Rekordsegeln: Paul Larsen will auch Schnellster auf den Weltmeeren werden

Hochseerakete braucht Geld

Rast bald ein ähnlich aussehendes Gerät über die Ozeane? © vestas sailrocket

Rast bald ein ähnlich aussehendes Gerät über die Ozeane? © vestas sailrocket

Nach seinem fulminanten Geschwindigkeitsweltrekord unter Segeln denkt der Australier nun laut über Sailrocket 3 nach: Eine rasende Proa für die offene See?

Zuständig für Gänsehaut – Paul Larsen zeigt uns seit Jahren, wie man mit Geschwindigkeit unter Segeln reichlich Emotionen wecken kann. Schon mit seinen gescheiterten Rekordversuchen hatte der Australier die Sympathien der Segelwelt auf seiner Seite; und als es ihm schließlich im November 2012 auf seiner futuristisch anmutenden Raketen-Proa gelang, zuvor nie für möglich gehaltene 65, 45 Knoten (121 km/h) über eine Strecke von 500 Metern zu segeln, hatte die Segelwelt einen neuen Helden.

Paul Larsen ist immer wieder für Überraschungen gut © vestas sailrocket

Paul Larsen ist immer wieder für Überraschungen gut © vestas sailrocket

Zunächst abgetaucht

Doch nachdem er sein Rekordboot „Sailrocket 2“ wieder in den Container gepackt und der Rekordstrecke vor der namibischen Küste den Rücken gekehrt hatte, wurde es ruhig um den sympathischen Speedfreak. Er nahm an „Slow-Down-Maßnahmen“ teil wie etwa dem Nachsegeln der Shackleton-Route unter Original-Bedingungen in der Antarktis und duckte sich gekonnt unter dem Foiling-Medien-Hype rund um den America’s Cup weg (bei denen bereits Geschwindigkeiten um die 44 Knoten wie Weltrekorde promotet wurden) um schließlich in diesem Sommer wieder von sich reden zu machen: Mit einer simplen Meldung auf seinem Blog.

Natürlich geht es dabei wieder um Hochgeschwindigkeit. Doch wer nun glaubt, Larsen hätte in seinen computergestützten Berechnungen irgendwo noch eine vernachlässigte Formel wiedergefunden, mit deren Hilfe vielleicht doch noch ein oder zwei Knötchen aus seiner Vestas Sailrocket heraus zu kitzeln wären, der irrt. Zumindest im Ansatz.

Denn Larsen beschäftigte sich und sein Team im Laufe der letzten Monate zwar weiterhin mit Zahlenmaterial aus der Sailrocket-Berechnungsreihe, dachte aber einen Schritt weiter… weg.

Wissen für andere Projekte

Larsen schreibt in seinem Blog: „Wir  haben mit Sailrocket weit mehr gelernt, als „nur“ schnell zu segeln!“ Die Essenz dieser Arbeit, angefangen bei den Zahlen und aufgehört beim Visionären, könne auch auf andere Projekte projiziert werden. „Wir wissen nun, wie man unsere Erfahrungen mit ähnlichem Erfolg auch auf Yachten übertragen kann, die Ozeane überqueren sollen!“

Will Paul Larsen also mit einer völlig neuen, hochseegängigen Rakete der finanziell derzeit arg gebeutelten französischen „Hydroptére“ Konkurrenz machen? Die Antwort ist ein deutliches „Nnnjaein!“

Paul Larsen – ein Mann mit Biss © Helena Darvelid/vestas sr

Paul Larsen – ein Mann mit Biss © Helena Darvelid/vestas sr

Denn alle Spekulationen, die direkt nach Larsens Blog-Veröffentlichung vor etwa einem Monat durch die Segelszene geisterten, waren… nichts als Spekulationen. Von einem völlig neuen Konzept für Hochseerasereien war danach die Rede, von einer Proa im ähnlichen Stil wie die Sailrocket (nur größer) sprachen die einen, dann wurde über einen „flugfähigen“ Trimaran gemutmaßt im Stil der „Hydroptère“, schließlich war sogar von über 100 Fuß langen Foil-Katamaranen à la America’s Cup die Rede. Nur wie gesagt – nichts als Mutmaßungen.

Alles geschickte PR?

Denn Larsen hat es in äußerst geschickter PR-Manier verstanden, mitten in der „Saure-Gurken-Zeit“ von einem Traum zu reden, der über den Status einer Idee offenbar noch nicht heraus gewachsen ist. Kurz: Larsen gibt keinerlei Fakten an. Noch nicht.

Weder über die Ausmaße des Schiffes und über die Bauart (Proa? Trimaran?) macht er Angaben, noch über sein Konzept, wie er dem Seegang ein Schnippchen schlagen will. Dafür schreibt er: „Ein großer Teil der Herausforderung vor uns wird es sein, zwischen dem, was theoretisch möglich ist und dem, was dann praktisch tatsächlich erreichbar ist, zu navigieren.“ Er redet von einem Modell-Boot, das bereits gebaut wurde, will es aber (noch) nicht der Öffentlichkeit präsentieren. Denn zunächst soll „nur“ ein gewisses Interesse geweckt werden.

Speed-Pilot Paul Larsen, der schnellste Mensch unter Segeln hebt ab. Er schafft einen unglaublichen Weltrekord. © Sailrocket

Speed-Pilot Paul Larsen, der schnellste Mensch unter Segeln hebt ab. Er schafft einen unglaublichen Weltrekord. © Sailrocket

Der aufmerksame Leser ahnt es schon: Paul Larsen braucht Geld! Womit wir bei seiner wahrscheinlich größter Herausforderung rund um dieses Projekt angelangt wären: „Finde einen oder mehrere Sponsoren, die enthusiastisch das nötige Kleingeld bereit stellen, um mit Höchstgeschwindigkeiten über die Ozeane dieses Planeten zu rasen!“

Money makes the world go round

Wie schwierig dieses Unterfangen werden dürfte zeigt der Fall „Hydroptère“: Nach dem Umbau des Riesentrimarans auf Flügeln zu einer Hochseerekordmaschine, nach einer ganzen Saison (vergeblicher) Wartezeit in Kalifornien, von wo aus der Transpac-Rekord „pulverisiert“ werden sollte (Los Angeles-Honolulu) sprang schließlich der Hauptsponsor DCNS ab. Und obwohl es Projekt-Initiator Alain Thébault innerhalb kurzer Zeit gelang, zumindest im Ansatz Ersatz für den fehlenden Hauptsponsor aufzutreiben, konzentrieren sich die Franzosen nun – verrückte Welt – ausgerechnet auf Paul Larsens Weltrekord über 500 m: Mit dem Projekt iDroptère soll eine Segelrakete entwickelt werden, die schneller als 80 Knoten über die Wasser rasen wird.

Hydroptère will also den Geschwindigkeits-Weltrekord über 500 m wieder zurück nach Frankreich holen. Und Larsen will auf dem zuletzt von Hydroptère angepeilten Hochsee-Revier wildern?

Das Projekt um das schnellste Segelschiff der Welt ist ins Schlingern geraten. © Hydroptère

Das Projekt um das schnellste Segelschiff der Welt ist ins Schlingern geraten. © Hydroptère

Die Speedrekordszene dürfte also weiterhin spannend bleiben. Derzeit weniger wegen wilder Ritte auf futuristisch anmutenden Segelraketen sondern eher wegen dem Wettstreit um schnöden Mammon und der vermeintlich richtigen Vermarktung von Ideen. Aber waren Visionen nicht immer der beste Antrieb im Segelsport?

Website Paul Larsen

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Rekordsegeln: Paul Larsen will auch Schnellster auf den Weltmeeren werden“

  1. avatar T.B. sagt:

    Die Sailrocket ist eigentlich keine Proa, weder eine pazifische noch eine hawaiianische noch eine amerikanisch oder sonstwas.
    Die einzige halbwegs korrekte Bezeichnung ist das lustig Wort:

    “Monomaran”

    Das habe ich mit nicht selbst ausgedacht sonder der Urvater der Sailrocket – Bernard Smith und seine “Amazing Sailboats”.
    http://www.geocities.com/aerohydro/designframeset.htm

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  2. avatar Backe sagt:

    65 Knoten auf absolut flachem Wasser ist eine Sache … Mir wird aber immer ganz mulmig zumute, wenn ich mir 3 Meter Welle und Wind gegen Tide vorstelle. Da muss ich immer an Peter Blake und seinen Jule-Verne-Rekord auf ENZA denken. Die mussten mit ihrem Kat kurz vor dem Ziel im Sturm massiv in die Eisen gehen, haben alle Segel weg genommen und sogar noch alles an Reservetauwerk und laufendem Gut, was entbehrlich war, als Treibanker hinten rausgehängt, um nicht kurz vor dem Ziel doch noch koppheister zu gehen.

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