Seenot: Französischer Einhandsegler erleidet Schiffbruch vor Tasmanien

Gerettet!

Alain Delord, Schiffbruch, gerettet, Kreuzfahrtschiff "Orion", Rettungsinsel

Nach fast 72 Stunden auf der Rettungsinsel: Alain Delord wird auf die “Orion” gehievt © Kellee Cruse/Facebook

Der 63 jährige Einhandsegler Alain Delord verlor seine Archambault 35 ca. 500 sm vor Tasmanien nach Mastbruch in schwerer See – zu weit entfernt vom Festland für einen Hubschraubereinsatz.  Er trieb 3 Tage in einer Rettungsinsel und wurde heute um 10h australischer Zeit vom Kreuzfahrtschiff Orion gerettet.

Es sollte seine ganz persönliche Vendée Globe werden: Der erfahrene Berufssegler Alain Delord (17 Atlantiküberquerungen Solo, 3. bei der Minitransat 2001/Serie, Solitaire du Figaro-Teilnehmer, Sieger 2011 bei 110sm Concarneau auf Pogo 8,50) startete im Oktober 2012 zu einer Nonstop-Einhand-Weltumseglung auf der gleichen Route wie die „Kollegen der VG“.

Alain Delord (63) ist ein erfahrener Offshore-Segler © Delord

Alain war auf einer Archambault A35 unterwegs, die von französischen Einhandseglern wegen ihrer guten Seegängigkeit bei hohen Cruising-Geschwindigkeiten geschätzt wird, von der aber auch bereits unrühmliche Berichte in Sachen Verarbeitung etc. bekannt wurden.

Alain schaffte es auf seiner 11 m- „Tschouk Tschouk Nougat“ immerhin problemlos und nonstop bis in die Antarktische See, als er 500 sm vor Tasmanien in schwerem Wetter den Mast verlor.

Nach Auskunft des australischen Seenotrettungsdienstes kenterte die „Tschouk Tschouk Nougat“ nach dem Mastbruch mehrere Male durch und machte dabei Wasser, so dass Alain Delord zunächst mehrere Notrufe absetzte und dann in seine Rettungsinsel stieg. Ob das Schiff mittlerweile sank, ist nicht bekannt.

Alain Delord, Schiffbruch, gerettet, Kreuzfahrtschiff "Orion", Rettungsinsel

Alain Delord auf seiner “Tschouk Tschouk Nougat” © Delord

Die australische Küstenwacht empfing den Notruf, konnte aber keinen Hubschrauber zur Rettung senden, da die Havarie außerhalb dessen Aktionsradius lag. Ein Suchflugzeug ortete den Franzosen ca. 12 Stunden später und warf eine zweite, größere Rettungsinsel mit Proviant und Wasser ab, in die Alain Delord umstieg.

Der Besatzung des Flugzeuges gelang es, einen Funkkontakt mit dem Schiffbrüchigen herzustellen, allerdings konnte sich der Franzose nicht in Englisch verständlich machen (etwa über seinen Gesundheitszustand). Erst nach Zuschaltung eines Übersetzers wurde ein Austausch von Informationen möglich.

 Vom Kreuzfahrtschiff gerettet!

Alain Delord, Schiffbruch, gerettet, Kreuzfahrtschiff "Orion", Rettungsinsel

Hoher Seegang und starker Wind machten die Rettungsaktion nicht leicht © Kellee Cruse

Das Antarktis-Kreuzfahrtschiff „Orion“ war das einzige Schiff in erreichbarer Nähe zum Havarierten. Mit über 100 Passagieren und 30 Mann Besatzung an Bord machte sich der Liner nach Empfang des Notrufes und nach Rücksprache mit der australischen Küstenwache auf den 50 Stunden langen Weg zum Unglücksgebiet.

Die “Orion” hat eine seitliche Rettungsluke, über die auch Beiboote zu Wasser gelassen werden können. Nach noch nicht von der Küstenwacht bestätigten Berichten ortete die “Orion” die Rettungsinsel relativ schnell. Drei Seeleute, darunter ein  Rettungsschwimmer im Überlebensanzug, näherten sich in einem PS-starken Zodiac der Insel und übernahmen bei 5 m Seegang und 40kn Windstärke den Schiffbrüchigen offenbar ohne Probleme. Erst bei der Rückkehr an Bord des Kreuzfahrtschiffes gab es brenzlige Situationen im hohen Seegang. Sie verliefen aber glimpflich ohne Verletzungen.

Alain Delord, Schiffbruch, gerettet, Kreuzfahrtschiff "Orion", Rettungsinsel

makaber: auf der Homepage zeigt der Tracker den offenbar genauen Ort des Schiffsuntergangs © Delord

Der Gesundheitszustand von Alain Delord soll den Umständen entsprechend gut sein. Er orderte wohl bereits einen Rotwein zur Feier seiner Rettung!

Die „Orion“ ist jetzt auf dem Weg nach Hobart/Tasmanien.

 

 

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
https://yachtservice-sb.com

10 Kommentare zu „Seenot: Französischer Einhandsegler erleidet Schiffbruch vor Tasmanien“

  1. avatar axel sagt:

    Man kann eine A35 umbauen wie man will, es bleibt eine A35 und die ist in keinem Fall für den Southern Ocean gebaut…und geeignet. Kann sein, dass man Glück hat, so einen Stunt durchzuziehen, aber wohl eher nicht. Vollkommen schwachsinniges Unterfangen…es sind diese Aktionen, die den Ruf des Einhandsegelns als gefährlicher “Sport” bewirken, und schlussendlich den Gesetzgeber auf den Plan rufen werden.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 22

    • avatar Alex sagt:

      Nach der Biogrphie scheint Delord ja nicht gerade auf der Brotsuppe deher geschwommen zu sein.
      Anscheinend hast Du aber entscheident mehr Wissen über den Southern Ocean.

      Welches Boot würdest denn Du empfehlen?

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 22 Daumen runter 6

      • avatar Tha Sailor 22 sagt:

        axel würde sich bestimmt eine Bavaria kaufen. die sind ja bekanntlich besonders hochssetauglich!

        Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 7

  2. avatar Olperer sagt:

    Mehrfach durchgekentert klingt aber eher nach Kiel verloren als nach Mastbruch.

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 3

    • avatar Stumpf sagt:

      Ich hatte noch nie das Vergnügen ohne Mast im Souther Ocean zu sein, aber ich vermute, dass man ohne Mast keine Fahrt mehr macht und dementprechend das Schiff nicht mehr steuern kann. Wenn man dann bei viel Wind und schwerer See quer zu den brechenden Wellen treibt, könnte man durchkentern. Aber wie gesagt: Mir fehlt die Erfahrung.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 2

    • avatar ich weiß... sagt:

      wenn man bei hoher welle durchkentert, hat das nichts mit kiel verloren zu tun. die früheren Whitbread racer oder Imocas sind auch ab und zu durchgekentert, weil sie noch weniger ballast hatten oder eben zu quer und zu langsam zur welle segelten

      Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  3. avatar tuppesw sagt:

    ‘… allerdings konnte sich der Franzose nicht in Englisch verständlich machen (etwa über seinen Gesundheitszustand). Erst nach Zuschaltung eines Übersetzers wurde ein Austausch von Informationen möglich. ‘

    was soll man dazu noch sagen !?!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 3

    • avatar Alex sagt:

      Das ist das Problem der Franzosen.
      Sie meinen, ein Franzose lernt keine Fremdsprachen. Die Welt soll gefälligst Französisch lernen.

      Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 3

      • avatar SR-Fan sagt:

        Deshalb können Sie ja auch seit Ende der Kolonialzeit nur noch Non-Stop um die Welt segeln 😉

        VG

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 27 Daumen runter 2

  4. avatar Manfred sagt:

    Hast recht Stumpf,
    ich hab das auch noch nie gemacht…

    Ganz klares “like”

    Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *