Barcelona World Race: Riechers Bilanz. Die größten Enttäuschungen: “Hugo Boss” und “Gaes”

"Die neuen Open 60s sind schwer überlegen"

Jörg Riechers nach seinem zweiten Platz beim Mini-Rennen zu den Azoren. © Breschi/les sables-les Açores

Jörg Riechers hat das Barcelona World Race intensiv verfolgt, weil es Aussagen über die Vendee Globe zulässt, 2012 das Haupt-Event der Open 60 Klasse in den nächsten Jahren. Der „Mare“-Skipper Riechers will ebenso dabei sein wie Boris Herrmann.

Riechers analysiert: „Die neuen Boote sind schwer überlegen, mehr als man vorher gedacht hat.“ Er glaubt, dass die Owen Clarke Designs von 2007 vielleicht noch die Leistung der neuen Schiffe erreichen können. Auch ein Schiff wie „Safran“ (07), mit dem Marc Guillemot bei der Route du Rhum dritter wurde, passe wohl gerade noch in das Anforderungsprofil. „Alles was davor kam wird es gegen die neuen Designs sehr schwer haben.“

Dabei gehen die Rumpfformen alle in die gleiche Richtung. „Harte Kanten (Chines) bis fast zum Bug und eine Breite zwischen 5,55m und 5,75m. Die Schwertformen variieren wild zwischen gebogen und gerade, aber ich glaube keiner weiß so richtig ob die eine oder andere Form wirklich besser ist. Ich kann mir vorstellen das die nach innen geneigten geraden Schwerter wie auf Mapre und Foncia sehr gut funktionieren.“

Der Trend gehe jetzt weiter zu “light is fast”. Bei den neuen Booten werde extrem auf Gewichtsersparnis geachtet wie bei „Foncia“ und „Virbac“.

„Die größte Enttäuschung des Rennens ist für mich `Hugo Boss´. Fast genauso enttäuschend `Gaes´. Es ist mir unerklärlich, wie man ein so schnelles Schiff so schlecht segeln kann.“

Die Leistung von „Neutrogena“ habe ihm imponiert. Die Crew habe effektiv repariert und beide hätten das “Pedal to the metal” Segeln offenbar gut beherrscht.

Riechers selbst hat seit zweieinhalb Monaten im französischen Pornichet mit seinem Mini 6.50 sowie in der Class 40 trainiert. Am Samstag beginnt in Genua das Doublehanded-Rennen Grand Prix d`Italie über 500 Meilen in der Mini Klasse. Der Deutsche segelt mit dem Italiener Andrea Caracci und auf dessen Eigenbau „Speedy Maltese“.

Das Manuard Design gilt als schnell aber bisher unter Wert geschlagen. Das Feld ist mit neun Prototypen relativ schwach besetzt. Mit dabei ist aber offenbar der hässliche Plattbug-Mini von David Raison.

Die Favoriten starten erst Ende April beim 300 Meilen Einhand-Rennen Pornichet Select bei dem insgesamt 80 Boote erwartet werden. Dann wird auch Jörg Riechers wieder seine „Mare.de“ besteigen. In diesem Jahr erlebt die Klasse wieder Aufwind, weil das Mini-Transat ansteht. „The Real Thing“, sie Riechers sagt. Aber segelt auch in der Class 40. Beim Normandy Channel Race Ende Mai könnte es zum ersten Aufeinandertreffen mit Boris Herrmann kommen

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Carsten Kemmling

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12 Kommentare zu „Barcelona World Race: Riechers Bilanz. Die größten Enttäuschungen: “Hugo Boss” und “Gaes”“

  1. avatar sven sagt:

    wenn ich solche Entwicklungen sehe frage ich mich ernsthaft was das mit einem Nonstopp Rennen zu tun hat.

    Der Trend zu “light is fast”. hat seine Schattenseiten bei „Foncia“ und „Virbac“deutlich gezeigt. Wenn ich Veranstalter gewesen wäre hätte ich diese Reparatur Pausen an Land verboten. Und nur die gewertet die tatsächlich Non Stopp gefahren sind.

    was bringt es mit immer leichteren Konstruktionen solche Reparaturpausen zu provozieren und am Ende das Leben der Crews zu gefärden ?

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    • avatar Grenå sagt:

      ““light is fast” hat seine Schattenseiten” –
      Wird sich bei der Vendee schon zeigen. Letztes Mal ist doch auch fast die Hälfte der Teilnehmer ausgefallen. Aber wenn Reparatur = Aus bedeutet, werden die Skipper die Sache vielleicht etwas vorsichtiger angehen. Wenn man weiss, dass ein Schaden nur 24 Stunden Zeitstrafe kostet, geht man wahrscheinlich eher an/über das Limit.

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    • avatar gero sagt:

      der Begriff “non stop” scheint beim BWR in der Tat fehl am Platz.

      Der Trend zu “light is fast” ist nicht unbedingt das Problem, die beiden Schiffe sind neu und noch nicht soweit optimiert, dass sie ein Rennen wie das BWR ohne Schaden non stop durchhalten können. Ich gehe mal davon aus, dass “Foncia” und “Virbac” noch öfter an Round the world races teilnehmen werden und bis dahin auch weiter optimiert werden ohne an Gewicht zuzulegen. Machbar sollte das auf jeden Fall sein.

      Das Problem liegt eher bei den Klassenregeln, die solche noch unausgereiften Konzepte zulassen.

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  2. avatar jorgo sagt:

    Was mir an der Konkurrenz nicht so gut gefallen hat (und damit gebe ich Sven Recht) ist, dass die Sieger trotz (oder wegen?) Ihres Leichtbaus mit Reparatur Stops so überlegen waren.
    Klar, es sind grossartige Segler, aber:
    Zwischendurch mal alles durchchecken, Ausschlafen, Duschen, Proviant aufbauen ….. (War vielleicht vorher extra wenig an Bord?) ….. das ist ja eigentlich kein Non-Stop-Rennen. Soll heißen: man kann diese Stop-Möglichkeiten auch taktisch nutzen und seine Schäden reparieren lassen statt zu improvisieren, wie Boris und Ryan es notgedrungen tun mussten. Für mich ist die Leistung der wahren Nonstop-Segler höher zu bewerten!

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  3. avatar Schlaufux sagt:

    Ich finde es kritisch, zu entscheiden ob jemand nach 20.000 sm aufgeben muss, oder reparieren darf.
    Auch kann ich nicht beurteilen, ob nur die neuen Boote überlegen waren, oder überlegen gesegelt wurden.
    Mich wundert nur dass Virbac Paprec so profane Probleme mit den Grossrutschern hat.
    Sowas simples sollte man doch vorher abklopfen.
    EVventuell sollte man überlegen, längere Qualifikationsstrecken und Zeitdauer vorzuschreiben
    und generell einen Pit-Stop mit 5 Tagen bestraft.
    Kein Proviant, Sprit, Wasser nachbunkern….

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  4. avatar Carsten sagt:

    Ich fand das eigentlich ziemlich spannend mit den Stopps. Hat dem Ganzen doch Würze gegeben. Man kann ja nun nicht sagen, dass es für die “leichten” Sieger irgendwie gefährlich wurde. Sie haben eben die Regeln besser ausgenutzt als die Konkurrenz. Und das zählt. Für die Vendee werden sie schon irgendwo ein paar Verstärkungen einbauen, wenn es nötig ist. Andere Regeln, andere strategische Entscheidungen. Auch beim Material.

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  5. avatar seven sagt:

    Warum sind die stopp’s erlaubt? ist es denn nicht so das wenn ich weiß das ich stoppen kann und das geld habe um die leute ranzuholen um die problme zu beheben,dann mache ich es denn es besteht ja kein risiko.
    Wie wäre s denn ausgegangen wenn man die Schiffe schwerer und solider gebaut hätte ?

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  6. avatar T.K. sagt:

    Ist doch ganz einfach: Es gab Regeln fürs BWR. Die liessen Stopps zu. Egal wie oft gestoppt wurde. Nach diesen Regeln wurde das Rennen entschieden. Nicht mehr und nicht weniger.

    Da lohnt eine Diskussion gar nicht, ob die Stopps nun Vor- oder Nachteile waren. Punkt!

    Bei der Vendee wirds ganz anders aussehen. Da gibt es schlicht andere Regeln also ein anderes Rennen.
    Da werden die dann (gleichen) Favoriten ihre Schiffe entspr. angepasst haben und dennoch wieder vorne sein!

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  7. avatar jörg sagt:

    Ich finde es schade das der Segelreporter meine Statements verändert hat. So hatte ich gesagt das mir der Segelstil von Ryan Breymeier und seine Ideen wie er das Boot immer wieder im Rennen halten kommte imponiert haben. Die Leistung von Neutrogena insgesamt fand ich OK aber nicht überwältigend vor allem die letzten taktischen Entscheiden haben sich mir nicht erschlossen. Wäre schön wenn Zitate nicht verändert werden, sonst sind externe Statemnet wertlos. Sorry an alle Leser aber es lag nicht in meiner Hand

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    • avatar jorgo sagt:

      Hört sich irgendwie nach Konkurrenz an, kann das sein?
      Bei allen Versuchen realistischer Einschätzung der Schwierigkeiten über so einen langen Zeitraum auf so engem Raum in so einer Stress-Situation zusammen zu leben glaube ich dennoch fest daran, dass ein solcher Erfolg wie von der NEUTROGENA erreicht, nur als Teamleistung zu bewerten ist.
      Jeder Regattasegler weiß (und hinterher, oder gar von Außen betrachtet natürlich umso besser), dass die unvermeidliche Vermeidung von Fehlern zum Erfolg führt. Das fängt beim Material an und hört bei der Taktik auf. Das ideale Rennen gibt es nicht ….. aber je näher dran desto besser.
      In der Nachschau …. oder von Außen, weiß jeder gute Segler natürlich ganz genau, wo die Meilen auf die Konkurrenz evtl. verloren wurden. Aber “hätte” bringt evtl. nur was für die Zukunft – nämlich Erfahrung!
      Ich würde mal sagen, das hätten Andere erstmal besser machen sollen, was Boris und Ryan da geleistet haben.

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  8. avatar Carsten sagt:

    Lieber Jörg: Deine ursprüngliche Passage hieß: “Die Entdeckung des Rennens ist Ryan Breymeier, denn er hat die wichtigen Reparaturen auf Neutrogena ausgeführt, die es erst erlaubt haben, dass Boris und er überhaupt ankommen und er scheint das “Pedal to the metal” segeln gut zu können.”
    Daraus lese ich, dass quasi Ryan das Schiff im Alleingang trotz der Anwesenheit von Boris um die Welt gebracht hat. Ich war mir sicher, dass du das so nicht sagen wolltest und habe die Passage deshalb entschärft. Nun gut…

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  9. avatar Störtebeker sagt:

    Ich glaube, dass Jörg mit dem Potential der neuen Open60 recht hat, allerdings waren auf der dadurch überlegenen Virbac auch zwei absolute Spitzenleute unterwegs. Übrigens hat Roland Jourdain in der letzten Vendee Globe mit der jetzigen NEUTROGENA, d.h. einem relativ alten Boot ganz gut mit Michel Des und FONCIA ( jetzt : MAPFRE) mitgehalten bis er ausscheiden musste wg Kielverlust. Will sagen: auch hier kommt es auf die Segler und die Taktik an. Und was HUGO BOSS angeht: Vouter war der Ersatzsegler, der das Boot nicht kannte und eigentlich nur ein paar Tage an Bord bleiben sollte. Alex ist der eigentliche Skipper dieses Bootes und bis zum Zwangsstopp wurde die ganze Zeit mit einem Reff im Groß gefahren wg kaputter Mastrutscher. Das trägt nicht gerade zur Höchstgeschwindigkeit bei.

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