Olympia 2012: Deutsch britisches Surf-Duell um Edelmetall wird fies

"Ich verliere nicht gern gegen einen Deutschen"

Modellathlet Toni Wilhelm nähert sich mit einem Tagessieg dem Edelmetall. © Marina Könitzer

 

Toni Wilhelm düste dem dominanten Dorian weg und düpiert Dickschädel Dempsey mit Tagessieg und punktgleichem Podiumsplatz. Moana Delle surft schnell und badet kurz. Aber sie ist noch in Schlagweite zum Edelmetall. Simon Grotelüschen geht medaillenlos ins Medalrace.

Die Szene war bezeichnend: Dorian van Rijsselberge gratulierte Toni Wilhelm mit einem kräftigen Handshake zum Tagessieg, während der Brite Nick Dempsey eine Ecke weiter über die Wettfahrtleitung moserte. Der Holländer und der Deutsche mögen sich – auch nicht alltäglich – aber in der bunten Surfszene gang und gäbe.

Der Engländer dagegen gilt dort als Eigenbrötler und Sonderling. Und ein freundlicher Gastgeber der Olympischen Spiele ist er auch nicht gerade: „Ich verliere nicht gerne gegen einen Deutschen.“ Ein Miesepeter und verbissen, wie das gesamte Segelteam Großbritanniens, für das nur Gold und schon gar kein Gegner zählt.

Doch für Dempsey geht es wohl „nur“ noch um Silber, und das ausgerechnet gegen einen Deutschen. Mit Wilhelm ist er vor den letzten beiden Rennen am Sonntag punktgleich ehe zwei Tage später das Finale ansteht. Der Brite hat nur aufgrund seiner beiden Tagessiege den Bug vorn. „Der kann sich gerne aufregen, ich bleibe ganz locker“, so der 29-Jährige deutsche Surflehrer und -trainer, der einen Start-Ziel-Sieg herausfuhr.

Dempsey abgestraft

„Super-geiler Start, mit guter Höhe und Geschwindigkeit über die linke Seite genau auf die Anliegelinie“ – weg war der Toni schon an Tonne eins. „Saubere Taktik, die anderen mussten früher wenden und haben die Kanten so nicht richtig mitbekommen“, erklärte der Sieger, der seiner Freunde hinter der Ziellinie lauthals freien Lauf ließ und vor Trainer Pierre Loquet im Coachboot ins Wasser fiel.

Hinter ihm schien Dempsey in den Gabelbaum zu beißen. Vor der letzten  Luvtonne hatte der Brite zum riskanten Angriff geblasen und wurde prompt abgestraft. Van Rijsselberge zog vorbei, ließ ihn im Kielwasser stehen, wurde Zweiter und brachte so noch einen Punkt dazwischen.

Wilhelm: „Dorian surft in einer anderen Welt. Wenn einer hier Gold verdient hat, dann er.“ Der Niederländer hatte das erste Tagesrennen gewonnen, in dem der Baden-Württemberger Sechster wurde. Sein Vorsprung beträgt schon 15 Punkte. Am Sonntag könnte der lässige 23-Jährige mit wenig Haar und cooler Sonnenbrille erster vorzeitiger Olympiasieger werden, wenn er 19 Punkte Vorsprung hinbekommt.

Moana Delle verlor drei Rennen vor Schluss an Boden. © Marina Könitzer

Mit dem Po ins Wasser

„Ich habe den Bademeister gemacht“, berichtete Moana Delle von ihrer Kenterung im zweiten Tagesrennen. Der Trapeztampen war beim Trimmen des Segels aus der Klemme und die Studentin mit dem Po ins Wasser gerutscht. Sie kippte nach Luv um. Der Fehler beim Routinegriff war ärgerlich. Aber die Hektik auf dem engen Nothe-Kurs, Adrenalin pur, da geht schon mal was schief.

„Das hat mich doch einige Plätze gekostet, aber unterm Strich sollte ich mit dem Tag wieder sehr zufrieden sein“, so die 23-Jährige, „leider kann ich mit dem Speed von Maslivets, Korsiz und Alabau nicht ganz mithalten. Da fehlen mit die Fertigkeiten.“

Die Surferinnen beim Start direkt unter Land. © Marina Könitzer

 

Beim zweiten Start versackte Delle etwas, musste rauswenden und wieder zurück, um auf die erneut bevorteilte linke Seite zu kommen. Aber zwei Wenden kosten bei den Surfern besonders viele Meter. So wurde es nicht die beste Startkreuz. Rang 11 an der Luvtonne. Aber auf dem Vorwindkurs hat sie immer aufgeholt, bis auf Rang sechs nach dem zweiten Vorwind. Dann die Kenterung. Sie kostete zwei Plätze und den Rhythmus. Nach vorne ging nichts mehr.

Sie wurde Vierte und Neunte und liegt drei Rennen vor Schluss mit 34 Punkten sieben Zähler hinter dem Podium zurück. „Ich bleibe locker und mache mich vor den letzten beiden Rennen nicht verrückt. Bislang habe ich mich ja selbst positiv überrascht”, sagte die Kielerin.

Die Spanierin Alabau führt nur noch knapp vor Israel. © Marina Könitzer

 

Fieser erwischte es Zofia Noceti-Klepacka. Die Polin surfte als Vierte aufs Ziel zu, dachte aber sie müsste noch eine Runde über den Parcours – als sie den Fauxpas erkannte, war sie nur noch 21. Es führt weiter die Spanierin Marina Neira Alabau (15) vor der Tagesbesten Lee-Ei Korsiz aus Israel (18). 

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2 Kommentare zu „Olympia 2012: Deutsch britisches Surf-Duell um Edelmetall wird fies“

  1. avatar Philipp sagt:

    Es freut mich als Windsurfer und Segler, dass ihr Segelreporter so viel über das Stehsegeln berichtet (ob das auch so wäre, wenn die Surfer nichts reißen würden, sei mal dahin gestellt 😉 ) !!
    Allen Seglern die gegen das Windsurfen wetter, sei gesagt, dass die meisten Windsurfer auch ohne Probleme auf einem Segelboot eine gute Figur machen!

    Auch die Tickermeldungen auf Facebook finde ich super! Sie sind ideal für Leute, die nicht die Zeit/Möglichkeit haben die Rennen im Stream zu verfolgen. Zusammen mit den Meldungen vom STG ist man als interessierter Verfolger topaktuell informiert!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

  2. avatar Andreas sagt:

    Das wunderbare an beiden Surfern ist auch deren Gelassenheit und entspannter Auftritt vor Ort. Sicher ein mitentscheidender Erfolgsfaktor. Das könnte sich so macher Segler eine Scheibe von abschneiden!

    Heute heißt es Daumendrücken ab 13 Uhr für Moana und ab ca. 14.30 Uhr für Toni! Die Rennen neun und zehn vor dem Medal Race am Dienstag stehen an.

    Im Internet-Livestream gibt es leider nur die Medaillenrennen der Stare (14 Uhr) mit Robert und Frithjof (können immerhin noch Vierte werden) und der Showdown im Finn zwischen Ben Ainslie und dem Dänen Jonas Hogh-Christensen.
    Etwas anderes bietet der int. Feed nicht an, sonst hätte die ARD die Surfrennen gezeigt.

    Stay tuned on segelreporter.com!!!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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