Olympia Rio: Wie Wettermann Meeno Schrader die deutschen Segler in Rio berät

"Schwierigstes Revier meiner Karriere"

Die Windvorhersage gehört zu den Schlüsselfaktoren im Segelsport. Das deutsche Team vertraut seit langem Kieler Know-how. SR traf den Diplom-Meteorologen Meeno Schrader vor Ort.

Meeno Schrader

Meeno Schrader an seinem Arbeitsplatz in Rio. © Schrader

Um viertel vor fünf am frühen Morgen klingelt im urigen Appartement im Stadtteil Santa Teresa unweit der Marina da Gloriá der Wecker. Keine halbe Stunde später sitzt Meeno Schrader schon am Rechner. Alle verfügbaren Tische hat er sich zur Wetterstation Rio zusammengestellt. „Von hier aus greife ich per Internet auf alle Daten in unser Kieler Zentrale zurück“, erklärt der 55-Jährige, für den es bereits die sechsten Olympischen Spiele sind.

Der Chef der Firma Wetterwelt ist längst international gefragt. So hat er diesmal nicht nur die deutsche Mannschaft unter Vertrag, sondern auch die Iren und die Israelis. Kostenteilung heißt das Zauberwort, denn auch im gut geförderten Team Germany sind die Budgets begrenzt. „Über die Jahrzehnte ist jedoch die Erkenntnis gereift, dass für die Meteorologie ein Profi gebraucht wird“, so Schrader. Da bedurfte es einst einer „Petition“ der Aktiven.

Meeno Schrader

Der deutsche Wetter-Guru beim Morning Briefing in Rio. © Schrader

Inzwischen gehört das tägliche Wetterbriefing zu den festen Tagesroutinen. Schrader: „Am liebsten mache ich das direkt am Wasser, damit ich den Seglern auch zeigen kann, welche topografischen Gegebenheiten eine besondere Rolle spielen.“

Schwierigstes Olmpiarevier

Für das „schwierigste Olympiarevier meiner Laufbahn“ hat sein Unternehmen eigens ein neues Vorhersagemodell entwickelt. 20 Mitarbeiter, darunter vor allem die Modellierer in der IT-Abteilung, haben mitgewirkt. Es berechnet den Wind in Stärke und Richtung auf 200 Meter genau. Lokale Vergleichsmodelle schaffen nur 1000 Meter.

Grundlage der Tagesvorhersage ist ein sogenanntes Call Book, 170 Seiten stark. „Darin haben wir die sechs verschiedenen Hauptgrundmuster der hiesigen Wetterlagen erstellt“, erläutert der Freizeitsegler, „noch nie wurde vorab so viel Zeit investiert.“ 14 Stellschrauben drehen am Wind, von der Bebauung und Bewaldung bis zur Luftfeuchtigkeit.

„Meine wichtigste Aufgabe ist es dann, aus dem Wust von Informationen für die verschiedenen Regattabahnen die entscheidenden herauszufiltern und verständlich darzustellen“, sagt Meeno Schrader. Mehr noch, er gibt auch Indikatoren nach dem Prinzip „was passiert wenn…“ an. Meist sorgen Wolken für Böen oder Flautenlöcher und Winddreher. Nur ob nach links oder rechts, das ist eben die Frage.

„Beim Wetter sind wir auf allerhöchsten Niveau“, lobt Chefbundestrainer David Howlett. Der ehemalige Erfolgscoach der Briten hat den Vergleich. Für den Meteo-Mann kommt es vor allem auf die Reaktionen der Sportler an. „Sie müssen meine Tipps zunächst verstehen, sonst können sie die ja nicht umsetzen.“ Deshalb endet ein Regattatag auch mit einem gründlichen De-Briefing. „Und heute hoffentlich mit einer Medaille“, hofft Meeno Schrader, „denn Erfolge sind immer der schönste Dank.“

An den vergangenen Tagen sind viele Rennen ausgefallen und verschoben worden, weil das Wetter in der Bucht von Rio nicht mitspielte. So konnten die 470er gestern ihre Medalraces nicht aussegeln. Aber für den heutigen besonders aus deutscher Sicht spannenden Finaltag sieht Schrader gute Chancen für ausreichend Wind. Das Timing hat sich allerdings wegen der Verschiebungen verändert. Der Start für das Finale der 470er Frauen ist für 18:05 Uhr deutscher Zeit geplant. Um 18:50 Uhr kommen die 470er Männer dran. Ab 19:35 kommen die 49er zum Zug, um 20:20 Uhr segeln die 49er FX Frauen.

Beispiel für ein Wetter-Briefing aus Rio vom 17.08.2016

Spenden

Ein Kommentar „Olympia Rio: Wie Wettermann Meeno Schrader die deutschen Segler in Rio berät“

  1. avatar Marina sagt:

    Beeindruckend – der Bericht von Meeno und hochinteressant.
    Mich würde interessieren, wieviel davon die Segler
    in ihre Taktiken mit einbeziehen…?
    Danke für den sehr interessanten Bericht – auch, wenn ich davon nur
    relativ wenig verstanden habe ;-)))

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *