Volvo Ocean Race: Puma nach Inport-Race in Sieg-Distanz. Tropensturm Alberto droht

Wieder spannend


Start der siebten Etappe in Miami
 

Abu Dhabi gewinnt das Miami Inport-Race, Telefonica Letzter

Das Volvo Ocean Race 2011-2012 wird immer spannender. Nur noch 14 Punkte trennen die viertplatzierte „Puma“ mit dem Kieler Michael Müller unter US-Skipper Ken Read vom spanischen Spitzenreiter „Telefoníca“ des Olympiasiegers Iker Martínez. Das sind keine drei Plätze im Ziel der siebten Etappe, die am Sonntagabend (20. Mai) in Miami/USA gestartet wurde.

Start zur siebten Volvo Ocean Race Etappe von Miami nach Lissabon. Das Feld liegt auch in der Gesamtwertung so eng zusammen. © PAUL TODD/Volvo Ocean Race

Sie führt über 3.590 Seemeilen (mehr als 6.600 Kilometer) auf dem Nordatlantik in die portugiesische Hauptstadt Lissabon, die in elf Tagen erreicht werden soll. Den engen Kampf um den Gesamtsieg wollen und können auch Franck Cammas’ „Groupama“ aus Frankreich nur sieben und die Camper von Chris Nicholson/Neuseeland 13 Zähler hinter Platz eins noch gewinnen. Nach der ersten Nacht auf See lag das Feld noch eng beisammen, die Top vier mit den Franzosen in Führung innerhalb von 4,5 Seemeilen.

Der Start der letzten langen Hochseeetappe der Weltregatta am Promi-Strand von Miami South Beach entlang verlief zäh. Eine schwache, stark drehende Brise machte den Auftakt des siebten und damit drittletzten Teilstücks um den Globus zur Flautenschieberei. Meist führte Ian Walker mit der „Abu Dhabi“, die als Erste ein Band von Seetang durchteilte und sich den Golfstrom zunutze machte.

Aber das waren nur Momentaufnahmen. Mehr als zwei Stunden trieben die Yachten über den Kurs, der zum Einstieg in die Transatlantikroute ausgelegt war. Die dürfte es jedoch in sich haben. „Alberto“ heißt der erste Tropensturm dieser Hurrikansaison und könnte das Feld am Dienstag treffen. Wer das Tiefdruckgebiet auf der günstigen Seite erwischt, wird von ihm nach Nordosten katapultiert. Auf der anderen, wo der Wind gegen den Golfstrom steht, drohen extrem steile Wellen mit Gefahr von Materialbruch.

„Alberto ist der vorentscheidende D-Zug nach Europa“, meint Navigator Tom Addis, Schlüsselfigur der beiden vorangegangenen Etappensiege seines Teams Puma Ocean Racing. Jeweils volle Punktzahl in Brasilien und Florida lassen es wieder vom Thron träumen.

„Der Rückstand auf die drei Führenden ist so gering geworden, dass wir es aus eigener Kraft schaffen können. Das stärkt unser Selbstvertrauen zusätzlich“, sagte „Michi“ Müller vor der Abreise. Sein Job auf dem Vorschiff könnte noch einmal zum Vollwaschgang werden, wenn die prophezeiten Bedingungen eintreten. „Alberto“ enthält am Kern derzeit Windstärke neun. „Diesem Sturm ist mit höchstem Respekt zu begegnen“, warnt Regattameteorologe Gonzalo Infante.

Erinnerung an Hans Horrevoets

Zwei Tage vor dem Start wurden noch einmal die traurigen Erinnerungen an die Transatlantiketappe des Volvo Ocean Race 2005-06 wach. Am 18. Mai vor sechs Jahren war der Niederländer Hans Horrevoets von Bord der „ABN AMRO TWO“ gespült worden, als sich das Schiff mit dem Bug in eine Welle bohrte.

Der Crew gelang es damals zwar in fünf Meter hoher See, ihn nach 40 Minuten wieder zu finden und zu bergen. Doch eine Reanimation schlug fehl. Der damals 32-Jährige war seit der Regattapremiere als Whitbread Race 1973 der fünfte Teilnehmer, der sein Leben auf See ließ, aber der erste und einzige auf den modernen Yachten der jetzigen Bauart.

Tags darauf hatte der Alltag die Hochseesegler wieder. Beim Hafenrennen, das mit einfacher Punktwertung ins Gesamtklassement einfließt, war es auf dem Dreieckskurs drunter und drüber gegangen. Beinahe jedes Boot hatte mindestens einmal in Führung gelegen, auch die Top-Favoritin „Telefoníca“, sogar an der ersten so wichtigen Bahnmarke.

Doch für den vielleicht besten aller Teilnehmer in kurzen Rennen, den 49er-Golmedaillengewinner von 2004, Iker Martínez, kam es am dicksten. Als sich die 21,50 Meter langen Volvo 70-Yachten kaum noch im Schritttempo bewegten, aber deren Crews wie immer um jeden Meter kämpften, berührten die Spanier „auf der Flucht“ vor einer Vorfahrtverletzung eine Wendetonne, was mit einer Drehung um 360 Grad bestraft wird. Das kostspielige Manöver bei Flaute, ließ die „Telefoníca“ abgeschlagen auf den letzten Platz noch hinter dem sonst chancenlosen chinesischen Team Sanya von Mike Sanderson durchreichen.

Vorne ließ der bisher arg geschundene Ian Walker seine Klasse aufblitzen und steuerte die „Abu Dhabi“ vor der „Groupama“ zum bereits dritten Inport-Sieg. Mehr als Kosmetik war es für die Gesamtfünfte 91 Punkte hinter der Spitze jedoch nicht.

Nervenaufreibend war der Kampf um „Bronze“. Auf den letzten Metern überholte die „Puma“ noch „Camper“, die vor dem Ziel noch einmal wenden musste und dabei in dem leichten Wind zu viel Geschwindigkeit verlor. „Das war nochmals gut für die Moral“, meinte Ken Read, der zuletzt konstant Podiumsplätze einfuhr. “Wichtiger wird aber der Zieleinlauf in Portugal.“

Danach gibt es nur noch zwei Etappen nach Lorient/Frankreich und von dort nach Galway/Irland sowie in allen drei Stopps ein Hafenrennen, ehe der Gesamtsieger spätestens am 7. Juli feststeht.

Ergebnis des PORT MIAMI In-Port Race:

1. Abu Dhabi (Ian Walker/Abu Dhabi) 1 Std., 14 Min, 14 Sek.      6 Punkte

2. Groupama (Franck Cammas/Frankreich) 21 Sek. zurück        5

3. Puma (Ken Read/USA) 1Min, 55 Sek. zurück                            4

4. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland) 2 Min, 3 Sek. zurück 3

5. Sanya (Mike Sanderson/China) 2 Min, 49 Sek. zurück             2

6. Telefoníca (Iker Martínez/Spanien) 6 Min. 21 Sek. zurück        1

 

Zwischenstand vor der siebten von neun Etappen
1. Telefoníca            (Iker Martínez/Spanien)                 165 Punkte

2. Groupama (Franck Cammas/Frankreich)     158

3. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland)        152

4. Puma (Ken Read/USA)                                    151

5. Abu Dhabi (Ian Walker)                                      74

6. Sanya (Mike Sanderson/China)                       27

 

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