Minitransat: 84 Einhand-Skipper beugen sich der Starverschiebung

In der Warteschleife

Der Start der Minitransat Regatta für 6.50 Meter kurze Einhand-Yachten ist wegen des zu erwartenden Starkwindes bis auf weiteres in Douarnenez verschoben worden. Björn Freels, Teilnehmer beim vergangenen Minitransat, berichtet nach der Vorstellung der Favoriten vor Ort von den Vorbereitungen.

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Der orange Mini von Henrik Masekowitz wartet wie 83 weitere Boote auf den Start zu Trasat. © Björn Freels

Am sonnigen Donnerstag herrscht fröhliche Stimmung im Port Rhu, im Stadtzentrum von Douarnenez. Es wird noch viel gearbeitet auf den 84 Minis, man hört Bohrer und Fräser, die Elektroniker haben alle Hände voll zu tun, an Deck sitzen Freunde der Segler und spleißen. Auf manchen Booten arbeiten drei oder vier Leute gleichzeitig, andere werkeln alleine.

Wie auch der einzige Deutsche Henrik Masekowitz, dem die Zeit fehlte für eine ausführliche Vorbereitung und auch das Budget um für seinen Mini in der Proto-Klasse neue Segel zu kaufen. Er gehört zu denjenigen, die improvisieren müssen. Als Alternative zur teuren Brennstoffzelle hat er sich selbst einen Stromgenerator gebaut, mit Komponenten aus dem Baumarkt.

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Henrik Masekowitz mit seinem selbst gebauten Stromgenerator. © Björn Freels

Das Solarpanel wird nicht von einer Carbonstruktur gehalten, sondern von Alurohren, die laut eigener Aussage nicht schwerer sind, aber erheblich günstiger. Mit den Top-Protos will er sich nicht messen, zu ungleich sind die Voraussetzungen. Er wird seinen eigenen Rhythmus suchen und möchte vor allem heil ankommen.

Bei dem strahlenden Sonnenschein ist es noch schwer vorstellbar, dass sich auf dem Atlantik etwas zusammenbraut. Doch für den Nachmittag ist ein außerordentliches Skipperbriefing angesetzt – zur Wettersituation in der Biscaya.

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Der mysteriöse Flügel am einzigen neuen Proto (850, Stan Maslard) soll für etwas Auftrieb am Heck während der Surfs sorgen. © Björn Freels

Bereits vorher werden Vermutungen laut, die sich dann gegen Abend bestätigen: der Start am Sonntag wird nicht stattfinden. Ein ausgeprägtes Tief bringt Mitte der Woche Starkwind aus Südwest und 4 m Seegang. Es würde die Flotte voraussichtlich bei Cap Finistere treffen, wo der Wind aufgrund des Kapeffekts noch 20 Prozent stärker erwartet wird und der Seegang entsprechend heftiger.

Bei der angekündigten Windrichtung ist das eine besonders extreme Belastung für Mensch und Material: die kleinen Boote würden tagelang in Wellentäler krachen und einen warmen und trockenen Ort an Bord dürfte man vergeblich suchen.

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Der favorisierte Proto von Gwenolé Gahinet. © Björn Freels

Das Risiko ist der Regattaleitung zu hoch, wie Wettfahrtleiter Denis Huges erläutert: „Wir haben 84 Einhandsegler, die wir auf´s Wasser schicken. Es kommt nicht in Frage sie in Wetterbedingungen zu schicken, die nicht akzeptabel sind. Wir hatten überlegt, den Start vorzuverlegen, aber im Hinblick auf die Vorbereitungsarbeiten von einigen war das nicht vernünftig.“ Nun wird der Start verschoben, ohne schon einen konkreten Termin zu bestimmen.

Die weitere Entwicklung des Tiefdruckgebiets soll erstmal abgewartet werden. Zu lange wird man nicht warten wollen, denn der Start zur zweiten Etappe in Lanzarote ist weiterhin auf den 9. November festgelegt. Stattdessen ist davon auszugehen, dass die Regatta direkt nach dem Durchzug des Tiefs gestartet wird, um die Flotte aus der Biscaya zu bekommen bevor das nächste Frontensystem auf Europa zurollt.

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Der Plattbug Mini 747 gehört wieder zu den Favoriten. Vor dem Niedergang hat sich der neue Besitzer Giancarlo Pedote Sitzkulen und Sichtfenster a la Open 60 eingebaut. © Björn Freels

Unter den Seglern gibt es allgemeine Zustimmung für den Schritt des Regattakommittees. „Das ist eine bizarre Situation. Auf der einen Seite ist die Entscheidung der Regattaleitung absolut legitim und ich denke, dass sich niemand gerne in 35 bis 40 Knoten Wind am Cap Finistere wiederfinden möchte. Auf der anderen Seite ist es frustrierend, jetzt hierzubleiben und zu warten.“ findet Teilnehmer Renaud Mary (RunO, 535).

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