Jörg Riechers: Open 60 für das Barcelona World Race gekauft – Audigane ist Co-Pilot

In der ersten Liga

Jörg Riechers startet beim Barcelona World Race und peilt die Vendée Globe an. Das mare racing Team hat den Open 60 “Maître CoQ” von Jérémy Beyou gekauft, der bei der aktuellen Vendée Globe nach einer Woche mit einem Kielschaden ausgefallen ist.

Jörg Riechers mit mare

Jörg Riechers geht mit mare den nächsten Schritt in der Profi Offshore-Szene. © mare

Der Hamburger Jörg Riechers (44) steigt in die höchste Liga der Hochsee-Segler auf. Der zuletzt erfolgreichste deutsche Profi, der 2012 in der Class 40 mit seiner Yacht “mare” das Einhand Atlantik-Rennen Solidaire du Chocolat gewonnen hatte und bei der Zweihand-Regatta Quebec – St. Malo zweiter geworden ist, startet ab sofort auch in der 20 Fuß längere Open 60 Klasse.

Budget wird auf 2,5 Millionen Euro geschätzt

Mare-Chef Nikolaus Gelpke verkündete bei einer Pressekonferenz auf der boot Düsseldorf, dass sein mare Racing Team die Open 60 “Maître CoQ” von Jérémy Beyou gekauft hat. Riechers wird damit am Barcelona World Race 2014-15 teilnehmen, dem Zweihand-Rennen um die Welt, das Kollege Boris Herrmann mit einem Leih-Boot auf Platz fünf beendet hatte. Für Riechers wird damit auch die Option realistisch, als erster Deutscher bei der Vendée Globe 2016-17 an den Start zu gehen. “Das ist unser Ziel.”

Das neue Schiff für Jörg Riechers

Das neue Schiff für Jörg Riechers bald mit mare Branding. © JEAN MARIE LIOT / DPPI

Mare Chef Gelpke sieht den Kauf des Schiffes als Erweiterung des mare Racing Team Rennstalls und als Plattform für weitere Partner, die die deutsche Hochsee-Kampagne beschleunigen sollen. Das aktuelle Budget für das Barcelona World Race wird in der Szene auf 2,5 Millionen Euro geschätzt.

Dafür hat das gekaufte Schiff die Qualität, um bei der Um-die-Welt Regatta eine gute Rolle zu spielen. Riechers peilt damit Platz vier oder fünf an. Er rechnet mit 15 Teilnehmern und hält den Schweizer Bernard Stamm für den Favoriten, der bei der aktuellen Vendée Globe disqualifiziert wurde. Außerdem wollen die 49er Olympiasieger Iker Martinez und Xabier Fernandez ihren zweiten Platz vom letzten Rennen verbessern.

Iker Martinez und Xabi Fernandez grüßen bei der Passage von Wellington vom Bug der "Mapfre"

Iker Martinez und Xabi Fernandez grüßen bei der Passage von Wellington vom Bug der “Mapfre” © FNOB

Die Spanier gehörten zu den Vorbesitzern des neuen “mare” Open 60. Sie hatten das Schiff, von Michel Desjoyeaux übernommen, der mit dem Bruce Farr Design von 2007 die Vendée Globe 2008-09 gewann. Unter dem Namen “Mapfre” puschten die spanischen Hochsee-Novizen den Renner zu Rang zwei beim Barcelona World Race und verkauften es danach an Jérémy Beyou. Es heißt, dass Martinez/Fernandez möglicherweise ein neues Juan K. Design bauen lassen wollen.

Neue “mare” bei aktueller Vendée Globe ausgeschieden

Beyou zeigte zu Beginn der aktuellen Vendée Globe, dass er mit der umbenannten Yacht (“Maître CoQ”) in der Vendée Globe Flotte bestehen kann, musste dann aber nach sieben Tagen aufgeben, als eine Titan-Verbindungsstange zwischen der Hydraulik-Ramme und  Kopf des Neigekiels brach.

Jörg Riechers unterzeichnet in Düsseldorf neben Nikolaus Gelpcke die Meldung für das Barcelona World Race

Jörg Riechers unterzeichnet in Düsseldorf neben Nikolaus Gelpcke die Meldung für das Barcelona World Race. © John/SegelReporter

“Nach seinem Ausscheiden begannen die Verhandlungen Mitte November”, sagt Riechers im Interview mit SR. Das Schiff habe vor der Vendée zu Verkauf gestanden, dann aber plötzlich nicht mehr. “Wir hatten schon `Aviva´ von Dee Caffari in Betracht gezogen und `Gamesea´ von Mike Golding, dann wollte Beyou das reparierte Schiff doch wieder loswerden.” Riechers glaubt, dass auch Beyou neu baut.

“Mast, Kiel und Segel sind neu. Das Schiff stand von Anfang an ganz oben auf unserer Liste”, sagt ein glücklicher Jörg Riechers. Er kann es  kaum fassen, dass sein Traum verwirklicht wird, in die erste Liga des Hochsee-Segelrennsports aufzusteigen.

Neuer Co-Pilot Sebastien Audigane

Sebastien Audigane

Sebastien Audigane, neuer Segelpartner von Jörg Riechers. © Zedda/Groupama

Dabei freut er sich besonders auf seinen neuen Partner Sebastien Audigane (44), der gerade mit Boris Herrmann und Giovanni Soldini auf “Maserati” rund Kap Horn jagt. “Er kam auf uns zu, nachdem er gehört hatte, dass wir uns um das Barcelona World Race bemühen”, sagt Riechers.

Riechers war von dem gleichaltrigen Franzosen sofort begeistert, auch nachdem er gemeinsame Parallelen in der Laser-Klasse entdeckt hatte. So kreuzten sich ihre Wege bei einer Europacup Regatta in Warnemünde, bei dem sie auf ähnlichem Niveau segelten.

Audigane, der verheiratet ist und drei Kinder hat, legte schon beeindruckend viele Meilen in sein Kielwasser. Er war dabei auch bei der spektakulären Kenterung von Mega-Trimaran “Groupama 3” vor Neuseeland mit an Bord und musste das vergangene Barcelona World Race mit “Groupe Bel” und Kito de Pavant mit einem Kielschaden am Kap Horn aufgeben.

Dabei ist er alles andere als ein Bruchpilot. 2009 brach er den 24 Stunden Rekord an Bord des Trimarans “Banque Populaire” und 2005 holte er mit dem Mega-Kat “Orange” die Jules Verne Trophy für die schnellste Weltumsegelung. Er segelte mehrfach das Transat Jacque Vabre, Barcelona World Race und Transat AG2R und absolvierte Einhand das Solitaire du Figaro oder per Crew die Tour de la France a la Voile.

Mit Audigane und zwei weiteren Shore Crew Zuarbeitern (Preparateure) wächst das mare Racing Team um Riechers und Projekt-Manager Charles Euvrete damit von drei auf sechs Vollzeit Mitgliedern.

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Carsten Kemmling

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8 Kommentare zu „Jörg Riechers: Open 60 für das Barcelona World Race gekauft – Audigane ist Co-Pilot“

  1. avatar NK sagt:

    Sehr geil, Glückwunsch!! Ich drücke die Daumen!
    (und ein kleines bisschen hoffe ich natürlich auf ein deutsches Duell mit Boris…)

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  2. avatar Blankeneser Segel-Club sagt:

    Jörg und Nikolaus, das ist obertoll! Damit schafft Ihr und das Mare Racing Team ein Platform, die unserem Sport sehr gut tun wird! Wir freuen uns bereits auf den Vortrag am 26.02. im Rahmen der Hochsee-Segler-Abende im BSC und sind gespannt was da berichtet wird!

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  3. avatar volker andrese sagt:

    Jörg ist für den German Offshore Award im Hamburger Rathaus am 8.Februar nominiert und wird einen Vortrag zum Vendee Globe halten. Anmeldung noch möglich unter http://www.ger-oo.org

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  4. avatar dubblebubble sagt:

    Wow! Eine Open 60 aus GER – Einfach nur geil ^^

    Viel viel Erfolg wünsche ich JR und dem gesamten mare racing team! Finde das auch sehr super vom mare-Verlag, daß sie das durchziehen.

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  5. avatar Marc sagt:

    Dann Daumen drücken, dass der Kiel diesmal hält. Ich hätte ja kein gutes Gefühl einen Havaristen zu kaufen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 6

    • avatar Olli sagt:

      Der Havarist hat eine Vendee mit überragendem Speed gewonnen und bei einem Barcelona Race gezeigt, daß er noch nicht zum alten Eisen gehört. Daß nun ein kleines Teil aufgegeben hat, muß man ihm wohl zugestehen, daß es ein kleines Teil mit großer Wirkung war, darf man getrost Pech nennen. Das Boot ist auf dem Gebrauchtmarkt ein Exemplar aus dem oberen Regal.

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      • avatar Seven sagt:

        Das mag sein das es ein guter Kauf ist ,aber es ist ein 2007er Jahrgang. Das bedeutet das das Schiff 2014 schon 7Jahre alt ist ….. aber das bedeutet auch das wenn er am Vendée Globe16-17 teilnehmen will ,dann ein neues Schiff brauch…..aber das habe ich auch so heraus gehört als er anfang November, kurz vor dem Start des Vendée Globe , interviewet wurde. Das bedeutet also noch mal ca.3 Millionen für ein neues Schiff………

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        • avatar dubblebubble sagt:

          Mit was für einem Boot soll man vier Jahre vor der nächsten Vendee und vor allem während die aktuelle noch läuft, sonst einsteigen? Kielschäden haben schon viele gehabt. das ist halt die Achillesferse dieser Racer. Vielleicht war das ein Ermüdungsbruch nach so vielen jahren im Rennmodus.

          Sollte JR Potential zeigen, kann man immer noch ein ganz junges gebrauchtes Teil übernehmen, wenn sich z.B. die Top-Leute vor Vendee Globe 13/14 neue Boote kaufen. Eventuell ist die Performance des mare teams in den kommenden Jahren sogar so überzeugend, daß irgendwann ein großer Player als Sponsor dazukommt und zur nächsten Vendee gibt es was ganz neues? Zugegebenermaßen etwas viel Spekulation aber sooo abwegig nun auch wieder nicht. ^^

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