Video-Fundstück: Französische Yacht kollidiert mit Wal

„Merde, ich hab’ den Wal gerammt!“

Während der „Transquadra“ 2011/12 rast der Amateur-Regattasegler J.B. l’Ollivier in einen offenbar schlafenden Wal – und filmt sich dabei!

Auch wenn das Vid schon über ein Jahr alt ist, hat es doch nichts an Aktualität für alle Hochseesegler verloren. Im Gegenteil: Hier wird deutlich, wie schnell “Murphys Law” wirken kann und sich zwei Punkte in der scheinbar unendliche Weite des Ozeans mit einer gewissen Sicherheit treffen können und werden.

Wenige Tage vor seiner Ankunft in Martinique, filmt sich „Titou“ L’Ollivier bei einem ziemlich wilden Ritt auf seiner Archambault 31 (der Bootsname ist kein Witz: “Der Weiße Wal”!) während der Amateur-Transat-Regatta “Transquadra”, bei der nur Ü40-Segler einhand oder im Duo über den Atlantik segeln.

Gegenlicht, gleißende See, viele Reflektionen auf dem Wasser. Das Schiff läuft mit reichlich Druck, ein Reff im Groß, kleiner Spi, bei ca. 6-7 Bf. angeblich 15kn schnell platt vor dem Wind. Offenbar aufgrund dieser an sich schon ziemlich heiklen Situation filmt sich der Skipper und redet mit sich selbst.

„Da ist ein Wal“, ruft er plötzlich, „Merde, ein Wal, direkt neben meinem Schiff!“ Keine 10 Sekunden später rammt er das Tier, wird ziemlich heftig herum geschleudert und landet schmerzhaft „auf seinem A…“ wie er noch ein paar Mal in die Kamera ruft.

Der Wal blutet sofort – zumindest sieht das der Skipper, nachdem er sich wieder aufrappelt –  man kann aber nicht mehr erkennen, ob sich der Meeressäuger bewegt. Nach weiteren 10 Sekunden ist der Spuk vorbei.

Bemerkenswert: am Kielwasser ist zu erkennen, dass die A31 trotz der heftigen Kollision kaum vom Kurs abweicht.

Im YouTube-Blog wird der Segler als „Schwein“ und schlimmer beschimpft, er hätte einfach ausweichen sollen.

Nur: Bei diesem Speed platt vor dem Laken ist das eigentlich unmöglich, ohne einen Sonnenschuss oder eine Patenthalse und somit Havarie zu riskieren. Der Segler fuhr wohl instinktiv seinen Kurs weiter.

Dass er dabei immer wieder über seinen schmerzenden „A…“ jammert, nachdem er dem Wal vielleicht tödliche Verletzungen zugefügt hat, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Bleibt noch die Frage, wie viele wohl Ähnliches erlebt haben, danach aber nicht mehr über diesen Vorgang berichten geschweige denn denselben filmen konnten, weil sie für immer auf See blieben.

Tipp von SR-Leser-Leser Tobias Breithaupt

 

 

 

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Michael Kunst

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8 Kommentare zu „Video-Fundstück: Französische Yacht kollidiert mit Wal“

  1. avatar MH sagt:

    also nach 6-7 Windstärken sieht das nicht aus und auch nicht nach 15 kn Boatspeed. Außerdem ist der Wal rechtzeitig durch seine Rückenflosse zu sehen. Man hätte schon Ausweichen können und das Tier eventuell verschonen können!!!!!!! Schade um den Meeressäuger..

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 4

    • avatar Klaus sagt:

      “Außerdem ist der Wal rechtzeitig durch seine Rückenflosse zu sehen.” Wenn der Herr nicht so mit sich selbst beschäftigt gewesen wäre, dann ja.
      Zumindest hat der Wal nach der Ramming noch einen Blas gemacht, und ich hoffe, nicht nur diesen.
      Wer soetwas auch noch ins Internet stellt, sollte sich über die beschriebenen Kommentare bitte nicht beklagen.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 4

    • avatar Wilfried sagt:

      ist auch nicht platt vor dem Laken und auch nicht kurz vor dem abschmieren. Hätte problemlos abfallen können. Aber wenn der Autopilot drinnen und die Kamera draussen sind kann man eben nicht so schnell reagieren. Und wenn er nicht gerade gefilmt hätte hätte er vermutlich auch nicht nach vorne geguckt und somit den Wal auch gerammt.

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  2. avatar Alex sagt:

    Also ich hab sicher sau gute Reflexe. Aber vom Auftauchen der Rückenflosse bis quer ab vergeht ungefähr ne 1/2 sec. Der Kerl fährt sicher unter AP und hat ne Kammera in der Hand und die Kiste hat sicher über 10 kn auf der Uhr (ich segle auf Booten die auch für 20 kn gut sind) Ich hätte da sicher nicht die Kurve bekommen.

    Wird wirklich Zeit für den Saisonstart!

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  3. avatar SR-Fan sagt:

    Wollen wir mal realistisch bleiben – auch als notorische “Gutmenschen”!

    Da segelt man Stunden oder Tage mit AP, vor lauter Langeweile wird sogar schon gefilmt und jetzt wird von den Bessermenschen zu Hause erwartet, dass man innerhalb von Sekunden reagiert und “richtig” ausweicht?

    Völlig illusorisch!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

  4. avatar Hans sagt:

    So lösen das Profis: http://www.youtube.com/watch?v=Ci0E4QvZDck

    Aber im Ernst. Ich mache ihm keinen Vorwurf. Ging zu schnell.

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  5. avatar Laguna647 sagt:

    Wir sind auf einem Segelboot Nähe Madeira auf dem Atlantik seitlich an einem Wal vorbeigesegelt. Vermutlich hat er ebenfalls geschlafen, denn er trieb auf einer Seite liegend im Wasser in einer Entfernung von nur 5-10 m an uns vorbei, öffnet kurz ein Auge und tauchte dann ab.. Es ist nichts passiert, aber wir konnten ihn vorher auch nicht sehen, obwohl wir nur mit vielleicht 5-7 kn gesegelt sind. Sowas macht niemand absichtlich, einen Wal zu rammen. Die See ist bewegt und in den Wellen sieht man den Wal nicht, denn er ist farblich fast wie das Wasser, grau. Unser Wal war übrigens ein Grindwal.

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