Olympia Rio: Von wegen Arena, Tribüne und Gedöns – die Segelfans hängen am Strand ab

Werner für Wilhelm und Martin für Toni

Zuschauer, Olympia, Rio

Deutsche Zuschauer für deutsche Segler – auch wenn die Begleiterinnen eigentlich lieber Reiten sehen wollen © kling

Die großen Zuschauermassen haben noch nicht zu den Olympischen Segelevents gefunden. Noch nicht! Aber die „Stimmung ist großartig“ und zwischendurch fragen sich alle: „Wo ist Wilhelm?“

Am Strand neben der Marina da Gloriá liegen die internationalen Fans und schauen olympisches Segeln – im Fernsehen!

Einige hundert Menschen stehen, sitzen oder liegen in der Sonne im Sand und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein. Aus Lautsprechern dröhnt unentwegt die durchdringende Stimme eines brasilianischen Reporters, meist offenbar zu Allgemeinem, vor allem wenn nicht gerade gesegelt wird. Dabei wird überall gesegelt auf den olympischen Kursen, die Windbedingungen sind ideal. Nur live übertragen wird gerade nichts. Denn die Bahnen sind viel zu weit weg, als dass die Sehleute auch nur irgendetwas erkennen könnten. Anders als von den Tribünen in Weymouth 2012 oder von der langen, hohen Steinmole von Qingdao in China vor acht Jahren sind die Segelwettbewerbe für die Zuschauer in Rio eher ein Happening.

Zuschauer, Olympia, Rio

Objekt der fotografischen Begierde – die Olympia Rio-Skulptur vor der Guanabara Bucht © kling

Tickets für 23 Euro

Martin Werner hat sich trotzdem aufgemacht. Aus der Nähe von Nürnberg kam er mit Frau und Schwägerin an den Zuckerhut. Mit deutscher Flagge am Sonnenschirm, schwarz-rot-goldenem Blumenkranz und ganz auf Rio 2016 getrimmt ist Werner ein echter Fan. Ihn interessiere eigentlich mehr das Rudern und die Begleiterinnen wollen vor allem zum Reiten. Aber die Tickets für den vierten Segeltag hatten sie trotzdem gekauft, schon von Zuhause im Internet. 80 Real kosteten sie, das sind umgerechnet knapp 23 Euro. Bier gibt es aus rollenden Kühlcontainern und auch einen Imbiss mit landestypischem Fastfood. „Die Stimmung ist doch großartig hier, bei dem Wetter allemal“, sagt Werner und genießt den Tag am Wasser der Guanabara-Bucht. Dass er die beiden Goldmedaillen der Ruderer nicht miterlebt, stört ihn wenig. „Die brauchen keine Unterstützung mehr, da gibt es genug eigenes Publikum.“

Zuschauer, Olympia, Rio

Strandleben, während sich die Segelhelden draußen abstrampeln © kling

“Wo ist Wilhelm?”

Und als dann mit halbstündiger Verspätung endlich das erste RS:X-Rennen der Männer gestartet wurde, gab es unter den vereinzelten deutschen Segelanhängern den ersten Jubel der Spiele. Toni Wilhelm ging als Erster über die Linie, war also offenbar gleich vorn mit dabei. Als ihn dann der Racetracker auf der Startkreuz nicht abbildete, fragten sich auch die Medienvertreter im Pressecenter, „wo ist Wilhelm?“. Doch der 33-Jährige lag tatsächlich in der Spitzengruppe, rundete als Dritter die Luvtonne.

„Wir haben mitgefiebert und ihn angefeuert, was das Zeug hält“, sagt Martin Werner, „das war ja unglaublich spannend zwischendurch.“ „Unser Toni“ übernahm die Führung im Rennen und sah nach einer Runde schon fast wie der sichere Sieger aus. Doch dann kam da ausgerechnet der Brite Nick Dempsey von hinten auf und jagte dem Deutschen Platz eins ab. „Wie sich Wilhelm dann vor dem Wind abgesetzt hat und am Ende die Oberhand behielt, war ganz groß“, zeigt Werner Sachverstand und Patriotismus, so könne es weitergehen.

Andreas Kling, Rio, Olympia

Andreas Kling, unser Mann in… wo war das noch? © kling

 

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