Kieler Woche: Vier deutsche Siege, Schadewaldt/Baumann aufgelaufen

Revanche geglückt

Philipp Buhl ist nach verlorener Olympia-Quali wieder gut drauf und besiegt Grotelüschen im Kieler Woche Medalrace. © OK Press

Einmal mehr bot das Medal Race zur Kieler Woche den krönenden Abschluss der Regatten in den olympischen Disziplinen. Und erneut war es das Finale der Laser Männer, das die Zuschauer bei der Live-Übertragung vor der Bühne an der Audi Lounge in seinen Bann zog. Philipp Buhl (Sonthofen) glückte dabei die Revanche für das Vorjahr, indem er sich mit dem Abschlusssieg noch in der Gesamtwertung an Simon Grotelüschen (Kiel) vorbei schob und seinen zweiten Worldcup-Sieg in diesem Jahr feierte.

Zudem gab es deutsche Siege durch Ferdinand Gerz/Patrick Follmann (München) und Annika Bochmann/Elisabeth Panuschka (Berlin/Uerdingen) jeweils im 470er sowie Tobias Schadewaldt/Hannes Baumann (Kiel), die ihren 49er-Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigten. Nach Estland an Deniss Karpak ging der Finn-Titel und im paralympischen 2.4mR triumphierte der Topfavorit Damien Seguin aus Frankreich. Im Laser Radial musste Franziska Goltz (Kiel) den Gesamtsieg in einer Millimeter-Entscheidung noch der Weißrussin Tatiana Drozdovskaya überlassen.

Link zur Übertragung der Medal-Races bei KW TV mit Segelreporter.com im Studio. (draufklicken)

Es war eine Szene höchster Anerkennung, mit der Titelverteidiger Simon Grotelüschen seinem Thronfolger Philipp Buhl unmittelbar nach dem Zieldurchgang zum Kieler-Woche-Sieg gratulierte. Noch auf dem Wasser hatte der Kieler das gelbe Trikot des Führenden, mit dem er in das Finale gegangenen war, ausgezogen und überreichte es seinem Konkurrenten.

Mit Faust-auf-Faust beglückwünschten sich beide dann zum deutschen Doppelerfolg. „Ich bin sehr glücklich, nach der knappen Niederlage im vergangenen Jahr nun den Sieg feiern zu können“, sagte Buhl. Er hatte den Erfolg auch einem taktischen Fehler von Grotelüschen zu verdanken. Der lag auf der Startkreuz prächtig vor seinem Verfolger, hatte alles unter Kontrolle, gab dann aber ohne Not die Deckungsposition auf.

Bis zur ersten Bahnmarke schrumpfte so sein Vorsprung bis auf eine Bootslänge zusammen. Und nach einem wechselhaften Vorm-Wind-Kurs wurde Grotelüschen auf die linke und damit ungünstigere Seite gezwungen. Während Buhl an die Spitze segelte, rutschte der Titelverteidiger weit zurück.

Im weiteren Rennverlauf gab es zwar noch ein paar Verschiebungen, doch im Schlusspurt gewann Buhl das Rennen und die Kieler Woche. Damit schwang er sich auch im Worldcup zum besten Deutschen in allen Disziplinen auf, sprang in der Abschlusswertung auf den zweiten Platz.

Eine erfolgreiche Titelverteidigung gelang den 49ern Tobias Schadewaldt/Hannes Baumann, die im Finale allen Widrigkeiten trotzten und mit einer starken Vorstellung deutlich machten, dass sie sich selbst von einer Sandbank nur stoppen, aber nicht aufhalten lassen.

Nach einem perfekten Start zog es die Lokalmatadore auf ihrem Heimatrevier in der Strander Bucht auf die linke Seite. Doch sie reizten den guten Lauf zu lange aus. Mit einem Schlag wurde das Wasser hell, der Grund kam nah und plötzlich saßen die Führenden auf Sand. Bis das Schwert gezogen und das Boot wieder frei war, hatten sich sieben Konkurrenten vor die Deutschen geschoben.

Der Traum vom zweiten Sieg vor Kiel in Folge drohte zu platzen. „Von da an mussten wir die Aufholjagd starten und sind happy, dass es noch geklappt hat“, freute sich Tobias Schadewaldt. Mit einem guten Auge für den richtigen Winddruck auf der rechten Seite schob sich das Team auf der abschließenden Kreuz auf Platz drei, verteidigte diesen bis ins Ziel und gewann damit vor den Franzosen Mathieu Frei/Yann Rocherieux den Titel.

„Wir wollten auf die rechte Seite, die Konkurrenten haben uns die Tür aufgemacht und dann hat es sich genau so entwickelt, wie wir gehofft hatten“, berichtete Schadewaldt von der Schlüsselszene, die ihnen noch den Erfolg einbrachte.

Fast schon unspektakulär verlief dagegen das 470er-Finale der Männer. Ferdinand Gerz/Patrick Follmann legten einen guten Start hin, hatten das Feld unter Kontrolle und konzentrierten sich schließlich auf die direkten Konkurrenten Magnus Masilge/Moritz Klingenberg (Potsdam). Rang drei im Ziel reichte Gerz/Follmann schließlich zum Gesamterfolg. Dass die internationale Konkurrenz nicht in breiter Front angetreten war, störte Gerz nicht: „Das ist ein super Gefühl, denn die Kieler Woche ist einfach die Kieler Woche.“

Ihr Glück kaum fassen konnten die 470er-Frauen Annika Bochmann/Elisabeth Panuschka (Berlin/Uerdingen). „Für mich ist das der Wahnsinn. Vor einem Jahr war ich noch Steuerfrau und auf der Suche nach einer Partnerin. Jetzt bin ich an der Vorschot und feiere mit Annika den Kieler-Woche-Sieg“, strahlte Elisabeth Panuschka.

Es ist der Höhepunkt einer rasanten Entwicklung. Denn nach der Trennung von ihrer Ex-Vorschoterin holte sich Bochmann im vergangenen Herbst Panuschka an Bord. In der zweiten gemeinsamen Regatta gewann das Duo gleich die Vizeweltmeisterschaft der Junioren, es folgten Top-Platzierungen im Worldcup und nun der Sieg auf dem Heimatrevier. Jetzt geht der Blick von Bochmann/Panuschka bereits in Richtung Olympia 2016.

Zweigeteilt fiel das Resümee vom Organisationsleiter Jobst Richter aus: „Wir hatten einen traumhaften Abschluss, bei dem auch noch fünf Kiter zeigen konnten, wie ihre Disziplin in Zukunft gestaltet werden könnte. Aber die geringen Meldezahlen der olympischen Klassen haben uns schon sehr weh getan, vor allem, dass die Surfer ganz weggefallen sind.“

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Kieler Woche: Vier deutsche Siege, Schadewaldt/Baumann aufgelaufen“

  1. avatar Ballbreaker sagt:

    Glückwunsch an Philipp und Simon!

    Ich finds einfach nur geil, wie die beiden sich gegenseitig immer weiter pushen; trotzdem immer fair miteinander umgehen und auch über ihre Trainingsgruppe hinaus befreundet sind!

    AUCH SO, kann professionelle “Konkurrenz” im Leistungssport aussehen!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

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