Röttgering beim Rolex Fastnet Race: Neustart kurz vor dem Ziel

"Stimmung zum Gedichte schreiben"

Finale im Dunkeln. Das Feld schließt sich um Uwe Röttgering zusammen. © seefieber.de

In den letzten Meilen des Rennens steckte eine Menge Adrenalin. Bei Lizard Point, einer Landspitze ca. 50 Seemeilen vor dem Ziel, starb der Wind und eine Gruppe von rund 60 Yachten schob sich auf einem schmalen Streifen zusammen.

Die Führenden in der Gruppe mussten hilflos mit ansehen, wie die nachfolgenden Yachten aufkamen und die Verfolger konnten sich freuen, dass ihnen so unverhofft einige Meilen geschenkt wurden.

Gemeinsam krochen wir langsam und schnell, groß und klein mit einem Hauch von Wind und bei strömungsbedingt unruhiger See in Richtung Ziel. Als dann wieder Wind aufkam, so sah es fast aus wie ein Neustart des Rennens. Ein toller Anblick, wie sich auf all den Yachten die Segel wieder mit Wind füllten und das Feld hoch am Wind nach Nordosten preschte. Wir mittendrin. Ein tolles Gefühl.

Mit Einbruch der Dunkelheit gingen die Dreifarbenlaternen an und das Meer um uns herum begann in grün, rot und weiß zu funkeln, während das Mondlicht eine Szenerie aus dunklen über das Meer ziehenden Segeln zauberte. Ja, es war eine Stimmung, über die man Gedichte hätte schreiben können. Wenn es denn ein Happy End für uns gegeben hätte.

Eine Dreivierteilmeile vor dem Ziel starb der Wind erneut. Das Feld, in dessen Mitte wir uns positioniert hatten, schob sich auf ein paar hundert Meter zusammen. Mit jedem Windhauch kam mal die eine Yacht ein paar Meter vorwärts, mal die andere.

Leider gehörte FANFAN! sehr selten zu den einen oder anderen. Es war wie verhext. Nur 20, 30 Meter von uns entfernt schoben sich Yachten an uns vorbei, ohne dass wir auch nur mitbekommen hätten, welche Kräfte dort wirken.

Mein Mitsegler Wolfgang wurde zum lebenden Achter- und Niederholer, indem er den angetoppten Spibaum freihändig geführt hat, um dem Gennaker jedem Windhauch
nachzuführen. Leider hat auch dies nicht den erhofften Erfolg gebracht. Als eine der letzten Yachten der Gruppe sind wir praktisch Bordwand an Bordwand mit einer Class 40 und einer Swan 48, beide mit einem “GER” im Segel, nachts um 2:34 Uhr über die Ziellinie gekrochen.

Die Situation lässt sich naturgemäß nur schwer rekonstruieren, aber ich glaube, dass wir eine Stunde eher im Ziel hätten sein können, wenn wir nur ein paar hundert Meter weiter vorne gewesen, und den letzten Wind hätten mitnehmen können. Es ist natürlich müßig, das “hätte-wäre-wenn” Spiel zu spielen. Das Ergebnis ist, wie es ist. Unser Fastnet hat 4 Tage, 14 Stunden, 44 Minuten und 50 Sekunden gedauert, was nach jetzigem Stand für einen Platz etwas unterhalb der Mitte gereicht hat.

Wir sind im Anschluss an den Zieldurchgang nach Plymouth herein motort und haben dort für 10 Minuten fest gemacht, um den Tracker und die Erklärung abzugeben, dass wir uns an alle Regeln gehalten haben, abzugeben.

Dem am Hafen aufgebauten, und noch um 03:30 Uhr propppenvollem, Fastnet-Festzelt
haben wir keinen Besuch abgestattet. Auf alkoholisierte und ungewaschene Männer, die sich für Peter Blake II. halten (also Leute wie wir in besoffen, könnte man denken), hatten wir keine Lust.

Vielmehr haben wir uns umgehend auf den Heimweg gemacht. Und während wir in einer bleiernen Flaute über den Englischen Kanal Richtung Heimat motoren (müssen), werden so manch einem Skipper, der hinter uns lag, graue Haare wachsen, wenn er sieht, wie sein Boot von der Tide hin und her geschubst wird, ohne dass es vorwärts geht. So
ungerecht kann Segeln sein.

Fazit: sieht man von der entnervenden Anmeldeprozedur ab, hat das Rennen viel Spaß gemacht. Anders als bei der Einhand-Transatlentikregatta OSTAR, wo ich mangels sichtbarer Konkurrenz im Wesentlichen gegen mich selber gesegelt bin, war beim Fastnet praktisch immer ein unmittelbarer Vergleich gegen andere Segler und Boote möglich. Zu lernen gibt es dabei eine Menge (und wenn es die Grenzen des eigenen Könnens und Bootes sind…).

Ergebnisse der Zweihand-Klasse

avatar

Uwe Röttgering

... der, der das Blauwasser Segeln liebt, aber zu immer schnelleren Schiffen tendiert - ob das am Einfluss von SR liegt ? ;o) Mehr findest Du hier.
Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *