Barcelona World Race: Interview mit Boris Herrmann. “Estrella” gegen 65 Knoten bei Gibraltar

"Der schlimmste Tag des Rennens"

"Renault" liegt in der Straße von Gibraltar auf der Backe ist aber bald im Ziel. © FNOB

Boris Herrmann und Ryan Breymaier befinden sich auf den letzten Meilen nach Gibraltar. Die Ankunft in Barcelona zieht sich wohl bis Montag Nachmittag.

Im Interview mit Andreas Kling macht Boris Herrmann einen entspannten Eindruck. Dennoch zittert das Weltumsegler Duo seine „Neutrogena“ nach Hause.

„Es gibt keine neuen Probleme, aber die Sache mit dem Kiel ängstigt uns noch immer. Wir zucken immer zusammen, wenn das Schiff aufschlägt und kontrollieren die Kielwinkel-Anzeige. Gestern hatten wir sehr raue Bedingungen. Aber bisher hält alles.“

Himmel in orange. Saharasand liegt in der Luft. © FNOB

Sehr gut können die fünftplatzierten auf das Erlebnis verzichten, das ihren Vorgängern in der Straße von Gibraltar widerfahren ist. „Estrella Damm“ hatte mit 65 Knoten Gegenwind zu kämpfen.

„Es war für uns mit Abstand der schlimmste Tag dieses Rennens“, sagt Pepe Ribes. Schlimmer als der Orkan Atu. Sie seien ohne Groß und nur noch mit der kleinen Fock gesegelt, ohne die Möglichkeit zu wenden.

Sie kommunizierten mit der Verkehrsleitstelle von Tarifa, weil ein großer Frachter auf sie zuhielt. „Tarifa Traffic brachte das Schiff dazu, seinen Kurs zu ändern. Wir sind sehr dankbar.“ Auch die „Renault“-Crew auf Platz drei packte zum ersten Mal bei diesem Rennen die Sturmfock aus.

Karte vom 7.4. Boris Herrmann nähert sich der Straße von Gibraltar. "Renault" und "Estrella Damm" kreuzen an der spanischen Küste Richtung Barcelona.

Aber für die „Neutrogena“ sollte das letzte Stück etwas entspannter werden. Auch an der Nahrungsfront ist noch nicht alles verloren. Vier Proviant-Tüten mit letzten Reserven sind noch an Bord.

Zurzeit wird ein Paket von 250 Gramm Nudeln auf zwei Portionen aufgeteilt. Außerdem sind noch einige Fischkonserven und Bryans selbst gezüchtete Soja-Sprossen an Bord.

„Ich freue mich auf das „normale Leben“ an Land. Etwas Orangensaft und endlich wieder Frischkost. Da werden wir einige tage Spaß dran haben.“

Vor dem nahen Ziel hat Herrmann „gemischte Gefühle“. Auf der einen Seite stehe die Sehnsucht, endlich anzukommen. Andererseits genießt er aber immer noch die besonderen Momente an Bord.

„Gestern hatten wir einen tollen Sonnenaufgang mit einem orangen Himmel. Sahara-Sand lag in der Luft. Das ganze Deck war voller Sand.“

Der deutsche Skipper ist stolz, wenn er das Rennen als drittes Boot beendet, das nicht gestoppt hat. „Nonstop war für uns ein wichtiges Ziel“.

Aber kann er sich vorstellen das alles noch einmal im nächsten Jahr zu unternehmen. Dann alleine bei der Vendee Globe?

„Das ist jetzt nicht gerade der beste Zeitpunkt, darüber nachzudenken. Aber der Traum Vendee Globe fasziniert mich nach wie vor.“

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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