erstaunt: „Was, Du kennst Francois nicht? Der ist hier bekannt wie ein bunter Hund – im wahrsten Sinne der Worte, übrigens!“ 

Mini. TRansat, cartoon, Francois Denis

Kann auch “nett”: Francois Denis im Transat-Porträt © mini transat

Um keinen falschen Eindruck zu erwecken sollte klar gestellt werden, dass Francois Denis an diesem Abend keineswegs große Reden schwang. Im Gegenteil, man musste ihm die Wörter und Sätze förmlich „aus der Nase ziehen“. Und wenn er doch in einen kleinen Redefluss kam, dann war der meistens mit Ironie und mitunter bitterbösem Humor gewürzt.

Am meisten machte er sich über sich selbst lustig: Dass er erst als 60-jähriger “alter Sack” an der Mini Transat teilnehme, nachdem er seine Pogo2 schon seit zehn Jahren segelt. Dass er eigentlich gar kein Regatta-, sondern sowas wie ein Genusssegler sei, dass sein Boot ja sowieso nicht mit den Favoriten mithalten könne, seine Freunde und Freundinnen ihn schlicht für bescheuert erklärt hätten und ihn dauernd fragen, warum er sich das mit der Mini Transat überhaupt antue. In seinem Alter!

Zwischenrein stellten sich immer mal wieder andere Mini-Segler zu uns – falsch: zu Francois – und auch das eine oder andere Medien-bekannte Gesicht, das zu Seglern gehörte, die auf den „Großen“ unterwegs sind (IMOCA, Trimarane etc.) beugte sich zu ihm herunter, Küsschen hier, Küsschen da, und erkundigte sich nach dem Wohlbefinden. 

Mini. TRansat, cartoon, Francois Denis

Nach der Ankunft auf Gran Canaria – zuviel Rummel, erstmal eine rauchen © mini transat

Ein paar Zigarettenlängen später – bei Francois glimmt der Stengel reichlich oft – erfahren ich dann, dass er viele Jahre in Paris für Werbe-Agenturen als Grafiker und Art Direktor an großen Kampagnen gearbeitet hatte, dass er sich als „freiheitsliebenden Menschen betrachtet“ (was wohl in Bezug auf seine ehelichen Abenteuer zu verstehen war), zuletzt über Jahre hinweg mit Kumpeln eine Villa in der Pariser Banlieue besetzt hatte und nun beruflich etwas kürzer treten wolle. Haha, kürzer, deshalb der Mini.

Cooler Strich

Erst Tage später, bei einem kleinen Barbecue, erfuhr ich jedoch von seiner wahren Passion, von seiner großen Leidenschaft: Cartoons. Klar hatte er erzählt, dass er auch als Illustrator arbeite, aber mit keinem Wort erwähnt, dass er schon mehrere Bücher, Zeitschriften-Artikel, jede Menge Webseiten und sowieso unzählige Blätter mit seinen Cartoon-Zeichnungen gefüllt bzw. bebildert hat. 

Es liegt auf der Hand, pardon: in der Hand bzw. im Bleistift, dass Segler Francois nur ein Thema kennt: Segeln. Doch nicht die manchmal etwas skurrile Welt der Fahrtensegler, nicht das immer wieder „dankbare“ Hafenkino, nicht die unzähligen Fauxpas und Malheurs, die einem auf See passieren können haben es ihm angetan (SR-Artikel über Peyton), sondern – typisch Franzose – die Hochseeregatten. 

Mini. TRansat, cartoon, Francois Denis

Markenzeichen © denis

Dabei zeichnet sich (Achtung, Wortspielerei!) Francois Denis durch eine detaillierte bis intime Kenntnis der Hochsee-Szene aus. Erfahrungen, die er jedoch keineswegs auf hoher See, sondern eher beim Apéro gemacht hat, wie er mir anvertraute. 

Drei Bücher über die Vendée Globe

So begleitete er zeichnerisch und mit spitzem Stift schon die Mini Transat 2015 und veröffentlichte ein Buch darüber, erhöhte jedoch seinen Bekanntheitsgrad in der französischen Szene vor allem mit seiner zeichnerischen Begleitung der vergangenen Vendée Globe. Von jedem Tag illustrierte er die markanteste Szene, die den Segel-Helden draußen bei ihrem Abenteuer auf den Sieben Meeren passierte.

Er arbeitet immer mit wenigen, aber pointierten Strichen, gerne alles ironisch-bissig angehaucht, mit reichlich Humor und Sinn fürs Detail. Hauptfigur ist dabei häufig ein Typ mit Knollennase, von dem viele behaupten, es könnte Francois’ Alter Ego sein. Was „l’illustrateur“ gespielt-entrüstet von sich weist – schließlich habe er seine Hochsee-Abenteuer noch vor sich. 

Mini. TRansat, cartoon, Francois Denis

Ach ja… segeln kann er auch – hier bei Lieblingswind. Man beachte die unzähligen Boote HINTER ihm! © breschi

Dass Francois Denis nun bei der Mini Transat höchstpersönlich mitsegelt, dass er jeden Tag auf See einen Cartoon zeichnen will,  dass er sich auf seiner Pogo 2 „Passion d’Avril“ (Passion = Leidenschaft // Poisson d’avril = Aprilscherz) während der ersten Etappe auf Rang 45 „korrekt“ geschlagen hat, ist letztendlich alles andere als ein Aprilscherz. Für Francois geht, wie für alle anderen Teilnehmer auch, ein lang gehegter Traum in Erfüllung, auf den er (verhältnismäßig!) hart hingearbeitet hat. Seine Zeichnungen von rasenden Minis, buchstäblichen Wellenbergen und hart bastelnden Skippern sprechen dazu Bände.

Mini. TRansat, cartoon, Francois Denis

So begrüßte Francois die Wiederkehr des Jörg Riechers in der Mini-Szene – mit einer Geburtsanzeige!  865 – ohne Foils // 888 mit gestutzten Foils /// 900 MIT Foils // 934  bald dabei!  © denis

Einige Wochen vor dem Start zur ersten Etappe vertraute er mir noch an, wovor er Angst habe und was er sich wünschen würde: „Wenn die beim Security-Check meine Weinvorräte finden – das wäre schon ein harter Schlag!“

Und weiter: „Am liebsten hätte ich so nette 10-12 Knötchen Wind, die mich stetig gen Sonne schieben. Dabei könnte ich dann meine Bücher lesen, die eine oder andere Fluppe rauchen…“.  Wie gelungen er diese erste Etappe fand, zeigte sich auf einer der ersten Zeichnungen, die er nach Ankunft auf Gran Canaria veröffentlichte: Ein Typ fläzt sich bei 12 Knoten Speed tiefenentspannt auf seinem Mini und schmökert!“ Kann es ein größeres Glück für Ministen geben?

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Michael Kunst

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