Weltumseglung nonstop: Die deutschen Versuche – nur Erdmann war erfolgreich

Nonstop, oft gestoppt

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Allein und nonstop über die Weltmeere – Traum vieler Segler © sunrise sailing

 

Nach dem Abbruch der Nonstop-Abenteuers von Wolfgang Schulze fragt sich Weltumsegler Uwe Röttgering, warum diese Leistung in Deutschland bisher nur Wilfried Erdmann geschafft hat.

Mythos, Gral der Segler, letztes großes Abenteuer der Menschheit – es gibt Unmengen pathetischer und emotionsgeladener Bezeichnungen für das, was noch vor einem halben Jahrhundert als unmöglich bezeichnet wurde: Alleine auf einem Segelboot um die Welt zu segeln, ohne dabei einen Stopp einzulegen.

Doch was dem später geadelten Briten Robin Knox–Johnston 1968/69 als Erstem gelang, sollte bald zu einer Art Ritterschlag in der Hochseesegel-Szene avancieren.  Wie viele diesen imaginäre Ehrung bis heute empfangen haben, ist nicht genau zu sagen. Keine Institution führt über diese Segelabenteuer Buch. Etwa 115 Nonstop-Weltumseglungen dürften es bislang gewesen sein. Und weil es eine Reihe von Wiederholungstätern gibt, liegt die Zahl der Segler, die solche Fahrten gemacht haben, derzeit unter 100.

Im Nationenranking sind zahlenmäßig die Franzosen weit vorne, gefolgt von den Briten. Und die Deutschen?  Wilfried Erdmann, der das Kunststück einer Nonstop-Solo-Umrundung gleich zwei Mal schaffte – mit und gegen die vorherrschenden Windrichtungen – ist bislang der einzige Deutsche in diesem Nebenraum der Hall of Fame des Segelsports.  Selbst Länder wie Polen, die Niederlande und Japan haben mehr Nonstopper vorzuweisen, als Deutschland.

So haben (mindestens) vier Japaner diese Reise bereits erfolgreich beendet:

1973/74 Kenichi Horie • 1991/92 Kyoko Imakiire • 1993/94 Kojiro Shiraishi • 2004/05        Kenichi Horie • 2004/05 Minoru Saito •

Es wäre müßig, über die sportkulturellen Ursachen dieser erstaunlichen Anzahl von japanischen Nonstop-Weltumseglern – darunter eine Frau – zu spekulieren. Ausgeprägtes Verhältnis zum Heldentum? Asketischer Hang zur Selbstüberwindung? Traditionelle Nähe zu tollkühnen Aktivitäten?

Nur einer schaffte es – und der gleich zwei Mal

Nun kann es einem herzlich egal sein, ob es mehr oder weniger deutsche Nonstopweltumsegler gibt. So wie es manchem auch gleich ist, wer die Fußball-WM gewinnt. Aber Sport wäre nur halb so spannend, wenn man ihn auf Zuschauerseite nicht auch mit einem Schuss Lokalpatriotismus konsumieren würde. In diesem Licht lohnt sich ein Blick auf  Langfahrten und Nonstopversuche, die es bislang unter deutscher Beteiligung gegeben hat:

1974/75:          Jörgen  Meyer segelt einhand und nonstop von Cuxhaven bis in den Pazifik, von wo sich der 66jährige im Februar 1975 zum letzten Mal über Funk meldet. Seitdem gilt er als verschollen.

1979/80:      Horst Timmreck segelt einhand nonstop von Kapstadt nach Kapstadt über rund 18.000sm. Wegen fehlender Äquatorüberquerung keine offiziell anerkannte Weltumsegelung.

1984/85:       Wilfried Erdmann segelt einhand und nonstop in 271 Tagen mit einer 34 Fuß Aluyacht um die Welt. Start und Ziel ist Kiel.

1990/91:       Rollo Gebhard und Angelika Zilcher segeln in sechs Monaten nonstop von Cairns/Australien nach Emden. Mit gut 16.000 sm die längste Nonstopreise einer deutschen Crew. Die Fahrt war nicht als Nonstop-Weltumsegelung geplant.

1991:             Reimer Böttger und Crew müssen den Versuch, die Welt im Winter nonstop zu umsegeln, wegen Riggschäden im Südatlantik aufgeben.

1999:           Gerd Engel scheitert mit Riggproblemen im Atlantik mit seinem Katamaran.

2000/01:       Wilfried Erdmann segelt in 343 Tagen einhand und nonstop gegen die vorherrschenden Winde um die Welt. Längste Zeit einhand auf See und die längste nonstop gesegelte Strecke eines Deutschen. Weltweit kleinste Yacht auf dieser Route. Start und Ziel ist Cuxhaven.

2001:          Der Berliner Jörg Lehmann gibt seine Einhand-Nonstop-Weltumsegelung im Nordatlantik wegen eines Defekts am Kocher auf. Später strandet die Yacht mit einem Ruderschaden auf den Kapverdischen Inseln.

2005/06:        Wolfgang von Pappritz bricht in beiden Jahren von Cuxhaven zu einer Einhand-Nonstop Weltumsegelung auf, kommt aber wegen verschiedener technischer Probleme und eines abgebrochenen Backenzahns nur bis vor Texel bzw. Borkum.

Heldenhafte Pose, weniger heldenhaftes Verhalten: Bernt Lüchtenborg in PR-Position © Lüchtenborg

Heldenhafte Pose, weniger heldenhaftes Verhalten: Bernt Lüchtenborg in PR-Position © Lüchtenborg

2009/10:       Bernt Lüchtenborg scheitert schon Stunden nach dem Start zu einer Einhand-Nonstopreise, als er heimlich Crew an Bord nimmt. Den Abschnitt Neuseeland – Gran Canaria segelt er (wahrscheinlich) einhand und nonstop. Bei dem Versuch die Welt nonstop von Ost nach West einhand im Winter zu umrunden, sinkt seine Yacht unter mysteriösen Umständen 2010 vor Feuerland. Lüchtenborg kann sich an Land retten und wird dort abgeborgen.

2011:             Boris Herrmann segelt als Co-Skipper einer Zweimanncrew nonstop von Barcelona nach Barcelona. Mit rund 25.000sm längster Nonstop-Zwei-Mann-Törn eines Deutschen Seglers. 100 Tage und 3 Stunden.

2013:           Wolfgang Schulze startet am 20.09. auf seinem 15 Meter Eigenbau-Katamaran aus Aluminium von Helgoland und gibt nach 10 der geplanten 220 Tage in der Biskaya aus technischen Gründen auf.

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Uwe Röttgering

... der, der das Blauwasser Segeln liebt, aber zu immer schnelleren Schiffen tendiert - ob das am Einfluss von SR liegt ? ;o) Mehr findest Du hier.
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10 Kommentare zu „Weltumseglung nonstop: Die deutschen Versuche – nur Erdmann war erfolgreich“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Vermutlich sind wir Deutschen dafür einfach zu nüchtern. Ob nonstop in x Tagen um die Welt oder nonstop x Tage lang über die Weltmeere schippern, da ist kein großer Unterschied zwischen zu sehen, außer dass das “nonstop” in meinen Augen etwas gagga ist. Wenn das Ziel eine möglichst schnelle Umrundung ist, dann entsteht ein Sinn eines Weltrekords, aber einfach so wie Erdmann, quasi für sich, nonstop um die Kugel… Jeder halt nach seiner Facon, aber gagga ist das schon.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 10 Daumen runter 21

    • avatar Olli sagt:

      Meinst Du mit nüchtern vielleicht langweilig? Und wie schlimm ist gagga? Zu elft hinter einem Ball her rennen und diesen mit Füßen zu treten ist auch gagga.
      Den Urlaub auf einem Fahrtenboot verbringen ist gagga, schließlich wäre ein Ferienhaus oder gar Wohnmobil bequemer und so ein Americas Cup ist so richtig gagga. Genügend ignorant zu sein, den Reiz an der Herausforderung, es nonstop zu schaffen nicht zu erkennen ist aber auch gagga.
      Was nicht so alles gagga ist…

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  2. avatar DS sagt:

    Uwe, schreib doch mal wieder öfter!!

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  3. avatar T.K. sagt:

    Na – wenn ich die Leistung einem zutraue, dann eben dem Uwe!
    Mach et Uwe!
    Wir wären alle online dabei!

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    • avatar T.K. sagt:

      Obwohl… Einhand wäre es ja dann gar nicht! Grabuffke führe mit!

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  4. avatar Digger sagt:

    Ist nicht so schlimm. Ich schaffe nicht mal nonstop Rund Birkholm.

    Schöner Artikel.

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  5. avatar ralf sagt:

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Uwe Röttgering selber mit einer Nonstop-Umrundung liebäugelt … er hat immerhin die nötige Erfahrung, ein geeignetes Boot und hat sich ausserdem ja anscheinend schon ausgiebig mit der Sache beschäftigt …

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  6. avatar Olli sagt:

    Klingt plausibel zumal aus den bisherigen Versuchen hervorgeht, daß die meisten ohne längere Einhanderfahrung gestartet sind und dann auch schnell gescheitert. Das wäre bei Uwe erwiesenermaßen nicht der Fall. Ganz im Gegenteil: immerhin die Hälfte der zu veranschlagenden Zeit hat er schon nonstop auf See verbracht – zumindest wenn er sich des Class40 bedient, um mal schnell rundrum zu fahren.

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  7. avatar BEIJAMAR sagt:

    gebt mir doch endlich mal ein genügend großes Boot mit entsprechender SatKom, dann mach ich Euch den Erdmann…;-)
    Jetzt erstmal Minitransat Gruß an alle.

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  8. avatar Enzo sagt:

    Uwe is back! Super!!!

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