Olympia Rio: Wilhelm verpasst Medaille, Buhl schafft ersten Sieg, Heil/Plößel starten vielversprechend

Himmelhoch jauchzend, zutiefst betrübt

Olympia Rio, 49er, Laser, RS:X, 470er

49er Heil/Plößel legen einen sauberen ersten Tag hin © sailing energy

Langes Warten auf Wind lohnte sich: Heil/Plößel von Beginn an in den Medaillenrängen. Aber Surfer Toni Wilhelm wird erneut leer ausgehen. Buhl bangt trotz Tagessieg immer noch um den Finaleinzug.

Himmelhoch jauchzend und zutiefst betrübt – so dicht lagen die Emotionen am Freitag im Lager der RS:X-Surfer beieinander. Überschwänglich gefeiert wurde der niederländische Titelverteidiger Dorien van Rijsselberghe, dem Gold schon vor dem Medalrace am Sonntag nicht mehr zu nehmen ist. Auch Nick Dempsey aus Großbritannien hat wie 2012 wieder die Silbermedaille sicher. Nur für Toni Wilhelm wird er erneut kein Edelmetall geben. Der 33-Jährige verpasste durch einen 19. Rang in der zwölften und letzten Wettfahrt endgültig die Chance aufs Podium. Der Rückstand auf den Polen Piotr Myszka ist mit 20 Punkten schon zu groß.

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Der deutsche Laser führt das Feld an – Buhl kam wie ausgewechselt aus dem Ruhetag © sailing energy

In die Hose gegangen

„Natürlich bin ich tief enttäuscht, denn ich hatte mir deutlich mehr vorgenommen“, sagte der 33-Jährige Sport-Magister zurück an Land. „Aber auch heute ist wieder ein Rennen total in die Hose gegangen. Das ärgert mich maßlos, denn bis dahin war noch alles drin für ‚Bronze‘. Wilhelm hatte genau diese damals sicher geglaubte Medaille vor vier Jahren in einem dramatischen Finalrennen noch aus den Händen gegeben. Bei seinen ersten Spielen 2004 in Athen war er nur 30. geworden.

Zwei Stunden wurden die Seglerinnen und Segler am Freitag in Rio de Janeiro auf die Folter gespannt, ehe sich eine leichte, aber stete Brise durchgesetzt hatte. Erst um 14.43 Uhr Ortszeit, viertel vor Acht abends in Deutschland, gingen die Laser auf die Bahn. Einer hätte wohl schreien können vor Glück. Philipp Buhl kam wie ausgewechselt aus dem Ruhetag.

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Bei den RS:X verpasste Toni Wilhelm eine Medaillenchance © sailing energy

Buhl wie ausgewechselt

Zwar nicht gleich aus den Startlöchern, aber nach einer Runde als 14. zog der 26-jährige am ganzen Feld vorbei und holte sich mit 20 Sekunden Vorsprung vor dem Schweden Jesper Stahlheim seinen ersten Tagessieg. „Es war wieder meine zuvor schon so starke zweite Kreuz, die diesmal endgültig den Durchbruch gebracht hat“, so Buhl hochzufrieden.

Allerdings folgte mit den 26. Platz sein Streicher, weshalb er immer noch um den Einzug ins Finale bangen muss. Als Elfter fehlen ihm derzeit neun Punkte. „Ich bin festen Willens, das am Sonnabend klar zu machen“, so „Buhli“, „das bin ich mir selbst schuldig.“ Ans Podium denkt er zurzeit nicht mehr. Zu weit ist das Spitzentrio entrückt. Segellegende Robert Scheidt aus Brasilien rückte dem führenden Kroaten Tonci Stepanovic um drei Punkte auf den Pelz und könnte mit seiner sechsten Medaille in die Geschichtsbücher eingehen. Das hat zuvor noch niemand geschafft. Der drittplatzierte Tom Burton aus Australien hat 32 Punkte Vorsprung vor Buhl.

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Laser in der Dünung der Guanabara Bucht © sailing energy

Gelungener 49er-Auftakt

Auch für die 49er hatte sich das Warten gelohnt, ehe sie auf der TV-Bahn unter Land gleich zum Auftakt ein spannendes Rennen ablieferten. Das Feld startete vorsichtig, Heil/Plößel aus der Mitte heraus. Der dänische Olympiasieger Jonas Warrer setzte sich mit seinem neuen Vorschoter Christian Peter Lübeck über die linke Seite schnell an die Spitze. Aber die haushohen Favoriten Peter Burling und Blair Tuke fanden ihre Spur aus dem Mittelfeld nach vorn. Es hätte ein dramatisches Finish werden können, wären die Dänen nicht tatsächlich an den letzten Bahnmarke vorbei gefahren. Sie merkten ihren Fehler zu spät und mussten nochmals aufkreuzen. Davon profitierten auch die Deutschen, die dadurch einen Rang auf sechs vorrückten.

Im zweiten Rennen waren sie noch mutiger, segelten als Einzige fast bis an den Strand und kamen mit deutlichem Vorsprung auf die Luvtonne zu. „Der Wind hat uns dann nochmals etwas auf die Nase gedreht, und wir mussten noch zwei zusätzliche Wenden einschieben“, berichtete Plößel. Aber es reichte so gerade noch für die Führung, die auf der Vorwindstrecke gegen die Iren verteidigt werden musste. Knapp als Zweite ging es auf die nächste Runde, doch auch die unwiderstehlichen Neuseeländer kamen stark von hinten auf und sicherten sich mit ihrem zweiten Tagessieg die weiße Weste. Heil/Plößel wurde Dritter und nehmen auch diesen Gesamtplatz ein, einen Punkt hinter den Portugiesen Jorge Lima und Jose Costa.

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Die 49er FX-Frauen zeigten nach Frühstart eine starke Aufholjagd © sailing energy

Kurz und knackig fasste Erik Heil den gelungenen Auftakt zusammen: „Ich glaube, da hatte heute niemand auf der Bahn taktisch den richtigen Durchblick. Das ging ja Auf und Ab an den Tonnen und unterwegs genauso. Wir sind aber sehr zufrieden, denn jedes Einzelrennen um Platz fünf sollte am Ende nach vorne zählen.“

Frühstart geleistet

Die 49er-FX-Frauen Victoria Jurczok und Anika Lorenz leisteten sich zum Auftakt einen Frühstart und mussten das Feld von hinten aufrollen. Das gelang als Achte ganz okay, doch insgesamt sind die Berlinerinnen mit Wahl-Heimat Kiel zunächst nur 13. Das dritte Rennen wurde bei beiden 49ern auf den nächsten Tag verschoben. Die 470er-Frauen mit Annika Bochmann und Merlene Steinherr (Falkensee/Berlin) schafften nur eine Wettfahrt, nach der die Deutschen als 15. auf dem 19. und vorletzten Gesamtrang verblieben. Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski (München/Kiel) wurden in ihrem einzigen 470er-Rennen 14. und sind insgesamt 16.

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