MOD70 Kiel: 20.000 Zuschauer sahen Cammas und Desjoyeaux; Müller verletzt

Segelstars in Kiel

Fast 20.000 Zuschauer sahen am Sonntagnachmittag die fünf spektakulären Trimarane beim Start ihrer MOD70 Europa Tour in Kiel auf dem Weg nach Dublin. Angeführt von der französischen „Foncia“ mit Skipper Michel Desjoyeaux, der an den beiden Vortagen bereits die Betfair City Races für sich entschieden hatte, segelten die 21,50 Meter langen und 17 Meter breiten Dreirumpf-Boote zunächst zwei Runden auf der Innenförde.

Die Flotte der fünf MOD70 in Kiel. © Vincent Curutchet / MOD S.A.

Die Flotte der fünf MOD70 in Kiel. © Vincent Curutchet / MOD S.A.

Dort kassierte die „Foncia“ drei Bonuspunkte und entschwand nach nur einer halben Stunde mit mehr als 20 Knoten Richtung Dänemark. Die erste von fünf Hochseeetappen führt das Feld über 1.238 Seemeilen (mehr als 2.000 Kilometer) nach Dùn Laoghaire in der Bucht von Dublin/Irland, wo der Zieleinlauf am Donnerstag (6. September) erwartet wird. Die weiteren Stationen sind Cascais in Portugal, Marseille/Frankreich und das Finale im italienischen Genua am 2. Oktober.

Nach leichten bis mäßigen Winden zu den spannenden Betfair City Races hatte es aufgefrischt. Eine frische und böige südwestliche Brise versetzte das fachkundige Publikum an der Kiellinie ins Entzücken. An ihrer Schokoladenseite untermauerte die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt einmal mehr den Ruf als Welthauptstadt des Segelsports.

Franck Cammas amüsiert sich an Bord der "Race for Water". © Marina Könitzer

Franck Cammas amüsiert sich an Bord der “Race for Water”. © Marina Könitzer

Mit atemberaubender Geschwindigkeit rauschten die Giganten auf nur einem der drei Rümpfe direkt vor den Augen der Sehleute vorbei. „Das Interesse an dieser neuen, aufregenden Bootsklasse war enorm“, resümierte Projektleiter Axel Bauerdorf von KIEL.SAILING CITY die vier Veranstaltungstage, an denen insgesamt mehr als 60.000 Besucher kamen.

Sie bestaunten und bewunderten „Professor“ Desjoyeaux, der auch am Sonntag wieder den richtigen Riecher hatte, wo die Post zuerst abging. An der Starttonne vor den Werften unterhalb des Ostufers erwischte der zweimalige Gewinner der Solo-Nonstop-Regatta um die Welt, der Vendée Globe, einen Nullstart und schoss die Förde hinunter.

AC45 Steuermann Yann Guichard

Schnell hatte er 200 Meter Vorsprung vor seinem Landsmann Sébastien Josse auf der „Groupe Edmond de Rothschild“ aufgebaut. Yann Guichard auf der „spindrift racing“ (ebenfalls Frankreich) – Energy Steuermann, der direkt aus San Francisco von den AC45 Rennen angereist war – folgte auf Rang drei. In dieser Reihenfolge gab es auch die Bonuspunkte zwei und einen, so dass beide nun vier Zähler hinter der „Foncia“ liegen. Auf den Langstrecken werden jedoch rund 80 Prozent der Wertungspunkte vergeben. Etappensieger erhalten 50, der Zweite 40 und so weiter.

Gründlich danebenging der Auftakt bei der Schweizer „Race vor Water“, die das MOD70-Projekt voriges Jahr während der Kieler Woche in Deutschland vorgestellt hatte. Skipper Stève Ravussin und Volvo Ocean Race-Gewinner Franck Cammas („Groupama“) verschätzten sich gründlich und segelten an der Startlinie vorbei. Das Umkehren kostete wertvolle Zeit.

Nach den inneren Runden hatte das Team schon fünf Minuten auf die Spitze verloren und verfolgte die viertplatzierte „Musandam-Oman Sail“. Das spiegelte auch die Platzierungen nach den Betfair City Races wider, wo Skipper Sidney Gavignet bei Punktgleichheit aufgrund seiner besseren Ergebnisse in den beiden Speedmatches die rote Laterne fernhalten konnte.

Schrecksekunde für Michael Müller

Das multinationale Projekt, das Werbung für den Tourismus im Sultanat Oman macht, hatte gleich zum Auftakt für die Schrecksekunde des Segelevents gesorgt. Gleich im ersten Rennen wurde der Kieler Vorschiffsmann Michael Müller an Bord verletzt, als sich das Gennakerfall (Leine zum Setzen des großen bauchigen Vorsegels) aus seiner Verankerung löste und ausrauschte.

Eine Schlaufe zog sich um Müllers rechten Fuß zu und schnürte es ab, als das Segel zudem ins Wasser fiel. Mitsegler Brian Thompson kappte die Leine, doch der 29-jährige Weltumsegler, der zweimal mit der „Puma“ beim Volvo Ocean Race aufs Podium stieg, erlitt eine tiefe Fleischwunde. Die weiteren Betfair City Races mussten ohne den einzigen Deutschen in der MOD70 Europa Tour stattfinden, der durch seinen Kumpel Holger Lehning (30) ersetzt wurde. „Michi“ Müller hofft, in Irland wieder zum Team zu stoßen.

Auf dem Weg dorthin erwartet die von acht in den Kurzrennen auf sechs Crewmitglieder reduzierten Mannschaften schweres Wetter. Für den Skagerak nördlich von Dänemark wurde für die Nacht auf Montag Starkwind aus West mit Sturmböen vorhergesagt. „Wegen der Wetterlage haben wir den Kurs durch Schottland nach Süden durch den Englischen Kanal verlegt“, erklärte Regattaleiter Gilles Chiorri.

Die Route dürfte jedoch durch den hohen Schiffsverkehrs, Ölbohrinseln und jede Menge navigatorische Herausforderungen keineswegs leichter werden. In zweiten Teil rückt zudem ein Hochdruckgebiet vom Atlantik heran, dass nicht nur spätsommerliche Temperaturen bringen dürfte, sondern auch wieder schwächere Winde. „Unser Bordcomputer rechnet mit knapp vier Tagen“, so Thomas Le Breton von der „Musandam-Oman Sail“, „und dann wollen wir auch ganz gerne dort sein.“ Schließlich sind am 7. September bereits die nächsten Stadtrennen angesetzt.

Desjoyeaux lobt Kiel

„Kiel war eine ganz besondere Herausforderung, denn die Kurse auf der Innenförde sind für die Manöver der MOD70 eng, aber für uns als Profis genau das Richtige“, lobte der führende Skipper Michael Desjoyeaux das Regattagebiet. Ungeachtet einer sehr leichten Brise zu Beginn, mancher Flautenlöcher und unerwarteter Dreher kamen die internationalen Spitzensegler genau wie die Zaungäste auf ihre Kosten.

„Die Atmosphäre war absolut großartig“, fand auch Peter Reinhardt, Europa-Chef der weltgrößten Sportwettbörse Betfair, die den Auftritt der MOD70 in Kiel durch ihr Sponsoring überhaupt erst möglich gemacht hatte. Die Veranstalter hoffen nun auf eine Rückkehr der MOD70 im kommenden Jahr als Zielhafen der zweiten Europa Tour.

„Das Setup mit dem Racevillage direkt am Wasser und der Enthusiasmus der vielen Zuschauer waren großartig“, resümierte Multi One Design-Geschäftsführer Franck David, „unser Dank gilt den Organisatoren vor Ort genauso wie den begeisterten Menschen, die gekommen sind.“ Kiels Bürgermeister Peter Todeskino, der den Startschuss zur Hochseeetappe gab, jubilierte gar: „Das war doch eine gute Grundlage für eine weitere Olympiabewerbung.“

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Ein Kommentar „MOD70 Kiel: 20.000 Zuschauer sahen Cammas und Desjoyeaux; Müller verletzt“

  1. avatar Wilfried sagt:

    Schade um den Film oben. Statt einem Eindruck der Rennen wieder nur Schnitt-zippen und Laberei.

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

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