Transat Jacques Vabre: Dick/Beyou mit “Virbac” wieder voraus; Stamm rettet seine Yacht

"Wir leben Seglers Traum"

"Virbac Paprec" surft voraus. Gewohntes Bild vom Barcelona World Race. © TJV

„Das haben wir uns aber auch verdient!“ ist das einhellige Credo  aller TJV-Teams, die sich derzeit besonders oft über Funk bei der Regattaleitung melden und Statements abgeben, die mehr nach Urlaubstörn denn knallharter Regatta klingen.

Da werden Playlisten mit iPod-Songs durchgeben, schon mal Cocktails für die Begrüßung in Costa Rica vorgeordert, auffallend viele Fotografien und Videos im tropischen Piratenlook gepostet; nur ganz nebenbei ist die Rede von 15-20kn-Rauschefahrten raumschots unter strahlender Sonne und sternenklarem Himmel. Ganz so, als hätten sie ein schlechtes Gewissen, nun doch auf der Sonnenseite der TJV angekommen zu sein.

Das neue Dreamteam Jean Pierre Dick (l.) und Figaro Sieger Jeremie Beyou liegt an der Spitze. © TJV

Und wirklich: Das haben sie sich verdient! Denn die ersten zwei Drittel dieser Regatta waren geprägt von fünf Tiefs, die wie an einer Perlenschnur aufgereiht durch das Feld fegten. Was durchaus wörtlich zu nehmen ist, denn 35kn-Wind und 8-10 m – Seegang bürsteten insgesamt 15 Boote aus dem Rennen, 4 (von 6!) Multihulls, 7 Class40 (darunter als letztes Opfer die “Gustbuster” mit Renken und Jesih und 4 IMOCA (Open 60), unter ihnen die Favoriten Stamm/Cuzon auf ihrer Cheminée Poujoulat, die von ihrem havarierten Renner (massiver Wassereinbruch) per Hubschrauber abgeborgen werden mussten.

Das Rennen der Boss(e)

Auch wenn selbst unter  idealen Segelbedingungen noch reichlich „shit happen“ kann, so macht sich vor allem unter den verbleibenden Multi 50 (Leader “actual” passierte St. Barthelemy mit 200 sm Vorsprung auf den einzigen Konkurrenten “Maitre Jacques”) und bei allen IMOCAs schon Ankunftsstimmung breit. Was nicht heißen soll, es werde nicht um jeden Knoten Speed heftig gekämpft.

Die beiden führenden IMOCAs rauschen im Laufe des frühen Dienstag Morgen in den Antillen-Bogen hinein. Sie dürften sich weiterhin ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen über die letzten Tausend Seemeilen bis nach Puerto Limon liefern. Seit mehr als einer Woche behauptet sich das Dreamteam mit Barcelona World Race Sieger Jean-Pierre Dick und dem überlegenen Figaro-Gewinner Jeremie Beyou auf ihrer “Virbac-Paprec” als „Boss“ des Open-60-Feldes.

Doch die Zweitplatzierte IMOCA segelt nur 50 sm hinter den Führenden, gerade einmal 3-4 Stunden Rennzeit. Das ibero-britische Duo Thompson-Altadill will in dieser Regatta endlich zeigen, dass Nomen durchaus Omen sein kann!

Gar keine Blei-Ente mehr. "Hugo Boss" segelt stark auf Platz zwei. © TJV

Nach dem überaus schwachen Auftritt der “Hugo Boss” beim Barcelona World Race zeigt das Team mit neuem altem Boot von Roland Jourdain über die gesamte Strecke hinweg bisher Performance vom Allerfeinsten, dem Chefsessel durchaus würdig! Konsequent nahmen die beiden die westlichste Route, konnten und wollten somit keinem Tief ausweichen, konterten alle Wetterhärten mit Klasse und Können. Ihr Abstand auf den Drittplatzierten beträgt derzeit komfortable 240 Seemeilen.

Um den Dritten Podiumsrang dürfte sich im Laufe der nächsten Tage ein besonders spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen abspielen: die IMOCAs “Macif”, “Bureau Vallée” und “Banque Populaire” liegen gerade mal etwas mehr als 20 Seemeilen auseinander. Auf “Macif” gibt Jochen Schümanns TP52 Taktiker und Match Race As Sébastien Col einen hervorragenden Hochsee-Einstand.

Egal, um welchen Platz gekämpft wird – ab sofort dürfte nur noch der Bootspeed entscheidend sein. Vorbei die Zeiten, da mit extremen Schlägen vermeintlich taktiert werden konnte, jetzt tauchen die Schiffe bald in den Trichter der Karibik ein. Nach Passieren des Antillen-Bogens kann es nur noch strikt geradeaus Richtung Ziellinie gehen.

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Michael Kunst

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9 Kommentare zu „Transat Jacques Vabre: Dick/Beyou mit “Virbac” wieder voraus; Stamm rettet seine Yacht“

  1. avatar Christoph sagt:

    Danke Jungs,

    ein klasse Artikel, ihr macht eurem guten Ruf, den ihr euch mittlerweile bei mir erarbeitet habt alle Ehre.

    Da macht das Lesen wirklich Spaß.

    tschüss

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 1

    • avatar Wilfried sagt:

      kann der Boss die Boss besser puschen oder ist das Boot umgebaut worden? Weiß jemand was?

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      • avatar felix sagt:

        Die aktuelle BOSS Yacht beim TJV und die BOSS Yacht beim BWR sind unterschiedliche Schiffe!!!
        Die aktuelle ist ein Farr Design (Ex BT & Ex Veolia/ 1. Route du Rhum 2010) und die BWR Yacht ist ein Juan K. Design….welches aber nach einem Refit leider nicht mehr so richtig funktioniert hat.

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        • avatar Carsten sagt:

          oh stimmt, das ist nicht die “Hugo Boss” vom Barcelona World Race. habe ich übersehen. dank für den hinweis!
          habe jetzt gelesen, dass die Juan K. “Hugo Boss” seit dem Fastnet Race einem erneuten Refit unterzogen wird. Zur Vendee soll dann dieses Schiff wieder eingesetzt werden, wenn es denn funktioniert. …edit

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  2. avatar Christian sagt:

    für meinen Geschmack ist hier ei wenig als zu vollmundig vom “überaus schwachen Auftritt der Hugo Boss beim Barcelona World Race” die Rede. Es sollte zumindest erwähnt werden, dass Skipper Alex Thomson wegen einer Blinddarm-OP sehr kurzfristig ausfiel und das gesamte Rennen von total überraschten Ersatzskipper Wouter Verbraak bestritten wurde. Dass der a) im Ziel ankam und b) mit dem 7. Platz nicht letzter war, finde ich eine bewundernswerte Leistung und alles andere als schwach.

    Dass das Design-Konzept des Bootes (2 to. schwerer als die anderen Open 60) beim BWR möglicherweise nicht aufgegangen ist, steht auf einem anderen Blatt.

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  3. avatar Christian sagt:

    Korrektur: Es muss natürlich heißen “Für meinen Geschmack ist hier ein wenig zu vollmundig…”
    sorry

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  4. avatar Bogus sagt:

    Moin,

    Alex Thomson hat das alte Boot von Roland Jourdain gekauft (ehemals BT, ehemals Estrella Damm) und ist nun mit 2,1 t weniger unterwegs. Siehe zum Beispiel :

    http://www.vendeeglobe.org/en/newswire/skippers/

    Alex Thomson (Hugo Boss) has acquired the former BT aboard which Sébastien Josse competed in the last Vendée Globe. It was also on this boat under the name of Veolia Environnement, that Roland Jourdain won the last Route du Rhum.

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  5. avatar NK sagt:

    Soweit ich weiß ist die jetzige Hugo Boss ein anderes Boot als das vom BWR. Mich hätte allerdings interessiert, wie Alex mit dem alten Boot gefahren wäre (auf welchem Rang er gelandet wäre). Das Konzept des alten Bootes war jedenfalls mutig und ist meiner Ansicht nach nie richtig von Alex in einem Rennen ausgefahren worden.

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  6. avatar Lars sagt:

    Was ist eigentlich mit Michel Desjoyeaux segelt der nur noch auf seiner MOD70 und lässt seine schöne neue Open60 seit dem BWR in der Box. Hat der es nicht nötig sein Boot zu testen und zu segeln? Auch auf der vendeeglobe Seite steht er nicht als starter. Hab ich irgendwas nicht mitbekommen? Hab ich was verpasst?

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