Mini Fastnet: Jörg Riechers bei Mini-Abschied-Tour auf dem Podium

Mini Krimi

Um zu verstehen, was es heißt, wenn Jörg Riechers “puschen” meint, eignet sich dieses Video:

Jörg Riechers ist mit seinem Mini 6.50 “Mare” und Co-Skipper Pierre Brasseur Dritter geworden beim Mini Fastnet Rennen von Douarnenez (FRA) zum Fastnet Rock vor Irland und wieder zurück. Es waren 26 Prototypen am Start. Der Hamburger beschreibt die spannendsten Momente.

Jörg Riechers und Pierre Brasseur puschen den Mini 6.50 "Mare".

Jörg Riechers und Pierre Brasseur puschen den Mini 6.50 “Mare”. © Gildas Hémon Kerys.com

Im Leben eines Seglers gibt es immer Regatten bei denen es nicht so richtig klappen will. Man bereitet sich gut vor, hat ein schnelles Boot, landet dann aber trotzdem irgendwie nie auf dem Podium. So eine Regatta ist im Mini 6.50 das Mini Fastnet immer für mich gewesen. In fünf Anläufen bin ich nie auf dem Podium gelandet.

Dieses Jahr sollte alles anders werden, ich wollte meine letzte Mini Saison nicht mit so einem schwarzen Fleck in der Vita beenden. Also peilte ich mit Pierre Brasseur in diesem Jahr fest das Podium an.

Mit Meeno Schrader legten wir das Routing fest und konzentrierten uns besonders auf die Überquerung des Englischen Kanals, eine Disziplin bei der Pierre und ich in der Vergangenheit oft sehr unglücklich aussahen.

Start mit Verspätung

Mit einem Tag Verspätung – wegen eines anziehenden Sturmtiefs – ging es dann am 24.06. los. Alles lief wie geplant, wir setzten uns nach dem Start gleich in der Spitzengruppe fest. Den Kanal überquerten wir seit langer Zeit mal ohne taktische Schnitzer. Beim Wolf Rock waren wir dritte hinter Gwenole Gahinet und Etienne Bertrand.

Jörg Riechers (l.) und Pierre Brasseur

Die drei Duos auf dem Mini-Podium. Jörg Riechers (l.) und Pierre Brasseur landen auf Platz drei. © Gildas Hémon Kerys.com

Ich sagte zu Pierre, das wir nur auf Gwenole aufpassen müssten. Etienne Bertrand würde früher oder später einen Fehler machen und das alte Boot von Etienne David auf dem bei diesem Rennen der Gewinner des letzten Transats – David Raison – mitsegelte und kurz hinter uns auf dem vierten Platz lag, wäre bei den herrschenden leichten Raumschotsbedingungen noch nie schnell gewesen.

Unsere Angstgegner Bertrand Delesne und die Magnum mit GianCarlo Penedote langen guten 8 Meilen zurück. Ach das Leben kann manchmal so toll sein, dachten wir.

Leider stellte sich sehr schnell heraus das Etienne irgendwie schneller war als wir dachten und auch David Raison rückte uns immer weiter auf die Pelle, na ja und dann enteilte uns auch noch Gwenole.

Zu langsam unter Spinnaker

Irgendwie waren wir unter Spi alles andere als schnell unterwegs. Scheinbar hatte das Segel nun doch schon einige Meilen zu viel auf dem Buckel. Dennoch gelange es uns irgendwie doch noch bis zum Fastnet Rock auf Platz drei zu bleiben.

Flaute am Fastnet-Rock.

Flaute am Fastnet-Rock. © Arnaud Courrot

Nach der Rundung schlug das Schicksal aber dann doch zu. Ein kleiner taktischer Fehler und weg war er, unser dritter Platz. Der Abstand wuchs auf vier Meilen. Schlechte Vorausetzungen – vor allem wenn man langsamer ist.

Also machten wir das, was mir im Laser schon die eine oder andere Regatta gerettet hat – man fährt einfach dahin wo die anderen nicht hinfahren. Okay besonders einfallsreich ist das nicht, aber manchmal ganz schön effektiv.Die führenden drei fuhren 50 Meilen nach dem Fastnet Rock Richtung Süden also hielten wir denin die andere Richtung nach Südosten.

Hochmotiviert gingen wir zur Sache kämpften um jeden Zehntelknoten um jede Welle auf der man irgendwie auch nur einige Meter mitsurfen konnte. Der Querabstand wuchs, die Stromtaktik schien immer besser aufzugehen und plötzlich waren uns sicher, dass dies alles zum Erfolg führen würde.

Das Delesne Trauma

Mare Mini Transat

Mare (lila) startet seinen Angriff auf das Podium und steuert gen Osten.

Dieses schöne Gefühl des nahenden Podiums hielt auch bis kurz vor Ouessant an bis sich ein Mini von Norden her näherte – was nicht sein konnte, denn die anderen waren doch im Süden. Denn sahen wir die Segelnummer 754 – Bertrand Delesne.

Och nö was macht der denn jetzt hier? Der war doch am Fastnet Rock noch so schön weit hinter uns. Da war es wieder – das Delesne Trauma – welches mich nun schon seit 2009 verfolgt. Gerade Bertrand Delesne – der zur Zeit den schnellsten Mini auf Vormwindkursen hat – so kurz hinter uns, das ließ einen fünften Platz irgenwie realistischer erscheinen als eine Podium-Platzierung.

Mare Mini Fastnet

Vor dem Ziel schließen aber noch zwei andere Boote auf, darunter Angstgegner Delesne (weiß).

Aber uns blieb die Hoffnung, dass die linke Seite, von der Bertrand kam, deutlich besser war. Vielleicht sind die Boote im Süden ja jetzt tot. Und wenn wir denn den Delesne platt machen, wäre sogar Platz zwei drin.

Genau das ist es. Immer bis in die Haarspitzen motiviert bleiben. Bei mittlerweile 6 Windstärken, fieser Welle und unter unter großem Spi geben wir alles. Und es zahlt sich aus. Meter um Meter nehmen wir Bertrand ab. Ja zweiter werden wäre sooo schön.

Platz vier droht

Wir sind auch schon fest davon überzeugt, aber 15 Meilen vor Douarnenez erscheinen zwei Boote auf dem AIS. Speed und Kurs deuten auf zwei Minis hin. Mist, die Boote aus dem Süden sind alles andere als abgeschüttelt. Es droht wieder Platz vier.

Mare Mini Fastet

Mit hohem Risiko rast Riechers auf Platz drei und liegt schließlich nur zwei Minuten hinter dem Zweiten.

Das einzig Gute: David segelt nur 1,5 Meilen vor uns und Etienne schließlich gar nur 0,8 Meilen. Also auf geht’s. Das Boot muss bis ans ans absolute Limit gepusht werden. Na ja eigentlich segelten wir auch so schon tief in der Twilight Zone. Bei 20kn Wind und einem TWA von 125 Grad funktioniert eigentlich nicht. Aber wenn man es erzwingt…

Klar ist, wer jetzt klein bei gibt, fällt aus dem Rennen. Etienne entscheidet sich bald, dem Wahnsinn ein Ende zu machen und auf den Code 5 zu wechseln. Damit ist er raus und wir haben Platz drei!! Super einer weniger.

Fluch besiegt

Jetzt müssen wir nur noch Delesne im Griff zu behalten. Blöd nur, dass der schon mit dem Medium Spi segelt. Der passt sehr viel besser zum Wind und zum Einfallswinkel. Rang drei ist also alles andere als sicher. Wenn der Wind doch nur leicht abnehmen würde und gute 10 Grad drehen würde…Puh genau das passiert. Prompt sind wir im Vorteil. Platz drei ist gesichtert. Drei Minuten hinter David Raison segeln wir  als Dritter über die Ziellinie. Endlich ist der  Fluch des Mini Fastnets besiegt.

Im großen und ganzen läuft meine Mini Abschiedstournee bisher nicht so schlecht mit einem vierten Platz bei der Trophee MAP und dem dritten Platz beim Fastnet.

Ende Juli findet meine letzte Mini Regatta statt, das Transgascogne. Es war 2009 meine erste Mini Regatta die ich gewonnen habe, also habe ich dazu besondere Beziehung. Ich werde alles geben, um auch hier auf dem Podium zu landen. Vorher muss ich aber noch ein klein wenig Vormwindspeed finden, vielleicht sollte ich mal Robert Scheidt anrufen und um Rat fragen…

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2 Kommentare zu „Mini Fastnet: Jörg Riechers bei Mini-Abschied-Tour auf dem Podium“

  1. avatar Manfred sagt:

    Ein Klasse Bericht!
    Danke!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 0

  2. avatar Breizh sagt:

    Vielen Dank für die Erläuterungen. Hatte mich am Tracker schon gefragt, was die Mare da macht. Wenn man sich überlegt, dass die entscheidenden Stunde auch noch am sehr frühen Morgen waren (wenn ich mich nicht irre), verdient die Leistung noch mehr Respekt.
    Dank auch einmal an SR, dass über solch faszinierenden Rennen überhaupt in Deutschland berichtet wird. Finde ich deutlich aufregender als viele olympischen Klassen oder den 1000 Bericht irgendeiner Yacht.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

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