Barcelona World Race: “Groupe Bel” gibt auf, “Neutrogena” segelt wieder mit Solent-Fock

"Groupe Bel" ist raus

"Groupe Bel" war eine der schnellsten Yachten im Feld. Nun sind die Franzosen raus. © Groupe Bel/Matin-Raget

„Unsere Weltumsegelung endet hier am anderen Ende der Welt“, sagt Kito de Pavant und kündigt damit das endgültige Ende von „Groupe Bel“ an. Damit ist für „Neutrogena“ ein weiterer direkter Gegner aus dem Rennen, der aber schon nach der Ankündigung des 48 Stunden Stopps in Ushuaia außer Reichweite geraten war.

Das Schiff war schnell und lag an dritter Stelle, als der erste Stopp in Wellington wegen zweier zerrissener Vorsegel erfolgt war. Danach hatten die Franzosen mit dem ex Zyklon Atu zu kämpfen und waren trotzdem wieder in Reichweite des dritten Platzes gerückt.

Nun sind sie an einem Kiel-Problem gescheitert. Vielleicht haben sie einfach zu hart gepuscht, und ihrem Gaul zuviel zugetraut. Jedenfalls machte ihr Kiel komische Geräusche, weil er sich vor und zurückbewegte.

Kito de Pavant (r.) und Sébastien Audigane habensehr stark gesegelt, aber nun hat ihr Boot nicht mehr gehalten. © FNOB

Es bestand die Gefahr, dass der Kiel sich vollkommen aus der Halterung löste. „Das hätte alles sehr böse enden können“, sagt de Pavant. „Deshalb sind wir froh, alles sicher überstanden zu haben.“ Er brachte das Schiff mit Partner Sébastien Audigane sicher in den Hafen von Ushuaia. Dort stellte sich jetzt heraus, dass der Schaden nicht zu beheben ist. Die beiden versuchen jetzt einen Frachter zu organisieren, der die Rennyacht sicher nach Europa bringt.

Derweil bemüht sich die „Neutrogena“ die „Estrella Damm“ trozt konservativer Taktik auf Distanz zu halten. Die roten Verfolger entwickeln sich zum schnellsten spanischen „Biertransporter“ auf den Weltmeeren sind im Schnitt zwei bis drei Knoten schneller unterwegs als Boris Herrmann und Ryan Breymaier. Einen Kampf zu Lasten des ohnehin schon arg strapazierten Bootes wollen Boris und Ryan nicht führen.

„Wir müssen ankommen, auch wenn uns ,Estrella Damm’ bald überholt. Damit müssen wir dann halt leben. Wir sind aber noch ganz gut zu Fuß. Im Moment schaffen wir 85 bis 90 Prozent Leistung. Wir reachen 70 Grad zum Wind mit Trinquette/Stagfock und vollem Groß in 22 Knoten Wind. Gut geballastet und mit 2/3 Schwert unten, segeln ungefähr 11,5 Knoten. Normal wären eher knapp 13 oder so.

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Wir trimmen nach wie vor eifrig, checken die Leeballasttanks, in die es hinein leckt, und halten sie schön leer. Wir haben das Instrumentensystem nach einem Totalausfall heute Nacht wieder hochgefahren, ein neues Betriebssystem auf dem Bootsprozessor installiert. Wir kommen langsam, aber stetig voran.

Genaugenommen im Schnitt sechs Meter pro Sekunde, 355 Meter pro Minute und 11,5 Seemeilen pro Stunde. Das macht bei den verbleibenden 6800 Meilen noch 25 Tage. Das lässt uns auf eine Ankunft am 5. April hoffen“, vermeldet Boris von Bord.

„Neutrogena“ wurde auch von einem dichten Kelb-Teppich vor den Falkland-Inseln gestoppt. „Wir haben Vögel im Wasser stehen sehen. Erst segelten wir mit elf Knoten, dann stoppten wir plötzlich. Es dauerte seine Zeit, bis wir die Schwerter geliftet und Segel gewechselt hatten, um endlich wieder vorwärts zu segeln.“

Das sei auch alles etwas schwieriger, weil der Kiel nach den Problemen mit der Hydraulik nicht mehr so einfach geneigt werden könne. Aber Pella/Ribes berichten über das gleiche Hindernis, das „Estrella Damm“ rund um die Falkland Insel gestoppt habe. Die ganze Zeit hätten mussten sie Wache halten müssen, um sich nicht festzufahren. Zweimal mussten sie den Kiel befreien, viermal die Schwerter, und sechsmal hatte sich das Zeug am Ruder verfangen.

Nicht schön, aber besser als gar nichts. Im Video zeigt Ryan Breymaier, dass sie die Solent-Fock zumindest raumschots wieder gesetzt werden kann.

Gute Nachrichten kamen inzwischen von der „Mirabaud“, die zwar den fünften Platz an die „Estrella Damm“ abgeben musste, aber immerhin scheint Co-Skipperin Michèle Paret, die an Blutarmut leidet und zuletzt nicht in der Lage war, ihrem Partner Dominique Wavre wirklich zu helfen, auf dem Weg der Besserung zu sein.

Inzwischen gibt es auch bessere Nachrichten von der „Neutrogena“. Ryan Breymaier berichtet und zeigt im Video, dass sie wieder das Solent-Segel zum Einsatz gebracht haben und wieder annähernd 100 Prozent segeln können.

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.
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