Finn Dinghy Junioren WM: Phillip Kasüske holt Titel – Drama für Max Kohlhoff

Weltmeister!

Phillip Kasüske (21) segelt in einem nervenaufreibenden Finale zum U-23-WM-Titel. Damit hat seit ewigen Zeiten wieder einmal ein deutscher Finnsegler Grund zum Feiern.

Die Geschichte der Finn-Dinghy-Segelei in Deutschland hat eine lange Tradition und kann auf große Erfolge zurückblicken. Aber es ist jetzt schon zwölf Jahre her, dass ein deutscher Segler überhaupt bei Olympia starten durfte. Und vor Rio wird erneut kein Segler in der Ü-95-Kilo-Bootsklasse an den Start gehen.

Finn Dinghy Kasüske

Große Genugtuung nach der verpassten Olympia-Quali. © Robert Deaves

Alles wie gehabt also, und dennoch ist die Lage nicht so verzweifelt, wie man denken mag. Eine neue hungrige Finn-Truppe hat sich vor drei Jahren die Aufgabe gestellt, den Gipfel zum Finn-Dinghy-Olymp zu erklimmen.

Rio-Quali kam zu früh

Der ehemalige dänische Nationaltrainer Per Baagøe wurde als Coach engagiert. Er sollte eine junge Finn-Gruppe aufzubauen, die sich für Olympia 2020 in Japan an die Weltspitze heranpirschen kann. Die Jungs arbeiteten hart, und kurzzeitig sah es so aus, dass vielleicht schon 2016 die Qualifikation für Rio herausspringen könnte. Schließlich gelang Phillip Kasüske schon bei der Finn-Dinghy-WM im Mai ein sensationeller zehnter Platz.

Finn Dinghy Kasüske

Mit der Flagge in den Hafen. © Robert Deaves

Aber für die Rio-Qualifikation war das zu spät. Und so wollte sich der Berliner vom Verein Seglerhaus am Wannsee bei der U-23-Junioren-WM schadlos halten. Er startete nach seinem WM-Triumpf beim Silver Cup als Mitfavorit. Aber die Regatta war alles andere als ein Selbstgänger.

Nach einer soliden, kontrollierten Serie bei sehr gemischten Bedingungen zeigte er im Finale schließlich die nötige Nervenstärke, um den Titel im Feld der 35 Boote aus 15 Nationen zu holen.

Finn Dinghy Kasüske

Kasüske beim Vorwind-Pumpen. Keiner war so schnell wie er. © Robert Deaves

Eigentlich schien die Entscheidung im Duell mit dem Titelverteidiger Ondrej Teply aus Tschechien schon früh für den Deutschen nach der ersten Kreuz gefallen zu sein. Aber dann ließ Kasüske seinen Konkurrenten auf der folgenden Kreuzstrecke alleine nach rechts segeln.

Vorwind-Turbo

Coach Per Baggoe raufte sich die Haare, als sein Schützling hinter den Gegner zurückfiel, beide auf den Plätzen sieben und acht die Tonne rundeten und der Titel plötzlich in große Gefahr geriet. Aber dann zündete der Youngster wieder den Vorwind-Turbo, der ihn schon in der gesamten Woche aus misslichen Situationen gerettet hat. Kasüske wurde noch fünfter und Teply fiel auf Rang neun zurück. Gold für Deutschland!

Finn Dinghy

Der dänische Coach Per Baggoe freut sich über den Titel. © Robert Deaves

Bronze hinter dem Tschechen holte der Argentinier Facundo Olezza, der sich als einziger des Youngster-Feldes auch für Rio qualifiziert hatte. Er sorgte besonders bei Kasüskes Trainingspartner Max Kohlhoff für Unmut, weil er einen Protest gegen den Südamerikaner verlor.

Kohlhoff hatte am vierten Tag die Plätze 1/2 gesegelt und war zum Titelaspiranten aufgestiegen. Aber am Ende des Tages prangten zwei DSQs auf der Ergebnisliste. Im zweiten Rennen segelte wie alle ersten elf Boote an der Ablauftonne vorbei und wurde disqualifiziert.

Finn Dinghy Kohlhoff

Max Kohlhoff war besonders bei Starkwind sehr schnell unterwegs. © Robert Deaves

Im ersten Rennen geriet er mit dem Argentinier bei der Luvtonne aneinander (Möglicherweise in dieser Situation –  Video) und verlor den anschließenden Protest. Er zeigte aber eine starke Vorstellung und gehörte besonders bei Starkwind zu den Schnellsten. Mit einem Sieg im Abschlussrennen hievte sich Kohlhoff noch auf Platz sieben.

Mit den beiden deutschen Spitzen-Junioren und drei weiteren Seglern Nachrückern in der Trainingsgruppe ist der Weg vorgezeichnet, den deutschen Finnseglern lange vergessenen Ruhm einbringen könnte. So können die Athleten nur  hoffen, dass die Disziplin für Tokio nicht in Frage gestellt wird.

Finn Dinghy Kasüske

Kasüske beim Vorwind-Pumpen. Keiner war so schnell wie er. © Robert Deaves

Finn Dinghy Kasüske

Nach dem Ziel das Schiffchen tätscheln. © Robert Deaves

Finn Dinghy Kohlhoff

Kohlhoff bei der Rollwende. Lange Zeit war er auf Titelkurs. © Robert Deaves

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Finn Dinghy Junioren WM: Phillip Kasüske holt Titel – Drama für Max Kohlhoff“

  1. avatar Fakt sagt:

    Schön, dass YACHT und SR berichten, denn auf der Seite der Klassenvereinigung steht die “Brandenburgische Meisterschaft” im Vordergrund 🙂 http://www.finnwelle.de/home/

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 1

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