Solidaire du Chocolat: Riechers mit “mare” in Führung, Renken kurz auf Podium

"Es könnte vorentscheidend sein..."

Jörg Riechers segelt mit der der neuen Mach 40 von Designer Sam Manuard zurzeit vorneweg. © mare

Jörg Riechers und sein französischer Partner Marc Lepesqueux haben in der Anfangsphase des Atlantik-Rennens Solidaire du Chocolat einen fluminanten Start hingelegt. Das neu formierte Duo hat auf die ärgsten Verfolger einen Vorsprung von gut 40 Meilen herausgesegelt.

Ein aggressiver Seitenwechsel von der Südposition gen Norden könnte sich ausgezahlt haben. Riechers meint in seinem Blog am Dienstag: “Heute ist es sehr leichtwindig. Das könnte schon vorentsscheidend sein. Vielleicht können wir einen Vorsprung von 30 Meilen auf die anderen heraussegeln. Es kann aber auch nach hinten losgehen. Mal schauen…”

"mare" hat mit einem Schlenker nach Norden die größte Flaute bisher umfahren. Aber zahlt sich die Position auch auf lange Sicht aus?

In der Nacht zuvor hatte er schon mit viel Wind zu kämpfen. “Ich konnte nur vier Stunden schlafen. Die letzte Nacht ließ mit 7 Windstärken nun mal schöne Träume nicht zu. Marc und ich sind lieber an Deck geblieben.

Bei einem Top-Speed von 19,6 Knoten die bessere Entscheidung. Zudem hätten wir fast ein Ruder verloren. Gott sei Dank haben wir den Schaden rechtzeitig bemerkt und konnten ihn beheben. Wir beide funktionieren als Team perfekt.”

Mit zwei Halsen hatten sich Riechers und Lepesqueux aus einer südlichen in ein nördliche Position investiert. Der Plan ist bisher aufgegangen. Konservativ ist ihre Strategie bisher nicht.

Während der Großteil der Flotte von einem hartnäckigen Hochdruckgebiet gefangen worden ist und “mare” bisher einen sehr einsamen und effektiven Umweg genommen hat, steht noch nicht fest, ob die Route für den Ausbau einer soliden Führung ausreicht.

Zuletzt waren die Boote der Favoriten-Teams im Süden schneller unterwegs. Deshalb ist auch Anna Maria Renken mit ihrem Partner Jean Edouard Criquioche auf Rang sieben zurückgefallen. Aber sie lagen zwischenzeitlich sensationellen auf dem dritten Platz.

Für die Underdogs zahlte sich der unkonventionelle Abstecher auf die nördliche Route aus. Renken jubelt in einer Mail von Bord: “Jungs! Bonjour! Wir sind auf dem Podium des Tages:-)) Position 3 freut uns sehr und noch vielmehr die Tatsache, dass sich unsere Strategie als richtig erwiesen hat.

Die Route nach Mexiko. Die Azoren und Saint Barth müssen an Steuerbord bleiben.

Unser Boot ist eines der drei alten Vintage-40’s in diesem Rennen und von der Downwindgeschwindigkeit nicht mit den neuen Rennern wie “mare” oder “Bureau Veritas” zu vergleichen. Es wäre für uns daher eher unerquicklich gewesen, sich dem Match-Race um das Cap Finisterre anzuschliessen.

Dennoch müssen wir uns sputen und einige Meilen gutmachen, bis sich die Konkurrenz wieder aus der Flaute rausgefahren ist. Denn es sieht danach aus, als würde die Mehrheit die Südroute wählen. Da müssen wir wohl bald wieder kreativ werden.

Flaute am Kap Finisterre. Die Mitfavoriten Stéphane Le Diraison und Adrien Hardy sind mit "Agir" auf der Südroute noch am besten durch die Schwachwindzone gekommen. Sie führen die Südgruppe an. © Bruno Bouvry / imagesdemer.com

Wir essen, schlafen und lachen viel – gut für den Kopf um klare Gedanken fassen zu koennen. Und bisher musste ich noch nicht vor Jean-Edouard in den Mast flüchte, wie mir viele vor dem Start des Rennens prophezeit haben;-).”

Derweil hat es schon einen ersten Ausfall gegeben. “Groupe Picocty” riss sich bei der Kollision mit Treibgut ein Ruder ab und musste nach Bayona abdrehen. Bei einem kurzen Pit-Stop wurde ein Ersatzblatt montiert und die Franzosen haben das Rennen aber 170 Meilen hinter “mare” wieder aufgenommen.

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4 Kommentare zu „Solidaire du Chocolat: Riechers mit “mare” in Führung, Renken kurz auf Podium“

  1. avatar sailor sagt:

    scheinbar hat auch AMR nicht verstanden, dass der kurzzeitige 3te Platz nur der kürzesten Distanz zum Ziel geschuldet war, keinesfalls aber eine Bestätigung für die schnellste (Wetter-)Routenwahl der nächsten Tage ist. Wie der 7te Platz heute schon zeigt…

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 24

    • avatar Matze sagt:

      Oder man lässt sie sich einfach mal freuen. Ich wäre auch froh kurzzeitig auf dem dritten Platz gelistet zu sein, sowas motiviert auch wenn man weiß, dass die anderen vielleicht schneller sind. Nicht immer gleich bashen 😉

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 18 Daumen runter 1

      • avatar Marc sagt:

        Zumal ihre Nordroute gar nicht so schlecht aussah, schließlich war sie für einige Stunden schnellstes Schiff im Feld weil im Süden alle in der Flaute fast eingeparkt hatten.

        Also nicht gleich schon rummöppern

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  2. avatar Wilfried sagt:

    seht es positiv. Ohne den Schlenker nach Westen hätten sie jetzt schon den Kontakt völlig verloren. Taktisch war das nicht schlecht. Allerdings auch nie eine Palzierung auf dem Podium.

    Es wäre aber auch ein Wunder wenn man mit altem Boot ohne Vorbereitung und unerfahrener Crew vorne mithalten könnte. Würde auch ein interessantes Licht auf die Konkurrenz die sich vorbereitet hat werfen.

    Ich finde es gut, dass sie trotzdem versuchen viele Erfahrungen zu sammeln um später weiterzukommen. Es ist auf jeden Fall besser mal 4500 Seemeilen hinterher zu segeln als nie gestartet zu sein. Wenn ihr Euch fragt wer das finanziert (und neidisch seid) fragt euch lieber warum ihr das nicht selbst macht.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 29 Daumen runter 0

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