Olympia Rio: Erik Heil und Thomas Plößel holen Bronze – Segelmedaille nach acht Jahren

"Geile Woche"

Erik Heil und Thomas Plößel haben in Rio die ersehnte Segel-Medaille für Deutschland gewonnen. In einem dramatischen Finale verloren sie das Duell gegen die Australier, fuhren aber sicher Bronze nachhause.

Der Doppelsalto ins Glück. © Sailing Energy

Der Doppelsalto ins Glück. © Sailing Energy

Interview mit Erik Heil in der Mixed Zone Teil “Der Fehler am Start”

Interview mit Erik Heil in der Mixed Zone Teil II “Der goldene Löffel”

Das deutsche Duo wollte das Finale beim Start ohne großes Risiko angehen. “Es war die vermeintlich sicherste Position am Startschiff”, sagt Steuermann Erik Heil. Als oberstes Schiff wollte er mit Thomas Plößel am Draht den kontrollierenden Platz in Luv einnehmen.

Aber dann kommt alles ganz anders. “Wir haben uns etwas verschätzt mit dem Strom. Der war stärker einlaufend, als wir gedacht haben. Plötzlich waren wir in einer Sch… Position.” Das deutsche Duo dreht weg vom Startschiff, nimmt in Luv Fahrt auf und versucht noch einmal mit voller Fahrt in Luv zwischen den Briten und dem Startschiff durchzustoßen.

Aber das Vorhaben ging dann doch in die Hose. Die Abdeckung vom Startschiff mag zu groß gewesen sein, oder der Abstand nach Lee zum Briten zu klein. Die Deutschen kommen jedenfalls in den Abwinden der Gegner von der Startlinie weg. Schlimmer geht es nicht.

Nutznießer sind die Australier, die aus der Mitte sicher ihren Vorsprung vor den Deutschen behaupten. Ein Boot müssen sie zwischen sich und die Gegner bringen, um Silber zu sichern. Und das scheint problemlos zu klappen.

Aber nach zwei Deckungswenden haben Outteridge und Jensen, die Olympiasieger von London plötzlich so viele Meter verloren, dass sie nur noch einen Rang vor den Gegnern liegen. Silber würde damit nach Deutschland gehen.

Aber die America’s Cup Segler für das Artemis-Team spielen ihre ganze Routine aus, segeln immer weiter nach vorne und auch die Briten stoßen bis auf Platz vier vor während Erik und Tommy vor dem Wind von den Iren auf den letzten Platz verwiesen werden. Wenn England sich noch einen Platz vorarbeitet, ist auch die erste Medaille seit acht Jahren für den DSV futsch.

Aber dann kentern die Briten am Leetor. GER greift noch einmal mit einem Extremschlag über die rechte Seite an. “Da haben wir noch mal Druck gesehen und dachten, das läuft”, sagt Erik Heil über den Hoffnungsschimmer. “Aber dann ist der Wind nicht runter gezogen, und wir standen in einem Loch.”.

Damit war Silber zerronnen aber Bronze gewonnen. “Wir haben vorher gesagt, dass die drei Punkte eigentlich nicht kontrolliert zu verteidigen sind bei 40 Grad-Drehern. Deshalb ist alles gut, alles Topp, geile Woche.”

Burling/Tuke zu stark

Die beiden deutschen Skiffsegler machen sich nicht lange Gedanken über das verlorene Silber. Eigentlich hieß es schon vor den Regatten, dass Gold und Silber an Neuseeland und Australien vergeben seien. Zu stark waren Burling und Tuke und zu sehr hatten Outteridge/Jensen in den vergangenen Monaten aufgeholt.

Die Sparringspartner Justus Schmidt und Max Böhme hatten vorher gesagt, dass der Rest des Feldes eigentlich nur noch um Bronze segelt. Umso erstaunlicher war es, dass die Freunde bis zur Hälfte der Woche sogar die Kiwis angreifen konnten. Beim Test-Event in Rio vor einem Jahr gab es das gleiche Ergebnis. Ebenfalls Bronze hinter Neuseeland und Australien.

Aber die Routine und gewissenhafte Vorbereitung zahlte sich aus. Mit ungeheurer Sicherheit zirkelten die Berliner vom Norddeutschen Regatta Verein ihre Top-Plätze in das dreckige Wasser unter dem Zuckerhut.

In Quarantäne

Und so souverän gingen sie auch den letzten Tag an, an dem sie sich für die harte Arbeit in 16 Jahren gemeinsam auf einem Boot belohnen sollten. Um 11.18 Uhr betreten Erik Heil und Thomas Plößel den Quarantänebereich auf dem Hafenvorfeld, wo die 49er über Nacht bewacht wurden, um Sabotage und Vermessungsbetrug auszuschließen.

Als Zweite nach den Polen bringen sie das Projekt Olympiamedaille auf den Weg. Bootspersenning ab, Räder an den Slipwagen, Gennaker anschlagen. Geradezu sanft absolvieren die Deutschen ihre Routine. Die Briten folgen bald. Die Aussies lassen von ihrer Shore Crew arbeiten, die vorzeitigen Goldmedaillengewinner aus Neuseeland später als Letzte auch.

„Durch unsere mehr als 70 Trainingstage vor Ort sind die Jungs schneller als die meisten, wenn es um die Trimmeinstellungen geht“, erläutert Trainer Thomas Rein, „Und oft wissen Sie dann auch auf dem Wasser besonders in den ersten Tageswettfahrten als Erste, wo es langgeht.“ Auch er hat maßgeblichen Anteil der gewissenhaften Vorbereitung und den Grundlagen des Erfolgs.

“Mensch wenigstens eine Medaille…”

13 bis 16 Knoten aus 190 bis 200 Grad hat Teammeteorologe Meeno Schrader vorhergesagt. Idealbedingungen. Und er hat nicht zu viel versprochen. Ein Traum von Segeltag wartet zum Regattaschluss auf der zuvor viel gescholtenen Guanabara-Bucht.

In der Nacht um halb zwei hatte der Chef de Mission der gesamten deutschen Olympiamannschaft, Michael Vesper, noch im Vorbeilaufen nach den goldenen Beachvolleyballfinale der Frauen gesagt: „Mensch, wenigstens die eine Medaille müsst ihr Segler doch holen!“

Erik, der sich bei der Testregatta vor einem Jahr auf dem bakteriell stark belasteten Gewässer eine schlimme Hautinfektion an Bein und Hüfte zugezogen hatte, die er im Krankenhaus operieren und mit starken Antibiotika behandeln lassen musste, hat seinen Frieden geschlossen mit der Bucht. „Das Wasser und ich sind Freunde geworden diese Woche, denn es ist auch viel sauberer als vor einem Jahr. Und das Revier fand ich ja schon immer gut.“ Bei den Testregatten in Rio war das Team bestens unterwegs.

“Der Hammer”

So fanden dei deutschen Skiffsegler von Anfang an eine gute Beziehung zu dem komplizierten Revier mit den vielen unterschiedlichen Bahnen. Nach dem finalen Erlebnis sind sie überwältigt.

„Bei den ersten Olympischen Spielen Bronze zu gewinnen, ist der Hammer. Wir hatten eine anstrengende, aber sehr erfolgreiche Woche. Hätte man uns vor den Spielen die Medaille angeboten, hätten wir sofort unterschrieben“, sagt ein überglücklicher Thomas Plößel.

Ein Schlüssel zu Erfolg war die starke Zusammenarbeit mit Schmidt/Böhme, die sie bei der Qualifikation bis zum äußersten gefordert hatten und auch in der Lage gewesen wären, die Rio-Medaille abzuhlen.

Erik Heil verweist sofort auf diesen Erfolgsfaktor, den sie im Vergleich zu den meisten Gegnern schneller machte. „Wir hatten mit Justus Schmidt und Max Boehme die beste Trainingsgruppe der Welt. Wir wussten, egal wer von uns im 49er in Rio antritt, wird eine Medaille gewinnen und jetzt stehen wir hier – unfassbar.“

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