Olympia 2012: Empfang für das Olympiateam in Hamburg

"Ordentlich abgefeiert"

Das deutsche Segelteam bei der Ankunft in Hamburg. © STG

Das deutsche Segelteam bei der Ankunft in Hamburg. © STG

Fans schwenken eifrig schwarz-rot-goldene Fähnchen, bei den Familienangehörigen kullern Freudentränen über die Wangen und die feierlustige deutsche Olympiamannschaft verdeckt die tiefen Ränder unter ihren Augen mit dunklen Sonnenbrillen. Die Ankunft von 217 Athleten, die mit der „MS Deutschland“ von der Themse an die Elbe gefahren waren, wurde bei der Willkommensfeier in Hamburg zu einem Triumphzug für alle Beteiligten.

Das Kreuzfahrtschiff ausgebucht, die Hanseaten mit Nationalflaggen aus den Zimmerfenstern, da hatte DOSB-Präsident Thomas Bach gut lachen: „Die Idee war ein riskanter Geistesblitz, der voll aufgegangen ist, was nicht kalkulierbar war. Die Sportler konnten ganz unbeschwert feiern und vielleicht auch schon etwas über ihre Zukunft nachdenken. Das Mannschaftsgefühl war beeindruckend und hat so manchen schweren Moment der vergangenen Wochen in den Hintergrund gedrängt.“

Die DSV-Riege mit Begrüßungs-Transparent. © STG

Die DSV-Riege mit Begrüßungs-Transparent. © STG

Vergessen war der Medaillenspiegel, auch in den einzelnen Sportarten, wo es kein Edelmetall gegeben hatte. Zwar mussten die zwölf Seglerinnen und Segler am Kreuzfahrtterminal zuschauen, wie andere Stars im Mittelpunkt standen, ihre ganz persönlichen Olympiaerlebnisse nahm ihnen aber niemand.

Stanjek geht Fahrtensegeln

Als Erste mussten sie in Weymouth ran, als Erste kamen sie auch aus dem Bauch des „Traumschiffes“ an Land. Robert Stanjek und Frithjof Kleen, die Starboot-Sechsten aus Berlin, hatten an Bord auch „ordentlich abgefeiert“ und ihre Eindrücke der Olympischen Spiele sortiert. „Der Einzug ins Olympische Dorf in London mit den vielen tausend Sportlern aus anderen Nationen, aber auch die Leichtathletikwettkämpfe live zu sehen, war eine Super-Sache“, resümiert der Steuermann, der erstmal zwei Wochen Urlaub macht. Was? Segeln natürlich, zu zweit mit seiner Freundin Wiebke Behrbohm auf einer X-99 in den schwedischen Schären.

20.000 Hamburger begrüßen die Olympiamannschaft auf der "Deutschland". © A. Kling

20.000 Hamburger begrüßen die Olympiamannschaft auf der “Deutschland”. © A. Kling

Auch den Vorschoter hält es nicht lange auf dem Trockenen. Allerdings geht es für ihn schon wieder um die Tonnen – auf dem 100-Füßer „Chrisco“ beim Maxi Yacht Rolex Cup Anfang September in Porto Cervo. „Die vergangenen Tage waren schon ganz schön anstrengend“, sagt Kleen mit einem Augenzwinkern, „und der Empfang hier in Hamburg ist nochmal gigantisch.“

In London wohnte er privat in Chelsea und behält vor allem das Wiedersehen mit dem Ruder-Gold-Achter in Erinnerung. „Mit einigen von den Jungs bin ich zusammen beim Bund gewesen.“ Den ISAF- und IOC-Entscheidungen, ob das Starboot 2016 doch noch olympisch sein wird, wollen Stanjek und Kleen nicht vorgreifen, aber Anfang Oktober „zusammen Deutsche Meister werden“.

Ans Segeln denkt das Lübecker Laser-Ass Simon Grotelüschen – von ungenannten Teammitgliedern neben Surfer Toni Wilhelm als Feierbiest Nummer eins ausgemacht – zunächst nicht, will mit seiner Freundin Geeske erstmal Urlaub in Italien machen. „Auch für etwaige Zukunftsüberlegungen ist es einfach noch zu früh“, so der 25-Jährige, „das muss ich zunächst alles sacken lassen und dann in Ruhe mit meinem Umfeld und Wegbegleitern besprechen und abwägen.“ Mit seinem Sieg im finalen Medaillenrennen war der lang aufgeschossene Segler auch im fernen London aufgefallen, NDR-Moderator Alexander Bommes interviewte ihn dazu nachträglich in Hamburg auf der Bühne.

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2 Kommentare zu „Olympia 2012: Empfang für das Olympiateam in Hamburg“

  1. avatar Sven Gräpel sagt:

    Olympia ist zuende da möchte ich die herausragende Berichterstattung auf SegelReporter loben. Wirklich klasse und qualifiziert sind die Berichte und auch mal entgegen der Mainstream Meinung der restlichen Medien. Wirklich toll.
    Wäre einer von Euch Reportern Kommentator bei den Live Übertragungen würden diese auch wieder sehenswert sein.
    Danke!

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  2. avatar Manfred sagt:

    Ja! Kann mich meinem Vorposter nur anschließen.
    Sehr schöne Berichte. Immer gerne gelesen und die “kontrovers” diskutierten Beiträge waren das Salz in der Suppe.

    Smooth sailing aus Campione.

    PS: Campione: z.Zt home von 125 Mothies aus über 20 Nationen. Auffallen tun die schlank gewordenen VOR Segler, Fisher, Greenhalgh und Co. Dazu natürlich ein großes Kontingent an Aussies, Kiwis und Amis.”Diversity” halt…

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