Minitransat: Henrik Masekowitz und sein zweites Atlantik-Abenteuer

"Unfreundliches Krabbelboot"

Der einzige deutsche Minitransat Teilnehmer Henrik Masekowitz wartet mit seinen Kollegen in Douarnenez immer noch darauf, dass der Sturm einen Weg über den Atlantik frei macht. Der Minitransat Pionier Matze Beilken berichtet.

Minitransat, Masekowitz

Henrik Masekowitz auf seinem Proto Mini “Caribou” © Jacques Vappillon/Mini-Transat 2013

Eine Art silicatgefülles Riesenkissen auf einem von innen an die Bordwände gequetschten Liegesitz, ein paar wasserdichte Container für die umfangreiche Ausrüstung, die die Rennleitung fordert, ein frei im „Salon“ hängender Campingkocher im Gewusel zwischen armdicken Kieltaljen, abgeschrubbelte Kompositschotten, ein paar Klamotten, Werkzeug, sogar ein alter geliehener Plastikisextant für Notfälle, das war’s.

Frei schwappendes Seewasser in einem Hightech-Kielkasten, der den Schwenkmechanismus der Kohlefaserkielfinne umfriedet und einem ruhenden Segler am Knie kratzt. Nur eine Persenning verhindert Überlaufen. Willkommen auf einem Mini-Einzelbau.

Besagtes Riesenkissen ist nur die moderne Variante eines Strohsacks, er wird überall dort gebraucht, wo Henrik Masekowitz ihn hinschleppt, um sich kurz hinzufläzen. Tags oder nachts, während sein Sechseinhalbmeterbötchen in Richtung Antillenbogen rast. Auf dem Querliegesitz, im Cockpit, woauchimmer. Richtige Längskojen mit Leesegeln, wie 2007 auf seinem Serienmini: Fehlanzeige.

Lustig geht anders

Warum macht er das? Vor sechs Jahren hat er schließlich das Abenteuer schon einmal bestanden. Lustig geht doch anders, zuhause ist es doch auch nicht übel und so ein Einzelbau ist um viele Größenordnungen unbequemer, als ein Serienboot.

„So ein moderner Proto ist ein ganz schön unfreundliches Krabbelboot, vor allem für den Rücken ist er sehr anstrengend“, weiß der Mann, der sich als erster Deutscher anschickt, diese Tortur ein zweites Mal zu durchleiden.

Gekrabbelt wird viel dieser Tage, die die schlimmsten und unheroischsten des ganzen Rennens sind, fast pausenlos ist krabbeln angesagt. Klassenmitgliedschaft (was die Mitgliedschaft im französischen Segelverband einschließt), ärztliches Attest, Nachweis eines zertifizierten Sea-Survival-Kurses vorzeigen, ebenso Fotos vom Boot (falls eine Luftrettung anstehen sollte), Pfand für Überlebensanzug und Satellitenortungsbake erbringen undundund.

Alles das bereitet zusätzlichen Nerv zu der Rennerei, die das Bootklarmachen und -vorführen ohnehin bedeutet. Und zu allerletzt werden auch noch die Handys eingesammelt und verplombt. Denn Hilfe von außen ist strengstens verboten, eine schlaffe UKW-Quatsche bleibt die einzige Verbindung zur Außenwelt. Und da sich nach dem dritten Tag auf See üblicherweise niemand mehr in Reichweite befindet, bleibt das „Mini“ die isolierteste Regatta der Welt.

Gegner sind Helfer

Der legendäre „Esprit Mini“, diese herzerwärmende, alles umfassende Arme-Schlucker-Eigendynamik, hilft darüber hinweg und dominiert diese schwitzigen Krabbeltage. Irgendwie sind alle Leidensgenossen. So hilft man sich zum Beispiel beim Maststellen. Sie Spargel werden kurzerhand und ohne großes seemännisches Theater mit Fallen zwischen zwei weiteren Minis gesetzt.

Sowas und mehr erfrischt. Die Gegner sind die Helfer. Nur das Festbändseln und Trimmen seines Kohlefasermasts (es gibt keine Wantenspanner, nur Kompositterminals) muss Henrik wieder allein auf dem kurvigen Aufbau schwitzend erledigen.

Designer Elie Canivenc hat nämlich 2006 kaum etwas ausgelassen, um seine quietschorange „La Ligue Contre le Cancer“ mit der Nummer 625, der Avantgarde zuzuführen: Kurvige Linien überall und selbst für einen modernen Proto extrawenig Platz, der wirklich nichts anderes als Krabbeln zulässt.

Ein spezielles Rigg, spezielle Kielmechanik und natürlich die fast obligate halbrund-Großschot/Travellerschiene, deren Funktionsweise ohnehin kein Mensch kapiert. Bei ersten Regatten 2010 empfand Henrik seine neue alte „La Ligue“ (die immerhin schon ein Transat überstanden hat) als ausgesprochen zickig und Kummer bereitend. Mittlerweile hat der alte Mann des Meeres sie so weit im Griff, dass er ihr sogar Leichtwindstärken attestiert.

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Ein Kommentar „Minitransat: Henrik Masekowitz und sein zweites Atlantik-Abenteuer“

  1. avatar Wolfgang sagt:

    Alle warten gespannt auf das Ende der Startverschiebung für das Minitransat. Wann gibt es dazu eine Kommentierung von SR ?

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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