Farallones Race Unglück: Bewegende Worte vom Überlebenden Bryan Chong

"Eines Tages beenden wir dieses Rennen..."

Die Sydney 38 "Low Speed Chase" auf dem Farallones Felsen.

Nach fünf Toten beim Farallones Race vor San Francisco wird immer noch über den  genauen Ablauf des Unglücks spekuliert. Bryan Chong einer der drei Überlebenden, berichtet über die letzten Stunden der Sydney 38 „Low Speed Chase“, die per Helikopter von den Farallones Felsen gehievt wurde.

Demnach stand die Regatta von Anfang an für die Crew nicht gerade unter einem guten Stern. Vor dem Start wurde sie bei wenig Wind von der Strömung aus der Startzone getrieben und musste ankern. Daraus ergaben sich viele schadenfrohe Sprüche von den Crews der regulär gestarteten Yachten, die das ankernde Schiff passierten.


Mehr als eine Stunde dauerte die ungeplante Auszeit. Der Wind setzte ein und unter großen Mühen, konnte der verhakte Anker per Winsch und Fall ausgebrochen werden. „Damit hatten sich unsere Ziele für dieses Rennen deutlich verändert“, schreibt Chong. „Es ging mehr um das sichere Ankommen als um eine gute Platzierung.“

Unter der Golden Gate Bridge wehte es mit 20 bis 23 Knoten, der Himmel war blau, „ein wunderschöner Segeltag.“ Mit 7.5 bis 8.5 Knoten kreuzte „Low Speed Chase“ Richtung der Farallon Wendemarke.

Die Unglücksyacht wurde per Hubschrauber von den Felsen geborgen und auf eine Wiese am Festland abgesetzt.

Kein Grund für Aggressivität

„Die Stimmung war entspannt. Wir sprachen darüber, welcher der drei Spis der sicherste sei, um wieder zurückzukommen. Unser Platz am Ende des Feldes war klar. Kein Grund für Aggressivität. Wir segelten mit der kleinsten Fock.“

Chong geht auf das Video ein, das die Rundung des Felsen zeigt. „Die Rundung ist gut eine Stunde vor uns erfolgt bei gleichen vielleicht auch etwas leichteren Bedingungen.“ Die Rundung der „Deception“ gebe aber einen guten Eindruck. Sie selbst seien auf einer ähnlichen Route um die Insel gesegelt, vielleicht sogar noch etwas weiter außerhalb.

Der Abstand zur Brandungszone habe etwa zehn Bootslängen betragen. „Es sieht sicher aus, und niemand auf dem Boot macht sich Sorgen.“ Dann passiert es. „Das Schiff segelt zur Insel gekrängt hoch am Wind. Alan steuert, ich trimme das Groß, alle anderen sitzen auf der Kante.

Plötzlich trifft uns die größte Welle, die ich bisher an diesem Tag gesehen habe. Es bildet sich ein Kamm, aber wir passieren ihn bevor er bricht. 30 Sekunden später haben wir nicht dieses Glück. Ich sehe in einiger Entfernung eine weitere Welle kommen. Sie ist größer als alles, was ich je zuvor gesehen habe.

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Carsten Kemmling

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6 Kommentare zu „Farallones Race Unglück: Bewegende Worte vom Überlebenden Bryan Chong“

  1. avatar Kurt sagt:

    ich habe angefangen zu weinen…

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 9 Daumen runter 7

    • avatar Heini sagt:

      Ich glaube, die 7, die ein ‘Daumen hoch’ gegeben haben, kennen Kurt und seine Kommentare noch nicht.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 5

  2. avatar sinkmaster sagt:

    Eine schreckliche Tragödie!
    Alle Kommentare über mögliche Fehler in der Seemannschaft verbieten sich von selbst, insbesondere nach dem Lesen des Berichts von Bryan. Mein Mitgefühl geht an die Hinterbliebenen! fairwinds!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 0

  3. avatar T.K. sagt:

    Erschreckend – es macht sprachlos.

    Aber bitte korrigiert eine Angabe in eurer Übersetzung:

    Im Original heisst es: “As we approach the second point I estimate we’re inside of 10 boat lengths – which is 128 yards on a Sydney 38 – from the beginning of the break zone.”

    Bei Eurer Übersetzung kommt man zu dem Schluss sie wären 10 Bootslängen von den Felsen entfernt gesegelt. So nah war es dann also doch nicht. Aber 10 Boostlängen von der Breakingzone wär mir auch noch weit zu wenig, will das aber nicht vertiefen, nur um Korrektur bitten.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  4. avatar hanseatic sagt:

    Ich habe selten eine so präzise Schilderung eines Seeunfalls gelesen wie die von Bryan. Erstaunlich auch, wie er so wenige Tage nach der Tragödie bereits in Lage ist ganz nüchtern Details zu reflektieren. Chapeau! Da war bei mir sogar beim Lesen doch einige Male tiefes Luftholen angesagt… Great writing Bryan! Mein Beileid allen Angehörigen und Freunden!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  5. avatar Kurt sagt:

    Die sind niemals mit 7,5- 8,5 kts an der Kreuz gefahren mit ner Sydney 38!!!!!!!!!!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 1 Daumen runter 10

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