Olympia Rio: Kroate vergibt Laser-Matchball beim Vorstart-Duell – Scheiterte Scheidt am Müll?

Der verschenkte Sieg

Der Kroate Tonci Stipanović geht als erster Segel-Medaillengewinner für Kroatien in die Geschichte ein, und dennoch muss er sich nun mächtig ärgern.

Stipanovic kommt schnell über sein ägerliches verpasstes Gold hinweg und gratuliert dem Sieger. © sailing energy

Stipanovic kommt schnell über sein ägerliches verpasstes Gold hinweg und gratuliert dem Sieger. © sailing energy

Zehn Punkte Vorsprung hatte der kroatische Lasersegler Tonci Stipanović (30) als Führender vor dem letzten Rennen, und nur noch der Australier Tom Burton (26) hätte ihn bezwingen können. Das ist die klassische Situation, um im Medalrace ein Duell zu beginnen.

Ziel ist es, den Gegner so sehr auszubremsen, dass er im Rennen nicht mehr punkten kann. Das eigene Ergebnis ist dann nicht mehr relevant. Burton, der bei den vergangen WMs die Plätze 3/2/3 belegte, musste schließlich vier Boote zwischen sich und den Gegner bringen. Viele Betrachter mögen dieses Szenario nicht, andere sehen es als spannendes Spektakel, wenn sich plötzlich zwei Kontrahenten vor dem Start duellieren.

Stipanović segelt nach dem Strafkreis als Letzter über die Startlinie. Auch der Australier liegt zurück.

Stipanović segelt nach dem Strafkreis als Letzter über die Startlinie. Auch der Australier liegt zurück.

Es scheint gut für den Kroaten zu laufen. Die Zeit im Vorstart verstreicht, und Burton kommt nicht mehr rechtzeitig zur Linie, als die Flotte davon zieht.  Allerdings löst sich der Australier aus der Umklammerung, indem er den Gegner zu einer Regelverletzung zwingt. Stipanović musste den Strafkreis drehen. Er sagt, eine Welle des Jurybootes hätte ihn mit Burton kollidieren lassen.

Absolute Punktlandung

Aber die Situation ist für den Kroaten nicht kritisch. Sein Gegner muss es erst einmal schaffen, wieder nach vorne zu segeln. Das ist kaum zu schaffen im hochklassigen Laser-Finale. Doch der Aussie kommt immer besser in Fahrt.

Das Laser Trio vor dem Zuckerhut. © sailing energy

Das Laser Trio vor dem Zuckerhut. © sailing energy

Zwar liegt er nach der ersten Runde in der Gesamtwertung immer noch acht Punkte hinter Gold zurück, aber nach der letzten Luvtonne sind es nur noch zwei. Dann rutscht er kurz vor dem Leetor am Ziel noch in die Innenposition eines Dreier-Päckchens und liegt plötzlich auf Rang drei. Es ist die absolute Punktlandung auf die Gold-Position.

Stipanović kann die Enttäuschung schnell verarbeiten. 14 Jahre nach seinem Einstieg in den Laser kann der Weltranglisten-Zweite, der in London noch knapp als Vierter am Podium scheiterte, die erste Segelmedaille für sein Land sichern. Es ist eine lange Zeit, bis der dominierende Jugendsegler seiner Zeit die Krönung seine Karriere schaffte. 1999 wurde er Vize-Weltmeister im Optimisten, und holte in den Jahren danach die Welt-Titel im Laser 4.7 und Radial.

Scheidt geschlagen

Die größte Story der Klasse sollte in Brasilien eigentlich dem einheimischen Superstar Robert Scheidt vorbehalten sein. Der 43-jährige Rückkehrer in den Laser, der schon fünf olympische Medaillen besitzt und bei der Eröffnungfeier den Olympischen Eid sprechen durfte, schien nach acht Rennen bestens in der Spur für sein drittes Gold. Aber dann kam das schlimme neunte Rennen, das auch Philipp Buhl zum Verhängnis wurde.

Robert Scheidt siegt beim Medalrace, es reicht aber nur zu Rang vier. © sailing energy

Robert Scheidt siegt beim Medalrace, es reicht aber nur zu Rang vier. © sailing energy

Scheidt segelte auf Rang 26 und hatte schon im dritten Rennen seinen Streicher verbraucht. In der Fernseh-Übertragung konnte man sehen, wie der Brasilianer im Rennen verzweifelt nach den Ursachen suchte, sein Boot auf der Kreuz stark zur Seite krängte und am Heck im Wasser fingerte. War am Ende ausgerechnet dem einheimischen Superstar das viel kritisierte Müllproblem zum Verhängnis geworden? Hing Treibgut an seinem Ruder? Bestätigt wurde diese Beobachtung bisher nicht.

Scheidt krängt sein Boot, um nach Müll am Ruder zu sehen.

Scheidt krängt sein Boot, um nach Müll am Ruder zu sehen.

Der Brasilianer beugt sich zurück, um etwas vom Blatt zu entfernen.

Der Brasilianer beugt sich zurück, um etwas vom Blatt zu entfernen.

Dennoch bleibt mit Rang vier eine goßartige Leistung, die es so noch nicht gegeben hat. Niemand hat versucht, in einem für Lasersegler so hohen Alter noch einmal zurückzukehren. 2013 schaffte er das Unglaublich mit dem neunten WM-Titel. Danach schwächelte er zuletzt mit den Rängen 15 und 10 bei den WMs. In Rio war er aber wieder topfit. Nur das Happy End blieb aus.

Genauso wie für seine Frau Gintare, mit der Scheidt am Gardasee wohnt. Wie wollte im Laser Radial nach Babypause wieder für Litauen punkten und schlug sich mit Rang sieben sehr gut. Zwischenzeitlich steuerte sie sogar auf einen Medaillenkurs.

Phlipp Buhl freut sich am Strand mit Sam Meech über dessen Bronze. © sailing energy

Phlipp Buhl freut sich am Strand mit Sam Meech über dessen Bronze. © sailing energy

Top 14 Ergebnisse im Laser

Top 14 Ergebnisse im Laser

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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