Mini Transat: Simon Koster auf Rang Drei – die Mini-Zukunft hat einen Scow-Bug

"Gerne 2.000 Meilen länger!"

Simoin Koster, Mini Transat, Dritter

Will noch höher hinaus: Simon Koster im Ziel auf Rang Drei © breschi

Ein hervorragender dritter Rang, mit dem der Schweizer eines der besten Hochsee-Regattaergebnisse der letzten Jahre für den Alpenstaat einfährt. Blick nach vorn Richtung Route du Rhum.

„Das war eindeutig die schönste meiner drei Transat-Teilnahmen“, sagte Simon Koster kurz nach seinem Zieleinlauf vor Martinique. „Beim ersten Mal, im Serien-Mini, war’s ein wenig kompliziert, weil wir die Atlantiküberquerung in einer Etappe machen mussten. Beim zweiten Mal bin ich der Zeit, die ich im Vorfeld verloren hatte, hinterher gehetzt. Und jetzt beim dritten Mal war es so wunderbar, dass ich mir an manchen Tagen gedacht habe, diese Mini Transat könne gerne noch 2.000 Seemeilen länger sein!“ 

Antenne abgebrochen

Doch Koster (SR-Interview vor dem Start) berichtet auch von einem Problem mit der Elektrik, das ihn den größten Teil dieser zweiten Transat-Etappe im sprichwörtlichen Sinne „ins Blaue“  hinein fahren ließ. „Seit zehn Tagen habe ich keinerlei Informationen mehr erhalten, weil ich die Antenne meines BLU-Radios abgebrochen habe. So erfuhr ich erst am Ziel meine Platzierung.“

Ganz wie der zweitplatzierte Jörg Riechers zog Koster den Hut vor dem Gesamtsieger Ian Lipinski. „Unsere Boote sind sich im Prinzip zwar sehr ähnlich, und dennoch läuft es bei Ian einfach schneller und besser.“ 

Simoin Koster, Mini Transat, Dritter

Plattbug forever? © breschi

Der Schweizer gab im Ziel zudem einige Gedanken zur Zukunft der Mini-Hochseesegelei zum besten. „In Bezug auf die Foils (Redaktion: auf die Koster wie auch Riechers für diese Regatta bewusst verzichtet haben), müssen wir uns noch reichlich Gedanken machen. Die Dinger sind einfach viel zu schwer, um sie auf so langen Strecken mitzuschleppen und sie dabei nur wenig zu benutzen. Denn wir alle wissen, dass es unmöglich ist, die ganze Zeit über zu foilen – also brauchen wir eine Lösung mit Foils, die das Boot nicht langsamer machen, wenn nicht gefoilt wird!“ So segelt Quentin Vlamynck auf „Arkema“ als einziger Teilnehmer mit Foils „nur“ auf Rang 6 mit 150 Seemeilen Rückstand hinter seinen Konkurrenten her.

Für das Plattbug-Design hat Koster jedoch nur Lob übrig: „Das mit der Scow-Form hätte man schon viel früher machen sollen. Es ist wirklich beeindruckend, was für ein Leistungspotential diese Boote haben!“ Bei so einem Podium – auf den ersten drei Rängen typische Scowformen, auf Rang 4 ein nicht ganz so ausgeprägter aber dennoch deutlich gerundeter Bug – stelle sich jedenfalls nicht mehr die Frage, ob Scows auf Hochsee funktionieren können oder nicht. 

Internationales Podium

Koster zeigte sich zudem erfreut über die internationale Aufteilung der ersten Ränge bei den Mini-Prototypen: „Ein Franzose, ein Deutscher, ein Schweizer und ein Italiener! Jetzt müsst ihr aber langsam anfangen, bei den Briefings Englisch zu reden!“ sagte der Deutsch-Schweizer – der übrigens fließend Französisch redet – zur Regattaleitung im Ziel.  

Simon Koster, Mini Transat, Dritter

Hat sein Boot nach zwei Jahren intensiver Vorbereitungszeit im Griff: Simon Koster © breschi

Koster reiht sich mit seinem dritten Rang in eine mehr als ehrwürdige Linie hervorragender Schweizer Hochsee-Ergebnisse: Yvan Bourgnon war 1995 Sieger, sein Bruder, der verstorbene Laurent, wurde 1987 Zweiter; Justine Mettraux war im Jahr 2013 auf dem zweiten Platz in der Serien-Kategorie, während Bernard Stamm 1995 ebenfalls Dritter wurde.

Simon Koster richtet seinen Blick jedoch bereits nach vorne. In zwei Jahren möchte er – eine erfolgreiche Sponsorenansprache vorausgesetzt – mit einem gemieteten Class 40 bei der Route du Rhum am Start sein. Koster: „Natürlich bin ich auch „scharf“ auf die großen Mehrrumpfboote, aber das wäre wohl ein zu großer Schritt aus dem Mini heraus!“

Simon Koster, Mini Transat, Dritter

Grund zum Feiern gibt ein Podiumsplatz allemal © breschi

 

Weitere Siege und Platzierungen: 

Andrea Fornaro (Italien) mit „Sideral“ auf Rang 4  nach 14:03:50 Tagen

Erwan Le Draoulec wird heute Nacht als jüngster Mini-Transat-Sieger aller Zeiten in der Serienwertung erwartet – ca. 20 Seemeilen hinter ihm kämpfen Clarisse Cremer, Tanguy Bouroullec und Benoît Sineau um Rang Zwei in der Gesamtwertung. 

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Mini Transat: Simon Koster auf Rang Drei – die Mini-Zukunft hat einen Scow-Bug“

  1. avatar knallgäu sagt:

    Glückwunsch Simi!!!!
    Super gemacht!

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  2. avatar breizh sagt:

    Glückwunsch zum Podium!
    Jetzt erwarte ich die nächste Rassy auch mit Plattbug. Endlich mehr Platz im Vorschiff 😁.
    Aber bemerkenswert finde ich das Abschneiden Erwan Le Draoulec und Clarisse Crémer. In dem Alter und mit der Geschichte eine solche Leistung unglaublich. Könnten die kommenden Sterne am Offshore Himmel sein.
    Simon Koster hat ja schon konkrete Pläne, was er als nächstes angehen will, Von Ian Lipinski hört man eher wenig. Würde mich freuen Ihn einer der höheren Klassen wiederzusehen. Werbung hat er ja ausreichend für sich gemacht. Jetzt muss er das nur noch in Budgets umsetzen.
    Die Hoffnung, dass die Briefings in der Mini–/Offshoreszene auf Englisch stattfinden, ist wohl eher gering. Aber auch egal wer hier mitspielen will, muss sich so oder so in Frankreich aufhalten und kommt dabei um die Sprache nicht rum.

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  3. avatar Yachti sagt:

    Von Erwan und Clarisse kann sich Riechers, der so gut wie gar nicht in den sozialen Medien präsent ist, eine Scheibe abschneiden.

    Clarisse bekommt für einen FB-Beitrag (215 mal geteilt) bsw. 3500 Likes, Riechers dagegen kaum 50 🙂

    https://www.facebook.com/ClarisseSurLAtlantique/posts/969476596542208

    Eine zielgerichtete Vorbereitung, die ja auch die Präsenz in den Medien einschliesst, scheint Riechers jedoch leider nicht zu liegen.

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