Barcelona World Race: Jean Pierre Dick und Loïck Peyron haben gewonnen!

Kühlen Kopf bewahrt

Jean Pierre Dick (l) siegt zum zweiten Mal beim Barcelona World Race. Diesmal freut er sich mit Partner Loïck Peyron. © Nico Martinez/barcelonaworldrace.org

Jean Pierre Dick (48) und Loïck Peyron (51) stehen etwas linkisch auf dem roten Teppich. Barfuß in verwaschenen, kurzen Segelhosen und eng anliegendem weißen Lycra-Hemd. Hinten braust der Verkehr von Barcelona vorne steht eine Menschen-Meute. Die Leute wollen sehen, wie Segler nach drei Monaten einsamer Zweisamkeit auf See aussehen. Wie geben sie sich? Verhaltensauffällig? Reden sie noch ganze Sätze?

Die Beine der Franzosen sind wackelig. 93 Tage und 22 Stunden waren sie auf See. Aber sie haben das Barcelona World Race gewonnen. Für Jean Pierre Dick ist es bereits das zweite Mal. Der lange Blonde siegte auch bei der ersten Auflage 2007/08, damals mit dem irischen Partner Damien Foxall.

Es war ein erstaunliches Rennen für das Duo auf „Virbac-Paprec“, das am Anfang besonders durch den Zweikampf mit Michel Desjoyeaux und Francois Gabart geprägt war. “Virbac” führte das Feld aus dem Mittelmeer und über den Äquator, hatte aber immer ihre Landsleute auf „Foncia“ im Nacken.

Netter Empfang in Barcelona. Die Spanier begrüßen die Seehelden, die drei Monate auf dem Wasser waren. © Nico Martinez/barcelonaworldrace.org

So puschten beide Teams vielleicht ein wenig zu hart und versuchten zu viel aus ihren Booten zu holen. Die Crews mussten nach verschiedenen Schäden den Nothafen im brasilianischen Recife anlaufen.

„Wir dachten, das Rennen sei gelaufen“, sagt Dick, nachdem die Travellerschiene aus dem Deck gerissen war. Das Duell bekam durch den Zwangsstopp eine besondere Note. Michel Desjoyeaux und Gabart überholten bei der Anfahrt auf Brasilien und legten auch schneller wieder ab Richtung Süden. Aber „Virbac-Paprec“ blieb dran.

Unglaublicher Weise setzten sich beide Boote trotz des erzwungenen westlichen Umwegs erneut an die Spitze. Wetterglück half. Das Gros der Flotte auf dem direkten Weg  wurde durch eine Flaute gestoppt.

Aber das Franzosen-Duo verbiss sich wieder ineinander. Ihre Yachten erwiesen sich gleichwertig und signifikant schneller als die der Konkurrenz. Dabei gelang es Dick und Peyron sogar am 22. Januar, den absoluten 24-Stunden-Rekord für Open 60 Yachten auf 506 Meilen hochzuschrauben. Der Schnitt: 21,1 Knoten.

Dann brach der Mast von „Foncia“. Das spannende Duell war beendet. Der große Konkurrent rettete sich nach Kapstadt. Aus dem Rennen war die Luft raus. Aber auch „Virbac-Paprec“ musste Federn lassen. Latten und Rutscher am Großsegel-Vorliek brachen. Ein Stopp im neuseeländischen Wellington wurde nötig, verbunden mit einer 48 Stunden-Strafe.

Plötzlich waren die Olympiasieger in der 49er Klasse Iker Marinez und Xabier Fernandez aus Spanien wieder dran und machten Druck. Aber die Bigpoints gelangen schließlich den erfahrenen Franzosen. Ihr Schiff aus der jüngsten Generation ist der älteren „Mapfre“ überlegen. Der Sieg geriet nicht mehr in Gefahr. Ihr Vorsprung beträgt am Ende mehr als ein Tag.

Loïck Peyron nimmt kurz vor dem Ziel noch ein Bad in einer Flaute. © FNOB

„Dieser Sieg basiert auf einem Mosaik von vielen Kleinigkeiten“, sagt Jean-Pierre Dick nach dem Zieleinlauf, „aber die Abstimmung untereinander, das gegenseitige Vertrauen und die Harmonie in der Crew waren wichtige Bausteine.“ Am meisten habe ihn die Passage des berüchtigten Kap Horns beeindruckt.

„Noch nie war ich so dicht an dem magischen Felsen dran. Patagonien ist eine unvergleichliche Landschaft.“ Loïck Peyron stellte die Teamarbeit auch der gesamten Landmannschaft heraus und erinnert sich vor allem gerne an die majestätischen Albatrosse im Südpolarmeer.

„Die beiden haben verdient gewonnen, waren sehr souverän und einfach haushoch überlegen“, sagt Boris Herrmann. Am Wochenende hat auch die „Neutrogena“ ein ordentliches Stück in Richtung Barcelona zurückgelegt.

Charismatischer Franzose Loïck Peyron. Grauer Bart, buschige Augenbrauen, sonniges Gemüt. © FNOB

Die drittplazierte „Renault“ mit Pachi Rivero und Antonio Piris sowie Alex Pella und Pepe Ribes (4.) mit der „Estrella Damm“ sind dennoch längst außer Reichweite.

Der errechnete Zieleinlauf des deutschamerikanischen Bootes könnte je nach Wetterentwicklung nun schon am Sonntag, dem 10. April stattfinden. Gibraltar, könnte am Donnerstag erreicht werden.

Doch der zähe Kampf von Boris Herrmann und Ryan Breymaier, wirklich nonstop um die Welt zu kommen, verläuft auch gegen Ende nicht ohne Hindernisse. Zum Wochenende war die Hydraulik ihrer Selbststeueranlage zu Schaden gekommen.

Während der Amerikaner zwölf Stunden von Hand steuern musste, zerlegte der gebürtige Oldenburger das komplette System und suchte den Fehler. „Ein Chip und der Motor des schnellen Autopiloten sind verschmort. Beide Motoren und die Pumpe hatte ich auseinander genommen, vorher das Öl abgepumpt. Jetzt laufen wir auch hier auf Reserve, nämlich mit den letzten Ersatzteilen“, erklärte Herrmann, „hoffentlich hält nun alles durch.“

Ein größeres Desaster melden am frühen Montagmorgen Juan Merediz und Fran Palacio aus Spanien. Das Team von der „Central Lechera Asturiana“, das wochenlang in Wellington mit einem Mastbruch festgelegen hatte, meldet nun einen massiven Schaden am Rumpf und muss 1000 Seemeilen nach Neuseeland zurücksegeln.

Es dürfte das endgültige Aus für das Schlusslicht bedeuten. Damit hätte mehr als ein Drittel der 14 gestarteten Schiffe aufgegeben, drei Mastbrüche und ein Kielschaden waren bisher die Gründe.

Jean Pierre Dich und Loïck Peyron haben es jedenfalls geschafft. Es ist ein großer, beeindruckender Sieg, der sich besonders für Peyron gut anfühlen dürfte. 2010 hatte er noch beim America´s Cup an Bord des Alinghi-Katamarans eine schmerzhafte Niederlage erlitten.

Nun will sich der charismatische Seeheld mit den buschigen Augenbrauen erneut dem Kampf um die Kanne widmen. Er hat mit seinem Bruder ein französisches America´s Cup Team gegründet. Die Popularität rund um den Barcelona World Race Sieg dürfte dem Einsammeln von Sponsoren-Gelder nicht abträglich sein.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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