Olympia Weltcup Hyères: Taktik-Duell im Replay. Stanjek erklärt Star-Medalrace

Am Ziel abgestreift

Die Ziellinie im Blick wird FRA 8237 (Rohart) von seinem Landsmann am Finish vorbei gejagt.

Man könnte die Diskussion über den Sinn und Unsinn der Medalraces aufnehmen angesichts der Tatsache, dass in Hyères bei sieben von zehn Bootsklassen die Sieger bereits vor dem doppelt zählenden nicht streichbaren Finalrennen feststanden. Aber das Top Ten Rennen liefert auch Dramatik auf den folgenden Plätzen.

Die Medalraces beim Olympia Weltcup in Hyères sind allesamt im Replay nachvollziehbar. Jeweils als selbst steuerbares Tracking Tool oder als animerte Youtube Zusammenfassung. Dabei werden erstaunliche Zweikämpfe auf der Bahn deutlich.

So stolpert man beim Zieleinlauf der Starbootklasse (Replay bei 0:33) über ein heftiges Duell der Franzosen. Guillaume Florent blockiert seinen Kontrahenten Xavier Rohart so sehr, dass der auf dem Vorwindkurs wenden muss, um ins Ziel segeln zu können.

Grün (Florent) versperrt blau (Rohart) den Weg zum Ziel, der sich durch eine Wende lösen kann und so nur zwei Plätze verliert, aber Gesamtplatz zwei sichert.

Taktisch, strategisch ist die Situation auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar. Denn Florent hätte in der Gesamtwertung nicht mehr an seinem Kontrahenten vorbeiziehen können. Warum das Ganze?

Robert Stanjek achter im Medalrace und der Gesamtwertung gibt die Aufklärung. “Für die Franzosen hat die Olympiaausscheidung schon begonnen. Die beiden haben sich auch schon in Palma beharkt.”

Das Problem bei der französichen Ausscheidung: Es gibt kein festes System. Alles zählt irgendwie. Am Ende entscheidet der Verband. Florent, der den renommierten Bacardi Cup in Miami gewonnen hat, wollte verhindern, dass sein Kolleg unter die top drei segelt.

Vielleicht wollte er das durch eine Regelverletzung des Gegners erzwingen. Mit Wind von Steuerbord konnte er verhindern, dass Rohart vor seinem Bug halst. Er musste nur aufpassen, dass er nicht in den Dreilängenkreis an der Zieltonne einfährt. Sonst hätte er dem Kontrahenten Innenraum geben müssen.

Das ist übrigens keine spezielle Match Race- oder Medalrace-Regel. Sie gilt für jede Wald- und Wiesen-Regatta. Man muss den Gegner nicht ins Ziel lassen, wenn man auf diese Weise Vorfahrt hat. Allerdings konnte Florent so nur selber knapp verhindern, dass der Schweizer Marazzi ihn noch einholt. Es wäre fast ein Eigentor geworden.

Stanjek konnte das Duell nur aus der Entfernung betrachten. Er hatte die Luvtonne auf Platz drei gerundet und war mit einem starken Rechtsdreher sofort gehalst. “Aber die Bedingungen änderten sich sofort wieder”. Das deutsche Duo verholte sich von zwei auf zehn.

“Diese 20 Minuten Medalraces unter Land sind schweinisch”, sagt Stanjek. “Bestimmt toll für die Zuschauer, die direkt auf der Mole standen, aber sportlich sehr grenzwertig. Gott sei Dank waren die Punktabstände so groß, dass es keine großen Auswirkungen hatte.”

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Ergebnis

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Carsten Kemmling

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9 Kommentare zu „Olympia Weltcup Hyères: Taktik-Duell im Replay. Stanjek erklärt Star-Medalrace“

  1. avatar Wilfried sagt:

    Hallo Carsten,

    ich fahre ja nicht so häufig im In-fight raumschots ins Ziel. Aber gilt da wirklich Innenraum? Ist das neu?

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    • avatar Carsten sagt:

      nee ist nicht neu. auch um das zielschiff gibts einen kreis und innenraum. egal ob in luv oder lee

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      • avatar Wilfried sagt:

        uups, da bin jetzt ja schlauer. Ich meine dass ich schon zich-mal an der luvseitigen Ziellinienbegrenzung abgestreift wurde mit dem Hinweis, dass hier nur Lee vor Luv gelte, da die Zielmarke keine zu rundende Bahnmarke sei.

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        • avatar Christian sagt:

          leider kennen diese Regel (Bahnmarkeraum an den Ziellinienbegrenzungen) wirklich nicht viele Regattasegler. Gibt dann immer hässliche Protestverhandlungen.

          Überhaupt ist die Regel 18 samt ihren vielen Unterregeln mit Abstand die Anspruchvollste unter den Segelregeln.

          Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

          • avatar Wilfried sagt:

            na, dann hoff ich nur das wenigstens das Schiedsgericht sie kennt 😉

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  2. avatar Trung sagt:

    Sind Zielschiff und Zieltonne umschiffbar (also jeweils kein ausgedehntes Hindernis), sind sie wie normale Bahnmarken zu behandeln (siehe WR 18). Dadurch ergibt sich ein Unterschied zwischen Ziel in Luv und Downwindziel, die manch einer nicht kennt.

    Ist das Ziel in Luv so gilt WR 18 nicht, wenn die begegnenden Boote Wind von verschiedener Seite haben (siehe WR 18.1(a)). Also hat das Innenliegende Boot, wenn es Wind von Backbord hat gegenüber einem Boot mit Wind von Steuerbord kein Innenraum und muss nach WR 10 durch eine Wende oder am Heck vorbei ausweichen.

    Begegnen sich dagegen zwei Boote mit Wind von Steuerbord und Wind von Backbord bei einer Downwind-Zielmarke, so hat das innenliegende Boot gemäß WR 18.2 Raum und auch ein Boot mit Wind von Steuerbord muss so halsen, dass der Innenlieger die Zielmarke auf der richtigen Seite passieren kann.

    Ich persönlich mag Downwindziel lieber, weil es spannender ist (schwerer eine Führung zu verteidigen als auf der Kreuz).

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    • avatar Trung sagt:

      kleine Korrektur: er muss nicht halsen, er kann auch so tief fahren, dass der Innlieger genug Raum zum Passieren hat.

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  3. avatar Christian sagt:

    @wilfried: Darauf würde ich mich nicht 100% verlassen, dass das Schiedsgericht die Regel 18 voll drauf hat… als gelegentlicher SR gebe ich offen zu, dass ich in vielen Fällen nachschauen müsste, z.B. bei Uli Finckh oder im case book. Vertrauen gegenüber der Jury ist also gut, Kontrolle besser 😉

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    • avatar Wilfried sagt:

      hast Recht. Ich habe auch schon gelegentlich SR bei Clubregatten gemacht um die Veranstaltung zu retten. Mich hat immer die Unkenntnis der Clubsegler gerettet die nicht protestiert haben. Da sieht man mal wie gut es ist, wenn der Protest ne Kiste Bier kostet 😉

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