Olympia World Cup: Buhls perfekter Start – Bei den Lasern funktioniert das World-Cup-Prinzip

Neues Spiel mit der Massenflotte

Philipp Buhl ist beim ersten Olympia World Cup der Saison ein perfekter Start geglückt. Bei Leichtwind in Miami scheint ihm das neue Format besonders zu liegen. Stark aus deutscher Sicht: Ein deutscher Oldie, zwei Favoritinnen und ein Newcomer-Duo.

Philipp Buhl, Miami

Philipp Buhl mit starkem Leichtwind-Auftakt im 70 Boote-Feld. © Jesus Renedo /Sailing Energy/World Sailing

Der deutsche Lasersegler Philipp Buhl (28) ist bärenstark in die neue Saison gestartet. Beim ersten Weltcup 2018 liegt er nach den ersten beiden von zehn geplanten Rennen komfortabel in Führung. Das Ergebnis ist umso bemerkenswerter, weil sich Buhl zuletzt beim Weltcup in Japan mit Rang 14 noch zurückgehalten hatte, der leichte Wind in Miami nicht gerade zu seinen liebsten Bedingungen gehört und das Feld bei den Lasern so stark besetzt ist, wie in keiner anderen Klasse.

70 Boote sind am Start, darunter die drei Olympia-Medaillen-Gewinner sowie die Top 15 der Weltrangliste. Anders als in anderen Klassen ist im Laser ist eine solche Versammlung auf einem exotischen Revier wie Miami möglich, weil der teure Material-Transport entfällt. Die Boote sind so gleich, dass durch Charterboote kein sportlicher Nachteil besteht. Die Athleten können nur mit Pinne und Segel im Gepäck zu weit entfernten Wettkampf-Orten anreisen.

Deshalb hat das neue World-Cup-System wohl auch nur im Laser und bei den Surfern die Chance, eine echte Bedeutung zu erreichen. Kleinere Nationen können es sich nicht leisten, drei Jahre vor den nächsten Olympischen Spielen ihre Boote um die Welt zu schicken.

Bemerkenswert ist es auch, dass Buhl mit den Plätzen 6/3 noch vor einem Jahr kaum in den Top Ten gelandet wäre. Aber damals wurde das Feld auch noch in drei Gruppen aufgeteilt. Das neue Weltcup Format sieht nun vor, dass die eingeladenen Sportler zehn Rennen in der großen Flotte segeln.

Dadurch verändert sich das strategische Spiel massiv. Eine Regatta mit 70 Booten an der Startlinie lässt keine Kontrolle des Feldes wie bei den kleinen Flotten zu. Risiken müssen neu bewertet werden, und bei nur einem Streicher entscheiden am Ende hohe Punktzahlen über den Einzug in das Medalrace der Top Ten.

Buhl scheint der Umgang mit der Massenflotte offenbar zu liegen. Gute Starts waren die Schlüssel zu den ersten beiden Rennen, und dann passte auch die richtige Seiten-Wahl auf der ersten Kreuz. Die Top-Favoriten haben dagegen schon heftige Rückschläge einstecken müssen: Olympiasieger Tom Burton (AUS) ist 14.  (3/34), Bronze-Gewinner Sam Meech (NZL) 10. (12, 16), Weltmeister Kontides (CYP)  28. (33/26), und der Rio-Silber-Kroate Stipanovic ist nach einem Frühstart 47.

Jurczok/Lorenz Zweite

Bei den 49er FX-Frauen dagegen ist das Feld mit 21 Booten überschaubar wie gehabt. Und Victoria Jurczok mit Anika Lorenz wurden mit den Plätzen 2/5 ihrer Favoritenrolle im Feld ohne die großen Stars auf dem bisherigen Gesamtrang zwei gerecht. Tina Lutz und Susann Beucke belegen zum Neustart ihrer Olympia-Kampagne Rang neun.

Anna Tunnicliffe

Anna Tunnicliffe zeigt ihren Two Pack Bauch bei der CrossFit Klimmzug-Übung. © Cross Fit Regionals

Spannend in dieser Klasse ist das neue US-Duo Paris Henken/Anna Tobias. Denn dahinter verbirgt sich Anna Tunnicliffe, die wohl stärkste Seglerin der Welt aber auch zweifache Rolex World Sailor of the Year Gewinnerin, Laser Radial Olympiasiegerin 2008 und Match Race Weltmeisterin. Nach drei Jahren Segelpause hatte sie eigentlich ihr Comeback im Laser Radial feiern wollen, aber nun versucht sie sich als Vorschoterin. Ein 9 und letzter Platz (20.) stehen bisher zu Buche.

Aus deutscher Sicht ist in dieser Olympiade bis Japan besonders die 49er-Klasse der Männer spannend zu verfolgen. Zwar arbeiten Erik Heil / Thomas Plößel und Justus Schmidt / Max Böhme erneut auf höchstem Niveau miteinander – beim nächsten Event tauschen sie sogar die Vorschoter – aber von hinten drängt auch der Nachwuchs.

In Miami sind in Abwesenheit der beiden Top-Teams drei deutsche Schiffe am Start, und besonders Tim Fischer / Fabian Graf haben schon das Zeug, ganz vorne mitzuspielen. Im 38-Boote-Feld liegen die Berliner nach zwei Rennen auf Rang fünf.

Polgar/Werner lassen aufhorchen

Große Beachtung findet auch die Olympia-Kampagne vom ex Tornado-Olympioniken Johannes Polgar, der es mit 40 Jahren noch einmal wissen will. Miami ist die erste große Regatta mit seiner Partnerin Carolina Werner, die nach der Trennung von Paul Kohlhoff an den Draht von Polgar gewechselt ist.

Polgar/Werner

Claudia Werner balanciert weit vorne für den optimalen Foil-Trimm. © Jesus Renedo /Sailing Energy/World Sailing

Polgar/Werner

Das Nacra17-Feld vor der Miami Skyline. © Jesus Renedo /Sailing Energy/World Sailing

Polgar/Werner

Polgar/Werner © Jesus Renedo /Sailing Energy/World Sailing

Altmeister Santiago Lange hat es vorgemacht, dass im Katamaran selbst ein Ü-50-Segler noch die Goldmedaille gewinnen kann, aber nun sind die Nacra 17 zum Voll-Foiler umgebaut worden. Können die alten Recken dann immer noch von ihrer Tornado-Erfahrung zehren?

Zumindest bei leichtem Wind scheint es zu funktionieren. Polgar/Werner schlossen den Tag mit einem zweiten Rang ab und liegen nach 9/11/2 auf Rang sieben. Zwar sind nur 19 Boote am Start, aber darunter befinden sich alle drei Steuermänner der Olympiamedaillen-Gewinner. Der Österreicher Thomas Zajak mit neuer Vorschoterin Barbara Matz hat die Führung übernommen.

Ergebnisse Miami World Cup

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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