Vendée Globe: Francois Gabart und Armel le Cleac’h sprechen über die Big Points

Schlüsselmomente


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Francois Gabart und Armel le Cleac’h äußern sich über die entscheidenden Momente dieser Vendée Globe. Sie bemühten sich, während des Rennens nicht über Probleme zu sprechen.

Francois Gabart kann es nicht fassen, dass er die Vendée Globe gewonnen hat.

Francois Gabart kann es nicht fassen, dass er die Vendée Globe gewonnen hat. © VINCENT CURUTCHET / DPPI

Kurz nacheinander stellten sich die beiden Vendée Globe Finisher den Pressevertretern. Dabei machte Francois Gabart klar, dass er nicht unbedingt als Necomer an einen Sieg glauben durfte. Aber nachdem er le Cleac’h im Indischen Ozean überholt habe, Jean-Pierre achteraus lag und Vincent Riou ausgeschieden war, begann er an den möglichen Sieg zu glauben.

Nun sei er von sich selbst überrascht. Denn es habe unterwegs durchaus ernsthafte Probleme gegeben. So sei schon fünf Tage nach dem Start die Maschine ausgefallen, mit der per Treibstoff die Stromversorgung aufrecht gehalten wird. Seewasser war in das System eingedrungen, und die Pumpe habe nicht mehr gearbeitet.

Er musste sich in dieser Zeit auf die Hydrogeneratoren verlassen, die aber auf Dauer nicht ausgereicht hätten. Schließlich gelang die Reparatur. “Ich fühlte mich stärker danach, weil ich wusste, dass ich mir so etwas umgehen kann. Jede Reparatur macht einen selbstbewusster.”

Entscheidung bei Falkland

Der Schlüsselmoment bei der Vendée Globe?

Der Schlüsselmoment bei der Vendée Globe? Armel le Cleac’h (blau) dreht im Osten der Falkland Inseln früher nach Norden ab als Gabart. Der Querabstand wird später entscheidend.

Der Schlüsselmoment sei für ihn die Strategie im Süd-Atlantik nach der Kap Horn Rundung gewesen. Im Gegensatz zu vorher seien er und sein Konkurrent offenbar unterschiedlicher Meinung über die Taktik gewesen und plötzlich hätten 100 bis 200 Meilen zwischen ihm und le Cleac’h gelegen.

Gabart wählte einen Kurs, der ihn fast 600 Meilen östlich von den Falkland Inseln passieren ließ. Der Konkurrent bog dagegen schon im Abstand von 300 Meilen gen Norden ab. Im Verlauf der Atlantik-Kreuz hielt Gabart die Position im Osten und setzte sich schließlich entscheidend ab, als er nach dem St. Helena Hoch den nach rechts gedrehten Westwind zuerst erreichte.

Aus der Sicht von Konkurrent le Cleac’h gelingt Gabart der Bigpoint aber schon früher. “Ich habe in den vergangenen Tagen viel darüber nachgedacht, wo die Entscheidung fiel. Und ich denke es war in der Le Maire Strait zwischen Feuerland und der Staaten-Insel.”

Armel le Cleac’h nach der Le Maire Straße bei Kap Horn

Kurz nach der Le Maire Straße bei Kap Horn weist die Kurslinie von Armel le Cleac’h Zacken auf. Instabile Winde nach einem Schaden setzen ihn unter Druck.

Bei 25 Knoten Wind brach im Dunkeln eine Gennaker-Befestigung und der Skipper benötigte mehr als zwei Stunden, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Am 2.1. passierte le Cleac’h die Meerenge noch 12 Meilen hinter seinem Konkurrenten, sechs Stunden später lag er aber schon 33 Meilen achteraus.

Vom Hoch gefangen

Er wurde von einem kleinen Hoch gefangen, an dem Gabart vorbeizog. “In fünf Stunden musste ich viel wenden und halsen als der Wind sich änderte und schließlich ausblieb. Ich glaube, das war der Unterschied.” Ein Tag später betrug der Rückstand 40 Meilen und le Cleac’h traf die vielleicht verhängnisvolle Entscheidung, früher nach Norden abzudrehen.

Gabart machte klar, dass nicht alle Probleme, die die Segler an Bord erleben, so an die Öffentlichkeit kommen, wie Alex Thomson es kommuniziert hat. “Ich habe über dieses Motor-Problem nicht öffentlich gesprochen, weil es von der Konkurrenz als Schwäche bewertet werden könnte.” Er habe es dann auch weiter so gehalten. “Als das Duell mit Armel begann, wurde ich zum heftigen Wettkämpfer. Und dann wollte ich ihm keine Hinweise und Informationen geben.”

Le Cleac’h sagt über Gabart, es habe ihn nicht überrascht, dass er so gut gesegelt sei. “Er hat tolle Leute um sich und ist sehr talentiert. Ich habe viel mit ihm trainiert und weiß, wie akribisch er ist. Es war klar, dass es ein hartes Rennen mit ihm werden würde und der Mangel an Erfahrung kein Problem sein sollte. Als ich vor ihm lag dachte ich aber, dass er irgendwann nachlassen würde, aber das ist nicht passiert. Es war ein großartiger Kampf.”

Probleme mit verklemmtem Fall

In den Doldrums habe er noch auf ein Comeback gehofft und schließlich auch bei dem St. Helena Hoch, “aber François war wirklich schnell und hat keinen Fehler gemacht. Bei den Kapverden wusste ich, dass es zu schwierig werden würde, ihn noch zu überholen.”

Auch er habe kleine Schwächen nicht preis gegeben. “Wir sagen schon einmal, dass alles gut ist, auch wenn das nicht immer stimmt.” Im Pazifik habe er  zweimal in den Mast gemusst, um ein verklemmtes Fall zu lösen. “Und auch nach den Doldrums hing die Genua fest, was mich etwas gekostet hat. Aber ich habe keine Segel verloren. Alle sind in einem guten Zustand.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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Ein Kommentar „Vendée Globe: Francois Gabart und Armel le Cleac’h sprechen über die Big Points“

  1. avatar christoph h. lauterbach sagt:

    ich hab die ganze zeit für lecleach die däumchen gedrückt – die boote sind gleich mit einem winzigen unterschied… und ellen mcarthur wurde mit 24 jahren hinter dem”professor” auch zweiter, und jetzt zeigt ein rookie allen wo s lang geht! ich fand es bis zum schluss spannend, das sind für mich die helden der heutigen
    welt -männer die jeden tag bereit sind alles zu geben:am fall,an der pinne,am navitisch, im mast, mit abgefallenem kiel evtl noch 1000sm nach le sable dólonne bei 35knwind reachen und ihr schiff damit heil nach hause bringen…. ich drück jpdick ganz doll die daumen und allen, die noch auf der piste sind!
    jan kielschwein

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

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