Europa Race Absage: IMOCA Open 60 Krise vor der Vendee Globe

Der Glanz ist verflogen

Open60 nett in Szene gesetzt. Delfine spielen mit der "Delta Dore" von Jérémy Beyou. © G. MARTIN-RAGET / SEA & CO

Die zweite Ausgabe des Europa Race, der Vendee Globe Generalprobe der IMOCA Open 60 Klasse, ist endgültig abgesagt. Das Etappen-Rennen durch das Mittelmeer und rund ums (westliche) Europa, wurde nach monatelangem Tauziehen mit Politikern und Sponsoren gestrichen .

Als offizielle Begründung gaben die Organisatoren ein „zu kleines Teilnehmerfeld“ an. Angeblich war mit zehn der 18-m-Offshore-Renner gerechnet worden, zugesagt hatten nur acht.

Aber tatsächlich spielt die Anzahl der Regattateilnehmer bei dieser Annulierung offenbar nur eine untergeordnete Rolle. Denn die Organisatoren Olay Nautic mit Sitz in der Türkei haderten bis zuletzt mit außenpolitischen Querelen zwischen zwei Etappenländern und mit der Wirtschaftskrise in Spanien und Portugal, die in eine gewisse Sponsoren-Unwilligkeit resultierenden .

Diplomatische Querelen

Die Regatta sollte am 5. Mai in Istanbul starten und nach ca. 3.700 sm mit mehreren Boxenstopps in Frankreich und Spanien schließlich in England enden.

Auch Armel Le Cleac'h kann seine "Brit Air" beim Europa Race nicht wie erhofft in Szene setzen. © B. STICHELBAUT / SEA & CO

Doch als im Winter 2011/2012 der Pariser Senat trotz aller Drohungen der Türkei ein neues Völkermordgesetz verabschiedete, das die Leugnung von gesetzlich anerkannten Völkermorden unter Strafe stellt – darunter den Tod zahlloser Armenier während des Ersten Weltkriegs im Osmanischen Reich – wurde als Retourkutsche dem auch von Franzosen mitorganisierten Europa Race die Starterlaubnis am Bosporus entzogen.

Als Wochen später das französische Gesetz vorläufig wieder gekippt wurde, signalisierten die Türken zwar erneute Bereitwilligkeit, doch da wollten die Sponsoren des Europa Race, die hauptsächlich aus segelaffinen Ländern wie Frankreich und Spanien rekrutiert werden sollten, längst nicht mehr mitmachen.

Die hatten sich nämlich bis vor zwei Wochen mit festen Zusagen und klaren Vertragsverhandlungen geziert: Zwar wurden immer wieder Versprechungen (vor laufenden Kameras diverser Regional-TV-Sender) abgegeben, mit den notwendigen Unterschriften warteten die Geldgeber allerdings noch.

Dabei spielte das diplomatische Geplänkel zwischen Franzosen und Türken zwar seine Rolle, weitaus schwerer dürfte allerdings gewogen haben, dass einige Etappenorte signalisierten, sie hätten Schwierigkeiten, ihren finanziellen Verpflichtungen für das Event nachzukommen.

Und die sich so bereits im Vorfeld, Monate vor dem Startschuss zur Regatta (wo immer dieser auch ertönt wäre), ausbreitende unkooperative Stimmung passte nun gar nicht zur „völkerverständigenden Image-Botschaft“, die sich die Sponsoren von der Regatta versprachen.

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Michael Kunst

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