Mann über Bord: Die Gefahr der Unterkühlung. Was man gegen Hypothermie tun kann

Heimtückischer Feind

Die "Rambler"-Crew wird von Seenotrettern aufgenommen. Fünf Segler trieben im Wasser. © Richard Langdon

Ganz egal, ob „Opfer“ einer fiesen Welle, die es auf einen ungesicherten Class 40-Segler irgendwo vor Kapstadt abgesehen hatte und diesen vom Vorschiff im Hauptwaschgang wegspülte oder ob einen der Laser nach verkorkster Halse beim Wintertraining auf Förde oder Binnensee abwirft  – klatsch,  der Segler liegt im Wasser… und die Probleme beginnen.

Den leeren Slipwagen sehen

Basteln wir uns zwei Szenarien: Der erwähnte Offshore-Segler treibt im 15° C kühlen Ozean, weiß, dass er intensiv gesucht wird und hegt die Hoffnung, selbst im Dunkeln irgendwie gefunden zu werden. Unser Laser-Segler war ausnahmsweise ohne Trainer auf dem MoBo unterwegs, und, verflixt, jeder weiß doch, wie weit und schnell die Kühlschranktüren angeschoben von 5 Bf wegtreiben können.

Im 5° C kalten Wasser trägt dieser Verunglückte Trockenanzug und Schwimmweste. Er hofft darauf, dass irgendjemand seinen leeren Slipwagen sieht und den Rettungsdienst alarmiert.

Erklärung zum Phänomen des Frierens und Zittern

Segler 1 hat das Gefühl, dass ihn seine vermeintlich schwere Kleidung – er trägt keine Rettungsweste – beim Schwimmen „in die Tiefe ziehen“ will und entledigt sich derselben. Wahrscheinlich wird er jetzt die Wellen als größtes Problem betrachten, schließlich verstecken sie ihn vor den Rettern. Doch ein weiterer, viel heimtückischerer Feind macht sich gerade mit einem leichten Frösteln bemerkbar: Hypothermie, vulgo: Unterkühlung.

Sie tritt immer dann auf, wenn die Wärmeproduktion aufgrund der Umgebungstemperaturen über längere Zeit geringer war als die Wärmeabgabe.  Liest sich lapidar? Ist auch so!

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

5 Kommentare zu „Mann über Bord: Die Gefahr der Unterkühlung. Was man gegen Hypothermie tun kann“

  1. avatar Olli sagt:

    Ein spitzenmäßiger Beitrag, vielen Dank!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 0

  2. avatar hanseatic sagt:

    Klasse Artikel. Wäre mal interessant zu hören welche Erfahrungen die Eckernförder Kampfschwimmer zu diesem Thema gesammelt haben. Die Jungs sind ja ständig und bei jedem Wetter stundenlang (z.T. 8-10Std in der Eckernförder Bucht) im Wasser und könnten sicher so einiges an wichtigen und auch für uns Segler interessanten Erkenntnissen zu diesem Thema beitragen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  3. avatar Rainer sagt:

    Guter Beitrag, aber keine wirklich neuen Erkenntnisse. Nur das Afterdrop vor 30 Jahren noch Bergungstod hieß 🙂

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  4. avatar Christian sagt:

    vor ca. einem Jahr war zum Thema ein recht guter Beitrag in der YACHT. Eine dort referierte Studie besagt, dass die Mehrheit der tödlichen Unfälle im Kontext Ertrinken/ Hypothermie im unmittelbaren Nahbereich von Boot oder Steg erfolgt. Klassiker ist das nächtliche ins -Wasserfallen beim Pinkeln.

    Und nicht unerwähnt sollte bleiben, dass Alkoholtrinken Unterkühlung massiv beschleunigt, weil dadurch die Blutgefäße erweitert sind. Wie war das mit dem Schnapstrinken bei der Eisarsch-Regatta?

    Bei einer Kenterung bin ich einmal in ca. 5 Grad kaltes Wasser gefallen. Ich war überrascht, wie brutal das einem den Atem abstellt, obwohl ich sogar richtig gute Ausrüstung trug (dicker Neopren mit Unterzeug usw.) Möchte ich nicht wieder erleben.

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

  5. avatar C Kästner sagt:

    Ein wichtiger Beitrag !!

    Ich darf noch anmerken, dass – nach Meinung des Ausbildungszentrums Schiffssicherung der Marine in Neustadt – die meisten Todesfälle nach Überbordgehen durch Ertrinken INFOLGE von Unterkühlung auftreten. d.h., wenn das vegeatitve Nervensystem durch die Unterkühlung ausfällt, bleibt der Mund geöffnet, und wird sich durch Gischt oder Seegang füllen, und die Lungen füllen sich mit Wasser. Erschwerend kommt hinzu, dass der Köper als Kiel wirkt, und das Gesicht vom Wind immer in Windrichtung gedreht wird.

    Wir haben unsere Rettungswesten deshalb mit Spraycaps ausgerüstet, um das zu verhindern, und die Überlebanschance zumindest bis zum Unterkühlungtod zu verlängern.

    Ausserdem haben wir ein Unterkühlungthermometer an Bord, um bei der Bergung die Situation besser Einschätzen zu können, und bei der ‘Erwärmung’ des Patienten keinen Fehler zu machen.

    Gruss, CK

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *