Barcelona World Race: Boris Herrmann leckt die Wunden, “Estrella Damm” greift wieder an

"Das war mal wieder kernig..."

Wie am Kap Horn hat Boris Herrmann auch jetzt wieder einen schweren Sturm gemeistert. © FNOB

Beim Barcelona World Race haben die im Rennen verbliebenen Zweier-Teams die ereignisreiche Zeit der vergangenen Tage gut überstanden und die Positionen für das große Finale eingenommen. Jetzt geht es wieder um Taktik statt ums Überleben.

Boris Herrmann rechnet mit einer Ankunft in Barcelona am 8. April gut eine Woche nach der führenden „Virbac“, die mit einen komfortablen 400 Meilen Vorsprung gegenüber „Mapfre“ behauptet.

Boris Herrmann und Ryan Breymaier haben den schweren Sturm, den sie in einem Video dokumentieren, gut überstanden und liegen immer noch gut 220 Meilen hinter „Renault“ und gut 100 Meilen vor „Estrella Damm“, die das Vorstag des Stagsegels verloren, und nur das Großsegel gesetzt hat.

In seinem jüngsten Blog-Eintrag lässt der deutsche Skipper die vergangenen Tage Revue passieren. „Uff, das war mal wieder kernig. Der Wind flaut heute zum Sonnenuntergang auf 30 Knoten ab und die Nerven entspannen sich langsam wieder etwas.

Situation am 15.3. "Renault" (grün) liegt nach dem Sturm noch ein Reichweite für "Neutrogena" (schwarz). Aber "Estrella Damm" (orange) greift im schwächeren Wind wieder an. "Mirabaud" (blau) humpelt der Küste entgegen.

Problematisch ist weniger der Wind, als die Wellen. Eine Rennyacht surft die Wellen hinab und ist durch nichts zu bremsen. Stellt sich uns dann eine Welle quer in den Weg, springen wir und es kracht ohrenbetäubend.

Letzte Nacht habe ich erfolglos versucht zu schlafen. Mehrmals hob ich von unserer Rohrkoje ab und wurde so brutal wieder auf diese zurück geschmettert, dass ich dachte, sie würde brechen (…)

Drei Tage haben wir nun aus diesem Grund eher versucht, angemessen langsam zu segeln. Wir pumpen Wasser in den vorderen Ballasttank, damit der Bug nicht so stampft, lassen den Kiel weit in die Mitte, um die Last auf die Hydraulik zu minimieren. Wir haben die kleinsten Segel oben.

Nach vielen Tagen landunter geht für "Neutrogena" die Sonne wieder auf. Vom Überlebensmodus wird in den Taktikmodus umgeschaltet. © FNOB

Dennoch, letzte Nacht peitschten uns 55 Knoten Wind und entsprechende Wellen bis zu 25 Knoten schnell voran. An unserem 30 Meter hohen Mast  stand nur ein kleiner Fetzen Großsegel. Heute im ersten Tageslicht kämpfe ich mich im Überlebensanzug über Deck, um die Unordnung der Nacht aufzuklaren.

Der Segelsack um den an Deck gezurrten Solent ist zerrissen. Mehrere Segelzeiser, die den Solent halten sollten, ebenfalls zerrissen. Eine Spinnakerschot wurde aus ihrer Tasche
gespült und schleppt hinter dem Heck, ich muss sie reinwinschen, wegen ihres Widerstandes bei hoher Fahrt.

Schlimmste Entdeckung: Das Großsegel hat
Löcher bekommen. Besonders eine Stelle ist angegriffen, kurz unter dem dritten Reff hat das Tuch über Nacht am Baum gerieben und ist delaminiert.

CTMJessJob

Tagsüber heute klettern wir beide in den Baum und trocknen das Stück im Sonnenschein, kleben einen Quadratmeter Segeltuch mit Sikaflex auf die Stelle und klammern uns so gut es geht fest, während “Neutrogena” durch die zehn Meter hohen Wellen surft.“

Alex Paella von der „Estrella Damm“ erklärt: „Der Haken des Stagsegels am Mast ist gebrochen und das Segel fiel ins Wasser. Wir fischten es aus dem Wasser und Gott sei Dank ist es nicht gerissen.“

Die Reparatur des Stages sei nicht schwierig. Aber dafür müsse man in den Mast. „Aber das ist bei den Bedingungen im Moment nicht möglich.“ Ohne das Stag haben die Spanier sogar ein viertes Reff eingebunden, um den Mast zu entlasten. Das erklärt die Meilenverluste der vergangenen Tage.

Aber der Wind hat inzwischen wieder abgenommen und „Estrella Damm“ ist das schnellste Schiff im Feld. Das deutet darauf hin, dass das Stag wieder an seinem Platz hängt, und die Aufholjagd zur „Neutrogena“ fortgesetzt wird. Paella wird jetzt nur noch durch eine schwere Rippenprellung gebremst. Aber er nehme schon keine Schmerzmittel mehr.

„Hugo Boss“ liegt immer noch vor den Falkland Inseln vor Anker und „Mirabaud“ scheint es geglückt zu sein, aus dem Großbaum ein Notrigg zu basteln. Die schweizer Yacht bewegt sich mit vier Knoten Richtung Festland.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Barcelona World Race: Boris Herrmann leckt die Wunden, “Estrella Damm” greift wieder an“

  1. avatar Marc sagt:

    sehr spannend, riesen Leistung von Boris und Ryan. Hoffe sie können noch irgendwie vor Estrella Damm bleiben. Aber jetzt ist alles drin. Der Weg ist noch lang und auch Renault kann noch mehrere taktische Fehler machen.

    Schon toll wie man heutzutage quasi “live” mit an Bord sein kann.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 0

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