Olympia Rio: Trotz Patzer sind Heil/Plößel vor dem Medalrace ganz nah dran am Edelmetall

Silber-Krimi steht bevor

Die erste deutsche Olympiamedaille seit acht Jahren ist zum Greifen nahe. Erik Heil und Thomas Plößel haben 49er-„Silber“ im Visier.

Erik und Tommi sind ganz nah dran an einer Medaille. © sailing energy

Erik und Tommi sind ganz nah dran an einer Medaille. © sailing energy

„Es befinden sich noch zwei Eisen und ein Holz in der Schlägertasche“, verglich Thomas Plößel die Ausgangsposition vor dem Medalrace der 49er mit dem Golfsport. Und der 28-Jährige will dort mit seinem zwei Jahre jüngeren Steuermann Erik Heil „Silber“ rausziehen, wenn am Donnerstag um 19.05 Uhr deutscher Zeit das wichtigste Rennen ihres Lebens startet. Die Chancen stehen gut.

Nachdem der Olympiasieg schon vorzeitig an die Neuseeländer Peter Burling und Blair Tuke ging, führen die Kieler den Rest des Zehnerfelds im Medalrace als Tabellenzweite an. Drei Punkte, oder umgerechnet einen Finalplatz liegen die Titelverteidiger Nathan Outteridge und Iain Jensen aus Australien zurück. Die Deutschen müssen sich also mindestens direkt hinter ihnen platzieren.

Aber auch die Briten Dylan Fletcher-Scott und Alain Sign haben das Treppchen längst nicht abgeschrieben. Sie müssten allerdings schon 13 Punkte, also sieben Einzelplätze aufholen, um Heil/Plößel zu überflügeln. Sollte das Duo von der Insel gewinnen müssen Heil/Plößel mindestens drei Boote hinter sich lassen, um vor ihnen zu liegen.

„Die Ausgangsposition ist doch nicht schlecht, obwohl wir uns verschlechtert haben“, meinte Heil. „Lieber hätten wir das Edelmetall natürlich schon klar gemacht.“ Grund war das zwölfte und letzte Rennen am Dienstag, als sie den Start verpatzten. „Danach gingen gleich die Lichter aus, weil die Seebrise zusammenbrach und sich das Windsystem komplett änderte.“

Der erste deutlich verpatzte Start im letzten Rennen führt zum Streicher für GER.

Der erste deutlich verpatzte Start im letzten Rennen führt zum Streicher für GER.

Platz 18 wurde der Streicher der Serie. Als Zehnter und Vierter zuvor hätten die Mitfavoriten schon vorzeitig eine Medaille abgreifen können. „Aber typisch für uns, das an so einem Tag auch ein Rennen daneben geht“, waren sich beide einig.

Erstmals griff auch Heil in der Mixedzone für die Interviews nach den Rennen zur Ergebnisliste. „Die Konstellation ist nicht so einfach“, meint der Sport-Soldat, „da werden wir uns mal was Schlaues überlegen müssen.“ Mit Trainer Thomas Rein wollen die beiden den Ruhetag zur Strategiefindung nutzen, „aber vor allem zum Ausschlafen“ (Plößel). Vielleicht zur Physiotherapie oder eine Massage und Chillen im Pool.

Das Duo ist die größte und letzte verbliebene Hoffnung auf Edelmetall im deutschen Lager und wirkt vor seinem Coup so locker und entspannt wie  gleichermaßen hochkonzentriert. Selbstzweifel haben sie schon gar nicht. Warum auch? Zu überzeugend waren die Leistungen bisher, als dass ernsthaft ein Absturz drohen könnte.

Silber im Blick. © sailing energy

Silber im Blick. © sailing energy

„Doch wir müssen spritzig sein, wenn’s losgeht, keine Penaltys riskieren und gleich auf der Startkreuz die richtige Entscheidung treffen“, gibt Heil den Schlachtplan aus. Denn das Medaillenrennen werde sicher sehr kurz.

Eriks Freundin Vicky im Medalrace

Und die Unterstützung des gesamten deutschen Teams ist den 49ern in der letzten Wettfahrt der gesamten Segelwettbewerbe gewiss. „Die war auch bis hierher schon großartig, ungeachtet des teils nicht zufriedenstellenden Abschneidens“, dankte Erik Heil.

Dass seine Freundin Victoria Jurczok mit Annika Lorenz den Finaleinzug im FX noch gepackt hat, freut ihn besonders. Das 49er-Quartett als Erfolgsgaranten, auch wenn für die Frauen nicht mehr als Rang Sieben drin ist. „Wir hatten uns mehr vorgenommen für den Schlusstag, sind aber erstmal froh, bei den zehn Besten dabei zu sein“, so die Steuerfrau.

Ferdi Gerz und Oli Szymanski haben ihr Medaillenrennen im 470er um ganze acht Sekunden verpasst. Trotz eines starken Reservetags, an dem alle drei fehlenden Wettfahrten nachgeholt wurden, landete das Duo schließlich zwei Punkte hinter den Neuseeländern Paul Snow-Hansen und Daniel Willcox nur auf dem elften Platz.

Auf Goldkurs bleiben die Kroaten Sime Fantela und Igor Marenic. Auch Anika Bochmann und Marlene Steinherr erreichten die Top Ten im 470er nicht mehr. Ihnen fehlten auf Rang 16 insgesamt 14 Punkte.

Vier Medalraces ohne deutsche Beteiligung

Obwohl die vier Medalraces (zwei wurden vom Vortag nachgeholt) ohne deutsche Beteiligung stattfanden, waren sie auch für Außenstehende voller Emotionen. Dramatik pur mit einem märchenhaften Ausgang boten die Nacra 17-Katamarane – und wurden zum Paradebeispiel, wie viel Erfahrung zählt.

Unser SR-Mann in Rio Andreas Kling mit Segel-Legende Santiago Lange und der frischen Goldmedaille. © A.Kling

Unser SR-Mann in Rio Andreas Kling mit Segel-Legende Santiago Lange und der frischen Goldmedaille. © A.Kling

Ausgerechnet auf dem „Turngerät“ holte der 54-jährige Argentinier Santiago Lange mit der 25 Jahre jüngeren Vorschoterin Cecilia Caranza Saroli in einem Herzschlagfinale Gold. „Ich bin sprachlos, einfach überwältigt vor Glück und Genugtuung nach all der harten Arbeit. Seit 1980 habe ich um einen Olympiasieg gekämpft“, sagte Lange.

Er nahm an seinen sechsten Olympischen Spielen teil, gewann 2004 und 08 Bronze im Tornado und spielte im Designteam der jüngsten schwedischen America’s Cup-Syndikate eine wichtige Rolle. Zuletzt hatte er sogar eine schwere Krankheit überwunden und schließlich besonders für Aufmerksamkeit gesorgt, weil er seine Söhne überraschend zur Olympiateilnahme im 49er coachte.

Das siegreiche Laser Trio mit dem überraschenden Last-Minute-Sieger Tom Burton aus Australien. © sailing energy

Das siegreiche Laser Trio mit dem überraschenden Last-Minute-Sieger Tom Burton aus Australien. © sailing energy

Einen überraschenden Führungswechsel gab es noch bei den Lasern. Der führende Tonci Stipanovic verwickelte seinen Verfolger Tom Burton aus Australien vor dem Start in ein Matchrace, zog dabei aber den Kürzeren. „Nur durch eine Welle des Juryboots habe ich Tom touchiert“, erklärte der Kroate, „und von denen bekam ich die rote Flagge.“ Während sich Burton vom vorletzten Rang ins Feld auf Rang drei zurückkämpfte und Gold holte, blieb Stipanovic nach dem Strafkreis Rang neun im Medalrace und er verpasste Gold um zwei Punkte.

Viel schwerer aber war der Tag für den 43-jährigen Brasilianer Robert Scheidt. Nach fünf Olympiamedaillen in Folge zuvor hätte er als Einziger in die Geschichtsbücher eingehen können. Der einheimische Segelheld gewann schließlich auch das Finale musste aber danach zuschauen, wie Sam Meech die Bronzemedaille mit vier Pünktchen Vorsprung nach Neuseeland entführte.

In den Klassen ohne deutsche Olympiastarter feierten Marit Bouwmeester aus den Niederlanden die Goldmedaille im Laser Radial, und Giles Scott aus Großbritannien im Finn. Er lag schon vor dem Start uneinholbar vorne und tritt die legitime Nachfolge des fünfmaligen Siegers Sir Ben Ainslie an.

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3 Kommentare zu „Olympia Rio: Trotz Patzer sind Heil/Plößel vor dem Medalrace ganz nah dran am Edelmetall“

  1. avatar Sven 14Footer sagt:

    Weiß Jemand, wo und wie der Silbercrimi / Medal Race live zu sehen ist? Soll doch heute abend um 19:00 Uhr laufen.

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  2. avatar Jörg sagt:

    Wenn Du nach R’rio zdf live’ googelst sollten eigentlich alle Livestreams zu sehen sein.
    Beim beachen hat das gut geklappt.

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  3. avatar Sven 14Footer sagt:

    GRATULATION zu BRONZE!!!!

    Ich habe die Daumen für SILBER gedrückt aber es hat nicht sollen sein.

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