Normandie Channel Race: Riechers als vierter ins Ziel. Ist er aufgelaufen?

Hartes Finale auf dem Channel

Sieger trotz Riss im Segel. Tanguy de Lamotte and Sébastien Audigane gewinnen das Normandie Channel Race. © NMC

Jörg Riechers ist beim Normandie Channel Race auf Platz vier ins Ziel gekommen. Der Hamburger segelte mit seinem Partner Etienne David nach drei Tagen, 23 Stunden und 40 Minuten eine Stunde und 15 Minuten hinter den französischen Siegern Tanguy de Lamotte and Sébastien Audigane über die Ziellinie in Caen.

Er segelte mit 894,6 Seemeilen rund 25 Meilen mehr als die Konkurrenz auf den ersten sechs Plätzen, was für eine ausgefallene Kurswahl spricht. Dafür lag seine Durchschnittgeschwindigkeit mit 9,4 Knoten 0,2 bis 0,3 Knoten höher als die der direkten Gegner.

Axel Strauss berichtet von Bord: „Gerade haben wir über Funk mitgehört, dass mare.de vor Ouitreham nach einer Motorpanne aufgelaufen ist und ein Ruder beschädigt ist. Grosses Pech für Jörg!“ Wie Riechers trotz dieses Missgeschicks auf dem guten vierten Platz landen konnte ist noch nicht bekannt.

Jörg Riechers segelte mit seiner Atlantik erprobten Class40 "Mare.de" ein gutes Normandie Channel Race. © Mare

Genauso wird gerätselt, wie „Initiatives Saveurs“ an der Spitze bleiben konnte, obwohl offenbar das Großsegel gerissen ist. Die Franzosen berichten ihrerseits, dass die Gegner auf der „Port de Caen – Ouistreham“ in der Nacht beim Zweikampf mit einem Segel-Problem ausgeschieden sind. „Plötzlich verschwanden sie.“

Strauss berichtet auf Platz sieben liegend: „Wir haben auch Probleme, wahrscheinlich verschmutzte Filter, nachdem durch das ganze Am-Wind Segeln der Dreck im Tank aufgwirbelt wurde. Im Moment funktioniert es, ist aber kapriziös.

Seit Lands End gestern abend waren wir mit dem kleinen Spi unterwegs, die ganze Nacht Vollgas, am Morgen eine Halse bei 33kn südlich von Guernsey. Nichts für schwache Nerven, aber fantastisch :-)!

Kurz vor der Einfahrt ins Raz Blanchard haben wir den Spi geborgen, und uns mit der Trinquette der französischen Küste entlang aus der übelsten Gegenströmung heraushalten können. Danach wieder Spi bis Barfleur, große Wellen, 30 bis 35 kn konstant.

Ziemlich spektakulär, aber sogar Nico meinte, dass wäre jetzt “chaud”. Am Ende hat es uns dann auch erwischt: Bug bis zum Mast in der Welle und ein Wipeout der sich sehen lassen konnte. Danach haben wir dann das Teil geborgen, bevor wir noch Schrott machen. Das kann ziemlich schnell passieren.

Das Boot ist innen ziemlich nass, wir auch. Heute Abend sind wir im Hafen und wieder trocken. RED hat die Nacht anscheinend gemütlich genommen, denn Mathias und Boris haben seit Lands End über 40 Meilen auf uns verloren.

Vielleicht sind sie aber ausgeruhter, denn wir sind bei “cuit”, oder auf gut Deutsch fix und foxi.“

Eine erstaunliche Leistung gelang den beiden behinderten Seglern im Feld. Der Sieger der Sonar-Klasse in Hyères Bruno Jourdren wurde zweiter, und Damien Seguin, der Parlympics Gewinner im 2.4 und zehnte der Route du Rhum, landete auf Rang drei.

Axel Strauss belegt Rang sieben und konnte sich kontinuierlich von Boris Herrmann und Mathias Müller von Blumencron auf Platz acht absetzen. Anna-Maria Renken und Hannah Jenner liegen mit einem Rückstand von 193 Meilen auf Rang elf.

Axel Strauss Blog
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Carsten Kemmling

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12 Kommentare zu „Normandie Channel Race: Riechers als vierter ins Ziel. Ist er aufgelaufen?“

  1. avatar Thomas sagt:

    Grandiose Leistung. Das sind taffe Jungs, da kann man nur gratulieren

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  2. avatar hanseatic sagt:

    Info: Ouistreham liegt hinter der Ziellinie. Die hatte Riechers also bereits passiert als er unter Motor auflief.

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  3. avatar hanseatic sagt:

    Fast 24h ! nach dem Sieger haben auch Herrmann und Müller von Blumencron nach gut 860nm die Ziellinie passiert – bald 7h nach Riechers der allerdings auch in einem state of the art Boot unterwegs war und unbestritten ebenfalls ein guter Segler ist. Im Hinblick auf die Sponsorensuche für das große Projekt Vendée Globe muß man da jetzt wohl sagen 1:0 für Riechers. Ob Boris Herrmann seiner Sache mit dem Einstieg auf der RED einen großen Gefallen getan hatm, darf unter Marketinggesichtspunkten bezweifelt werden. Kann man für Boris nur hoffen, dass dieses Rennen bei den potenziellen Sponsoren nicht allzu lange nachhallt.

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    • avatar Sören Sörensen sagt:

      Die Sponsoren-Suche für das VG hängt nicht von dem von vielen hier auf ein Match-Race reduziertes Rennen ab. Das Ergebnis ist nur ein kleiner Baustein im Marketing-Mix. Vielmehr ist es die Kombination aus Kompetenz und Sympathie-Faktoren. Riechers wird das Rennen vermutlich nützen, Hermann wird es vermutlich nicht schaden, und wer netter und zielgruppenkompatibler ist muss der Geldgeber entscheiden. Ich finde es zunächst einmal total oberklasse, daß soviel Deutsche dabei waren!

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  4. avatar bläck sagt:

    Keine Frage dass beide der genannten gute Handwerker sind. Um ein VG auf die Beine zu stellen bedarf es Geldgebern, die nebem dem Handwerker auch einen Unternehmer sehen wollen. Jemand, den man seinen Kunden präsentieren kann, der kommunikativ ist, smart rüberkommt und sich eben vermarkten lässt für mannigfache Dinge.

    Dem Sponsor geht es nicht zuerst darum, ob der Gesponserte ein Rennen gewinnt. Der Sponsor will Schlagzeilen sehen, Bilder, Interviews und alles, was sich eben zu Geld machen lässt.

    Wer der bessere Kommunikator ist, weiss ich -zumindest für mich-.

    Wer bei den Sponsoren den Vorrang bekommt, kann ich nicht beurteilen. Kommen oben erwähnte Gedanken aber mit in die Entscheidung rein, dann sollte klar sein, wer Vorrang hat.

    Gruss

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    • avatar Fastnetwinner sagt:

      Das beide Ahnung von Seefahrt haben braucht wohl nicht weiter besprochen zu werden. Wenn man den Sponsorship-Deal tatsächlich mal vom Kommunikationswert innerhalb einer Zielgruppe betrachtet, dann könnte dies eine interessante Diskussion werden. Für welche Produkt-Kategorien würde die Leserschaft die beiden wohl empfehlen? Ich mache jetzt mal den ersten Schritt nur aus dem Bauch und freue mich auf weiteren Input:

      Herrmann: Rasierwasser und Körperpflege, Kaffee und Joghurt
      Riechers: Baumarkt, Kettensägen, Dübel

      PS: Arno: Wenn das klappt, krieg ich dann 10%?

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    • avatar Kerstin sagt:

      In welcher Welt lebst Du eigentlich? Glaubst Du wirklich, dass jemand Millionen in ein Projekt steckt, um “nur dabei zu sein”? Und Schlagzeilen gibt es nur für Gewinner, nicht fürs Mittelfeld. Mnachmal reicht es eben nicht, dass Gesicht immer nur in die Kamera zu halten!

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      • avatar Fastnetwinner sagt:

        In welcher Welt ich lebe? Hmmmm…. In Hamburg wo es am schönsten ist und wo man im Winter Kreek fährt. Ansonsten in der Welt des Marketing. Aber um Deinen Kommentar richtig zu beantworten:
        – “Glaubst Du wirklich, dass jemand Millionen in ein Projekt steckt, um “nur dabei zu sein”?”: Nein, das sagt aber glaube ich auch keiner, und ich erst recht nicht. Ich glaube vielmehr, daß beide eine tolle Kampagne stemmen können.
        – “Und Schlagzeilen gibt es nur für Gewinner, nicht fürs Mittelfeld”: Das ist schlichtweg falsch: Siehe letztes VG = Sam Davies, oder Fussball = St.Pauli. Die Liste lässt sich endlos weiterführen
        – “Manchmal reicht es eben nicht, dass Gesicht immer nur in die Kamera zu halten!” Das ist komplett richtig, macht auber auch keiner der Teilnehmer. Deshalb reden die Experten hier ja auch vom Marketing-Mix. Da muss die Produkt-Leistung (=die des Seglers) auch noch stimmen. Aber eben nicht nur… Mix eben.

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        • avatar Kerstin sagt:

          Ich habe mit meiner Antwort nicht Dich gemeitn, also keep cool

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          • avatar bläck sagt:

            Ich resp. meine Firma sponsort seit fast zehn jahren Segelevents und Regattateams und zwei jahre auch ein Rennbootteam.

            JR hatte zwischen 2005 und 2007 mehrmals angefragt, da wir uns pers. kennen. Es kam aber nie zu einem Abschluss.

            Es geht in der Tat nicht immer nur um den Ersten. Marktwert hat natürlich auch mit gewinnen und Gewinner zu tun, ohne Zweifel. Aber ein Sponsordeal beschränkt sich eben nicjt nur auf’s segeln, z.B.

            Wo ich lebe ? Am Wasser natürlich.

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      • avatar stefan sagt:

        …naja, das kommt immer ganz drauf an, was sich ein Sponsor erhofft. Vorwiegend geht es sicherlich nur um Medienzeit. Sicherlich erzeugt ein Gewinner davon sehr viel. Aber auch spektakuläres im Mittelfeld kann die Aufmerksamkeit der Medien binden.

        Wenn ich mir einen Alex Thomson anschaue, so hat der seinem Sponsor bislang sehr viel Geld gekostet, aber ausser spektakulären Bildern hat der nicht viel bewegt und segelt (wenn er denn überhaupt ankommt) immer hinterher.

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  5. avatar Kerstin sagt:

    Da kann er wohl von Glück sagen, dass es nicht zum Abschluss gekommen ist. Mare erscheint mir da doch um einiges professioneller zu sein!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 10

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