Barcelona World Race: Endspurt für Boris Herrmann. “Renault” dritter im Ziel

Gut versteckt ist halb gewonnen

Die "Renault"-Crew feiert ihren dritten Platz in Barcelona im stimmungsvollen Licht. © FNOB

Der einzige Deutsche im Nonstop-Rennen rund um die Welt und sein US-amerikanischer Co-Skipper werden ab Sonntagabend im Ziel in Barcelona zurückerwartet. Mit ihrer Hochseesegelyacht „Neutrogena“ passierten sie am Donnerstagabend in schwerem Sturm die Straße von Gibraltar und hatten am Freitagmittag im Mittelmeer noch gut 400 Seemeilen vor sich. Auf dem ungefährdeten Platz fünf liegt das Duo im eigenen Soll.

Die Spanier Pachi Rivero und Toñio Piris wurden Freitagmorgen mit der „Renault“ Dritte. Den Silvester 2010 gestarteten Marathon über 25.200 Seemeilen (rund 46.500 Kilometer) hatte die französische „Virbac-Paprec 3“ von Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron am Montag vor der „Mapfre“ aus Spanien (Iker Martínez/Xabi Fernández) gewonnen.

Pachi Rivero und Toñio Piris belegen nach konstanter Leistung Rang drei beim Barcelona World Race. © FNOB

„Wir hatten bei Gibraltar einen schweren Sturm genau von vorn, in Böen Windstärke zehn“, berichtete der 29-jährige Herrmann von Bord, „ich habe die ganze Zeit einen Helm getragen.“ Das seit einem Kielschaden im Pazifik bereits angeschlagene Boot überstand das schwere Wetter zwar ohne weitere Probleme, aber „wir haben den Atem angehalten“, so der geborene Oldenburger.

Mit „angezogener Handbremse“, die Gefahr eines weiteren Materialbruchs minimierend, bahnte sich die Crew ihren Weg ins ruhigere Mittelmeer. „Jetzt zählen wir die Meilen herunter und freuen uns nur noch auf die Ankunft.“

So kurz vor dem Ziel will niemand mehr ein unnötiges Risiko eingehen, um sich nicht doch noch um den Lohn von mehr als drei Monaten extrem harter Arbeit zu bringen. 98 Tage sind Herrmann und Breymaier nonstop unterwegs, haben seit dem Start an Silvester in diesem Jahr noch keinen festen Boden unter den Füßen gehabt.

Am frühen Morgen nähert sich "Renault" dem Ziel vor Barcelona. © FNOB

„Das Essen ist knapp, aber noch nicht ganz aus, 250 Gramm Nudeln gibt es noch pro Tag“, berichtete Herrmann, „ich freue mich schon auf frisches Obst und Orangensaft, was ich am meisten entbehrt habe, abgesehen von meinem persönlichen Umfeld natürlich.“

Ein Zwangsstopp für Reparaturen blieb ihnen erspart. Das gelang bis dato nur drei anderen Teams im Feld. Von 14 gestarteten mussten fünf aufgeben, fünf andere hielten zwischendurch an, um ihr Schiff wieder fit zu machen.

„Eine Nonstop-Regatta wirklich ohne Stopp zu absolvieren, macht uns schon stolz“, sagt Boris Herrmann, „auch wenn es die Regeln erlaubt hätten.“ Mit dem fünften Platz, dem selbst erklärten Regattaziel, sei er nach wie vor zufrieden, auch wenn sogar die Medaillenränge greifbar schienen.

Den dritten Platz darauf knapp drei Tage nach den Siegern sicherten sich Rivero und Piris mit einer unauffälligen Taktik und sehr solidem Rennverlauf, in dem sie nach schwachem Beginn konstant aufholten und nie Plätze einbüßten. Den dritten Rang übernahmen sie in der Cook-Straße von Neuseeland, weil sie Probleme an den Rudern sowie am Mast und Großsegel mit Bordmitteln selbst in den Griff bekamen und auf eine 48-stündige Zwangspause, die das Reglement vorgibt, verzichten konnten.

Vom Stopp wiederum profitierten Alex Pella und Pepe Ribes mit der „Estrella Damm“ (Spanien), die in Neuseelands Hauptstadt Wellington nicht nur das kurz zuvor gebrochene Vorstag reparierten, sondern auch alles andere auf Vordermann bringen ließen. Sie liegen auf Platz vier und werden in der Nacht zu Sonnabend (9. April) in Barcelona erwartet.

„Ohne unseren Defekt am Hydraulikzylinder vom Schwenkkiel hätten wir beide Boote vor uns zumindest angreifen können“, zieht Boris Herrmann eine vorläufige Bilanz, jedoch ohne Groll. Am 1. März lag die „Neutrogena“ nur 20 Seemeilen hinter der „Renault“.

„Aber das gehört nun einmal dazu, und wir können ja auch froh sein, dass es uns nicht noch böser erwischt hat, so wie andere Crews, mit denen wir auch befreundet sind. Solch ein Rennen nach all den Vorbereitungen und Strapazen aufgeben zu müssen, ist schon ein herber Schlag ins Kontor.“

Deshalb werden Herrmann und Breymaier bis zum Schluss auf der Hut sein, ihr „Zuhause auf Zeit“ am Wochenende heil ins Ziel zu bringen. Frühestens Sonntagabend um 18 Uhr, eher später am Abend oder in der Nacht, lautete die Ankunftsprognose von Marcel van Triest, dem Wetterguru des Barcelona World Race am Freitagmittag.

Sie wird im Internet auf der Eventwebsite unter www.barcelonaworldrace.org ständig aktualisiert. Dort gibt es auch den Zieleinlauf als Videostreaming live zu sehen, das zudem auf SegelReporter eingebunden werden soll.

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Ein Kommentar „Barcelona World Race: Endspurt für Boris Herrmann. “Renault” dritter im Ziel“

  1. avatar Matti sagt:

    Prima Link zur offiziellen Seite. Dort auf “Videos” ist zu sehen, wie sich Boris und Ryan immerhin einen ganzen Flying Fish teilen – wunderbare Ergänzung zu den 250 Gr Nudeln 😉

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