Class 40 Diskussion: Die neue “mare” von Jörg Riechers in der Kritik

Franzosen ärgern

Der neuen `mare´ fehlt das .de im Namen. Die Franzosen witzelten, es würde sich wie `Merde´ (Scheiße) anhören. © mare

Der Bau der neuen Class 40 “mare” hat in der Klasse für große Diskussionen gesorgt. Und die dürften nach einer möglicherweise erfolgreichen Premiere von Jörg Riechers beim Solidaire du Chocolat nicht aufhören.

Dabei geht es vordergründig nicht um die Tatsache, dass ein Deutscher die Franzosen ärgert – obwohl das der Sache sicher nicht zuträglich ist. Vielmehr steht die Entwicklung der Klasse auf dem Prüfstein.

Wenn die neuen Class 40 Konstruktionen deutlich schneller sind als die alten, sinkt der Wert der Gebrauchtschiffe durch die mangelnde Konkurrenzfähigkeit. Potenzielle Neueinsteiger würden durch die hohen Preise für aufwendige Neubauten abgeschreckt. Sollte die neue “mare” einen überlegenen Sieg herausfahren, werden die Kritiker nicht ruhiger.

Im Fokus der Kritik steht besonders das variable Mastfall-Feature der beiden Mach 2 Konstruktionen im Feld. Die Sam Manuard Designs von Riechers und der erfolgreiche Prototyp “Jack in the box” (zurzeit auf Platz vier) können den Mast bis zu acht Grad in Längsschiff-Richtung fallen lassen.

Die stufenlose Verstellung ermöglicht eine Veränderung des Segeldruckpunktes, wie beim 505er oder Flying Dutchman. Das Schiff kann bei verschiedenen Windstärken und -Winkeln besser in der Balance gehalten werden. Es erfordert aber unter anderem eine aufwendige Konstruktion im Bugbereich am Vorstag-Ansatz und neutral angebrachte statt nach achtern gepfeilte Salinge.

Die Klasse will noch während der Solidaire du Chocolat diskutieren, ob das zulässige Feature in Zukunft wieder verboten werden soll. Riechers glaubt allerdings, dass der variable Mastfall kein entscheidender Beschleuniger sein wird und ein Verbot auch nicht zu einer gravierenden Preis-Verringerung führt.

Ihm zufolge kommt der höhere Preis von rund 50.000 Euro gegenüber anderen neuen Class 40 Designs allein durch eine bessere Bau-Qualität zustande. Insgesamt habe die neue “mare” 480.000 Euro gekostet. Sie sei bis zu zehn Prozent schneller als das Owen Clarke Design, mit dem er 2010 sechster bei der Route du Rhum geworden ist.

Das liege aber eher an einer modifizierten Rumpfform mit fülligerem Vorschiff und der Gewicht-Konzentration im Mittschiffsbereich. Dadurch und durch eine hohe Formstabilität ist das aufrichtende Moment groß. Die Kielbombe könne kleiner sein als bei der Konkurrenz und habe deshalb einen geringeren Widerstand.

Riechers hatte sich auch mit der Kritik auseinanderzusetzten, dass die Mach 40 generell zu leicht sei. So gab es Gerüchte, der Manuard Prototyp habe die Class-40-Weltmeisterschaft 2011 mit starkem Untergewicht gewonnen habe. Riechers stellte aber fest, dass eine falsch geeichte Waage zu fehlerhaften Daten geführt habe.

Die größte Kritik gegenüber den teuren Neubauten äußerte in der britischen Segelpresse der Eigner Tony Lawson. Er sagte gegenüber dem Portal Dailysail, dass sein erstes Boot vor sechs Jahren ohne Ausrüstung 200.000 Euro gekostet habe. Das zweite bezifferte er mit 300.000 Euro und nun müsse er von 400.000 Euro für einen Neubau ausgehen. Das sei teurer als eine Farr 400 oder Soto 40.

Ob die Kritik auch für Riechers Folgen haben wird, zeigt sich erst während der Saison. Aber der Ausgang des Solidaire du Chocolat wird dafür seine Bedetung haben. Sollten die Neubauten zu überlegen sein, wird die Klasse wohl Maßnahmen ergreifen.

Sollte aber Tanguy de LaMotte mit seiner “Initiatives-Alex Olivier”, einem Simon Rogers Design von 2007, erfolgreich sein, bestünde wenig Handlungsbedarf. De LaMotte gewann die erste Auflage des Rennens vor zweieinhalb Jahren, das Normandy Channel Race 2011 und die letzten beiden Auflagen des Rolex Fastnet Races in der Class 40 Division. Er ist zuversichtlich, mit den neuen Designs mithalten zu können.

 

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Class 40 Diskussion: Die neue “mare” von Jörg Riechers in der Kritik“

  1. avatar Lionel Hutz sagt:

    Es wäre schade mit anzusehen, wie sich eine attraktive Klasse, die den Offshore- Bereich in den letzten Jahren so bedeutend auch auf Grund verhältnismäßig geringer Kosten bereichert hat, auf Grund falschen Klassenmanagements selbst zerstören würde.

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  2. avatar Uwe R. sagt:

    Nachdem die Entwicklung der Open 40s in konstruktiver (zu großer Tiefgang, enormer Wasserballast, kaum bewohnbares Schiffsinnere) und in finanzieller Hinsicht (alles aus Karbon) in eine Sackgasse geraten war, wurde die Class 40 geschaffen. Der Anspruch war, eine 40 Fuß Yacht in Anlehnung an die Open 40s zu schaffen, die die genannten Nachteile nicht hatte. Class 40s sollten bezahlbare Hochsee-Rennyachten mit einem gewissen Maß an Alltagstauglichkeit sein, mit der auch Amateure respektable Leistungen ersegeln können. Dass im Verlauf der Bootsevolution die Grenzen der Class 40 Box-Rule ausgetestet werden und die Boote immer teurer werden, ist dem Erfolg der Klasse geschuldet. Ob diese Entwicklung der Klasse auf lange Sicht dasselbe Schicksal wie den Open 40s bescheren wird, muss sich zeigen. Die Gefahr besteht jedenfalls.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

  3. avatar 123 sagt:

    […]Das sei teurer als eine Farr 400 oder Soto 40.[…]

    Die Schiffe kann man allerdings nicht mit einer Class 40 vergleichen.
    Sowohl die Farr als auch die Soto sind Serienschiffe, die Soto kleinserie, aber es ist bei allen das gleiche Design und vermutlich die gleiche Form in der sie gebaut werden.

    Bei den Class 40s werden viel weniger Schiffe von einem Typ gebaut. Zum Teil sind es One-Offs, bei anderen werden nur ne Hand voll gebaut.
    Also muss der Preis für die Form und das Design auf viel weniger Schiffe umgelegt werden.

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  4. avatar Wilfried sagt:

    das ist nicht schön aber leider der Preis des Erfolgs. Solange bis wieder ein Hersteller eines Designs auftaucht das als Serie innerhalb der Boxrule billiger ist weil die boxrule ausgereizt ist. War selbst im Opti so. Horrende Preise die sich erst mit Herstellern wie Far East wieder ein bisschen gefangen haben (allerdings immer noch Schweineteuer für so ein kleines Boot)

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