Olympia: Ben Ainslie beendet Olympia-Karriere

Und Tschüß

Ben Ainslie sagt dem Olympischen Segeln Servus. © onEdition

Ben Ainslie sagt dem Olympischen Segeln Servus. © onEdition

Der größte Segel-Olympionike aller Zeiten Ben Ainslie, will nicht mehr auf Medaillenjad gehen. Nach vier olympischen Goldmedaillen und einer silbernen ist nun Schluss. Alles andere wäre allerdings auch eine Überraschung gewesen.

Im Finn Dinghy die absolute Überlegenheit vergangener Tage längst geschwunden. Die jüngsten Erfolge standen auf Messers Schneide. Bei der WM in Perth 2011 stand der 35-Jährige so sehr unter Druck, dass ihm die Sicherungen durchbrannten und er ein Medienteam attackierte.

Ainslie leistete fast Übermenschliches, um doch noch Gold in Weymouth zu holen. © onEdition

Ainslie leistete fast Übermenschliches, um doch noch Gold in Weymouth zu holen. © onEdition

Bei der Skandia Sail for Gold Regatta auf dem Olympiarevier war er gegenüber Giles Scott, dem Weltmeister aus dem eigenen Land nahezu chancenlos – Scott trat bei Ainslies 2012 WM Gewinn in Falmouth nicht an – und beim Olympiasieg benötigte er im Zweikampf mit dem Dänen Christensen neben außerordentlichem Können auch viel Glück.

Ohne Frage ist sein Vorsprung in der körperlichen Klasse Finn Dinghy aufgebraucht. So kostete es ihn viel Arbeit, sein Körpergewicht auf rund 95 Kilo hochzubringen, während die jüngere Konkurrenz wie Scott oder der Holländer Postma vom natürlichen Körperbau die Gardemaße mitbringen. Der Ausstieg aus dem Finn ist eine logische Folge aus der Entwicklung.

Der ultimative Moment. Es ist vollbracht. Das vierte Gold, die fünfte Olympia-Medaille. © onEdition

Der ultimative Moment. Es ist vollbracht. Das vierte Gold, die fünfte Olympia-Medaille. © onEdition

Allerdings hatte Ainslie mit dem Starboot geliebäugelt. “Ich wollte vor meiner Entscheidung auf das Ergebnis der ISAF Konferenz in Dublin warten”, sagt der Brite. Das Problem wäre zwar gewesen, dass er gegen seinen Kumpel Iain Percy mit Andrew Simpson hätte antreten müssen, “aber da wäre wohl eine Chance gewesen”.

Die Starboot-Klasse glaubt zwar immer noch an ihre Chance, 2016 in Rio dabei zu sein. Aber dafür müssen die Segler auf die alles andere als unwahrscheinliche Option hoffen, dass auf IOC Ebene wohl Ende 2013 der Weg für eine zusätzliche Olympia Disziplin in Brasilien freigemacht wird. Auf diese Hängepartie konnte sich Ainslie nicht einlassen. Als Newcomer in der Star-Klasse hätte er Planungssicherheit und viel Training benötigt.

Hängen bis zum Anschlag. Der 35-Jährige musste sich extrem quälen, um das Finn-Gewicht und die Fitness zu erreichen. © onEdition

Hängen bis zum Anschlag. Der 35-Jährige musste sich extrem quälen, um das Finn-Gewicht und die Fitness zu erreichen. © onEdition

Er hat auch so genug zu tun. Der Fokus auf den America’s Cup dürfte ihn voll in Anspruch nehmen. Momentan ist der aktuelle Weltsegler des Jahres bei Oracle angestellt, obwohl er bei der America’s Cup World Series mit seinem eigenen BAR Team startet. Bei dem jüngsten Auftritt in San Francisco bewegte er seinen AC45 Katamaran sensationell auf Rang zwei.

Bei dem 34. America’s Cup könnte er zwar theoretisch das Oracle Steuer von James Spithill übernehmen, das ist aber unwahrscheinlich. Ainslie sagt selber, dass er alles daran setzt, den 35. America’s Cup für England zu gewinnen.

“Wenn ich zurückblicke sind das schon sehr besondere Momente. Von der ersten Medaille in Atlanta vor 16 Jahren bis zu dem Moment als ich bei der olympischen Schlussfeier in London die Flagge tragen durfte. London war schon unglaublich besonders. In heimischen Gewässern vor britischen Fans segeln zu dürfen war eine unglaubliche Erfahrung. Ich glaube nicht, dass es noch besser werden könnte. Nun ist es Zeit vorwärts zu gehen und die nächste Herausforderung in meiner Karriere anzunehmen.”

Big Ben vor dem Big Ben. Die olympischen Heimspiele machten ihn zur Legende. © onEdition

Big Ben vor dem Big Ben. Die olympischen Heimspiele machten ihn zur Legende. © onEdition

Den Schritt zum America’s Cup hatte Ainslie allerdings schon mehrfach versucht, und es waren nicht seine besten Erfahrungen. Für den 31. America’s Cup hatte ihn der Australier Peter Gilmour in das mitfavorisierte US-America’s Cup Team One World geholt. Dort konnte sich der junge Brite aber nie durchsetzen und kam 2002 reumütig in den olympschen Zirkus zurück, um 2004 Gold im Finn Dinghy zu gewinnen.

Für den Cup 2007 war Ainslie beim Team New Zealand angestellt. Er verzichtete aber bewusst darauf, in der Afterguard auf dem A-Boot hinter Steuermann Dean Barker zu stehen. Lieber steuerte das B-Boot im Training gegen den Kollegen. Dadurch hatte er zwar maßgeblichen Anteil daran, dass die Kiwis den Louis Vuitton Cup gewannen und schließlich Alinghi einen heißen Tanz lieferten. Aber erneut blieb Ainslie nur eine Rolle im Hintergrund.

Es war ein persönliches Investment, um danach den Durchbruch mit dem eigenen britischen Origin Team anzupeilen. Der Milliardär Sir Keith Mills finanzierte das britische Dream Team und ermöglichte auch den Match Race WM Titel auf der World Tour. Aber dann stoppte er die Kampagne nach den Wirren um den Streit zwischen Oracle und Alinghi. Und den späteren Schritt zu den Katamaranen mochte er nicht mitgehen. Nun startet Ainslie somit seinen vierten Versuch, beim America’s Cup eine Rolle zu spielen.

Ben Ainslies größte Erfolge in den Olympiaklassen

Olympic medals
2012 – GOLD Olympics Finn class, London
2008 – GOLD Olympics Finn class, Peking
2004 – GOLD Olympics Finn class, Athen
2000 – GOLD Olympics Laser class, Sydney
1996 – SILVER Olympics Laser class, Atlanta

World Titles
2012 – GOLD Finn World Championships
2008 – GOLD Finn World Championships
2005 – GOLD Finn World Championships
2004 – GOLD Finn World Championships
2003 – GOLD Finn World Championships
2002 – GOLD Finn World Championships
1999 – GOLD Laser World Championships
1998 – GOLD Laser World Championships
1995 – GOLD ISAF Youth World Championships (Laser class)
1993 – GOLD Laser Radial World Championships

European Titles
2008 – GOLD Finn European Championships
2005 – GOLD Finn European Championships
2003 – GOLD Finn European Championships
2002 – GOLD Finn European Championships
2000 – GOLD Laser European Championships
1999 – GOLD Laser European Championships
1998 – GOLD Laser European Championships
1996 – GOLD Laser European Championships
1993 – GOLD Laser Radial European Championships

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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5 Kommentare zu „Olympia: Ben Ainslie beendet Olympia-Karriere“

  1. avatar armchairadmiral sagt:

    Da verlässt ein ganz Grosser die olympische Bühne.

    Seine Regatten zu verfolgen war spannend, er war – zuletzt – sogar menschlich ( erregbar und schlagbar ) und hat vielleicht den grössten wirklichen Kampfgeist gezeigt.
    Sicher werden viele ihn unsympathisch finden.
    Aber auch Elvström war zu seiner Zeit bei den Konkurrenten wegen seiner neuen Methoden und seines Erfolges nicht komplett beliebt.
    Selbst der jetzt so freundliche und medientaugliche Schümann war zu besten olympischen Zeiten nicht gerade ein bester Freund aller.
    Dieses Unbedingt Gewinnen Wollen wirkt einfach nicht lieb. Ist diesen Ausnahmeseglern aber allen gemein.

    Entspann den Rücken und nimm jeden Cent von Larry mit, Ben!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 16 Daumen runter 0

  2. avatar C sagt:

    unglaublicher Segler, der wird echt fehlen!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

    • avatar Christian sagt:

      er bleibt doch aktiver Segler… möglicherweise hören wir in Zukunft noch mehr von ihm als bisher… stellt euch vor, er gewinnt den AC

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  3. avatar Uschi sagt:

    ein grandiose Leistung und das über so viele Jahre. Ben Aisnlie ist sicherlich einer der größten unseres geliebten Sports und ich hoffe, dass er in naher Zukunft an die Erfolge anknüpfen wird.

    Wirklich interessant an diesem Interview waren die Gedanken über eine weitere Kampagne, jedoch im Starboot, falls die Rückkehr als olympische Bootsklasse gelungen wäre.

    Wäre sicher sehr interessant geworden, wenn es zur Neuauflage Ainslie gegen Scheidt gekommen wäre…alleine schon das inner britische Duell gegen Iain Percy wäre schon hochkarätig.

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  4. Segeln liebe ich seit mehr als 50 Jahren, nun habe ich meine 37´´ Yacht in Dalmatien verkauft und mir einen Finn von Devoti zugelegt- und bin in der Legend-KLassse gelandet. Das Auffinden dieser website finde ich einen Glückstreffer; tolle Videos, sehr gute Berichterstattung, Danke!

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